Wie Goba Wasser und Ressourcen spart
Das Mineralwasser von Goba stammt aus einer Quelle in Gontenbad. Bis Niederschlag aus dem Alpsteinmassiv dort als Mineralwasser ankommt, vergehen mindestens 25 Jahre, Teile des Wassers sind sogar bis zu 80 Jahre unterwegs. Die Quelle ist artesisch gespannt, das Wasser tritt also durch Eigendruck aus. Goba entnimmt nach eigenen Angaben nur einen Teil der Menge, welche die Quelle auf natürliche Weise liefert. Wasserstände und Wasserqualität werden laufend überwacht.
«Wir verstehen die Quelle nicht als beliebig verfügbare Produktionsgrundlage, sondern als natürliche und wertvolle Ressource», sagt Roland Wehrli, Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für Innovation, Produktion und Logistik. Kurzfristige Hitze- oder Trockenperioden seien bei der Quelle heute nicht unmittelbar spürbar. Aufgrund der langen Verweilzeit im Gestein könnten sich Veränderungen erst viele Jahre später zeigen. Entscheidend sei deshalb die langfristige Entwicklung der Niederschlagsmengen.
Wasser sparen hat seine Grenzen
Auch bei der Produktion selbst spielt der Wasserverbrauch eine zentrale Rolle. Mineralwasser verwendet Goba nur dort, wo dies aus qualitativen oder prozessbedingten Gründen erforderlich ist. Für Reinigung und Produktionsprozesse kommt überwiegend Betriebswasser zum Einsatz. Wie viel davon benötigt wird, hängt unter anderem von der Verpackung ab. Bei PET-Flaschen fällt der Wasserbedarf geringer aus als bei Mehrweg-Glas, weil Glasflaschen vor jeder Wiederbefüllung gründlich gereinigt werden müssen. Als Grössenordnung nennt Goba einen zusätzlichen Wasserbedarf von rund 30 bis 50 Prozent der abgefüllten Menge.
Durch eine verbesserte Produktionsplanung, längere Produktionslose und optimierte Reinigungszyklen habe sich der Verbrauch bereits reduzieren lassen. Weitere Einsparungen verspricht sich das Unternehmen von modernerer Anlagen- und Reinigungstechnik.
«Wir verstehen die Quelle als natürliche und wertvolle Ressource.»
Gerade bei den Verpackungen zeigt sich allerdings, dass Nachhaltigkeit nicht mit einer einzigen Kennzahl beurteilt werden kann. Mehrweg-Glas benötigt für die Reinigung mehr Wasser als PET, kann dafür bei kurzen Transportwegen und hohen Umlaufzahlen Vorteile bei Ressourcenverbrauch und Abfall bieten. Knapp die Hälfte der von Goba in Verkehr gebrachten Getränke wird in Mehrweg-Glas abgefüllt. Eine Flasche kann im Optimalfall bis zu 50-mal wiederverwendet werden.
Auch leichte Einwegverpackungen können Vorteile haben. Bei längeren Transportwegen können PET oder Aluminium aufgrund ihres geringeren Gewichts und dem reduzierten Volumen beim Rücktransport ökologisch besser abschneiden als Glas. «Entscheidend ist, Nachhaltigkeit nicht anhand eines einzelnen Faktors zu beurteilen, sondern Energie, Wasser, Verpackung und Transport gesamthaft zu betrachten», sagt Wehrli.
Bei PET setzt Goba bereits auf einen hohen Anteil an wiederverwertetem Material. Sämtliche PET-Flaschen bestehen nach Unternehmensangaben zu 75 Prozent aus Rezyklat. Mehrwegflaschen werden zurückgenommen, gereinigt, kontrolliert und erneut befüllt, bevor sie am Ende ihres Lebenszyklus ins Recycling gelangen.
Weg vom Heizöl
Ein weiterer Hebel ist die Energieversorgung. Rund 80 Prozent des Strombedarfs deckt Goba derzeit mit eigener Photovoltaikproduktion, die restlichen 20 Prozent mit zertifiziertem Naturstrom. Für die Prozesswärme kommt hingegen noch Heizöl zum Einsatz. Das soll sich mit der geplanten Erneuerung der Produktionsanlagen ändern. Goba will Teil eines lokalen Energieverbunds werden und künftig einen wesentlichen Teil der benötigten Energie aus einem Blockheizkraftwerk beziehen. Dadurch soll der Einsatz fossiler Energieträger für die Prozesswärme wegfallen.
Auch bei der Logistik setzt das Unternehmen auf Veränderungen. Der Aussendienst fährt bereits vollständig elektrisch, ein Lastwagen wird mit HVO100 betrieben. Die weiteren LKW sollen bis 2030 auf CO₂-neutrale Antriebsarten umgestellt werden. Gleichzeitig versucht Goba gemeinsam mit der Brauerei Locher, Transporte besser zu koordinieren und Leerfahrten zu reduzieren.
Nicht die eine Lösung
Die Beispiele zeigen aber auch, dass es bei nachhaltiger Getränkeproduktion nicht die eine Lösung gibt. Ein Mehrwegsystem spart Verpackungen, benötigt dafür Wasser und Energie für die Reinigung. Leichte Einweggebinde sparen Gewicht und Volumen beim Transport, müssen aber zuverlässig in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Eigener Solarstrom reduziert den Strombezug, ersetzt aber noch nicht automatisch fossile Prozesswärme.
«Aus unserer Sicht stehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht im Widerspruch», sagt Wehrli. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sei langfristig auch wirtschaftlich sinnvoll. Investitionen in energieeffizientere Anlagen, erneuerbare Energien, ressourcenschonende Verpackungen und optimierte Produktionsprozesse versteht Goba deshalb auch als Teil der langfristigen Unternehmensentwicklung.
Für Wehrli liegt der entscheidende Ansatz in der Gesamtsicht. Goba nennt drei Schwerpunkte für die kommenden Jahre: die weitere Dekarbonisierung der Wertschöpfungskette, die Stärkung von Mehrweg-Glas im regionalen Vertrieb und einen niedrigeren Energie- und Ressourcenverbrauch in der Produktion. Nachhaltiger wird die Getränkeproduktion damit nicht durch eine einzelne Massnahme, sondern durch das Zusammenspiel vieler Verbesserungen.
Text: Patrick Stämpfli
Bild: zVg
