Das Vertrauen fährt mit
Im letzten Gespräch ging es um Ihren Weg von der kleinen Garage zum heutigen Unternehmen. Blicken wir nach vorne: Onlinevergleiche und neue Anbieter verschärfen den Wettbewerb. Wie behaupten Sie sich?
Daniel Vogel: Wir müssen erklären können, welchen Gegenwert der Kunde erhält. Der Kaufpreis ist sichtbar, die Qualität der Betreuung zeigt sich mit der Zeit. Zu einer seriösen Beratung gehört deshalb, Unterhalt, Finanzierung und den geplanten Einsatz anzuschauen. Auf der Markenbekanntheit dürfen wir uns nicht ausruhen. Kundentreue verdient man sich bei jedem Kontakt neu.
VW und Audi gibt es auch anderswo. Weshalb soll ein Kunde gerade zu PP Autotreff kommen?
Daniel Vogel: Weil er bei uns vieles zusammenfindet: die Markenkompetenz für VW, Audi und Volkswagen Nutzfahrzeuge, Werkstatt, Carrosserie und Lackiererei sowie Spezialwissen für klassische Fahrzeuge und Hochvolttechnik. Entscheidend ist, wie wir dieses Können einsetzen. Eine verständliche Erklärung und ein verlässlicher Ansprechpartner machen für den Kunden den Unterschied.
Mit PP Selection und stop+go sind Sie auch in Arbon vertreten. Welchen Gedanken verfolgen Sie dort?
Raphael Vogel: PP Selection verbindet Occasionen verschiedener Marken mit einer eigenen Werkstatt. Mit stop+go sprechen wir insbesondere Besitzer älterer Fahrzeuge an. Sie wollen wissen, welche Arbeiten nötig sind und welche Kosten auf sie zukommen. In Arbon können wir diese Kunden gezielt ansprechen und unser Angebot über den Neuwagenverkauf hinaus ergänzen. Gute Betreuung muss zum Fahrzeug und zum Budget passen.
Beim Elektroauto sind (noch) viele Kunden unsicher. Was hilft bei der Entscheidung?
Raphael Vogel: Ein konkreter Blick auf den Alltag: Welche Strecken fährt jemand, wo kann er laden, wie oft ist eine lange Reise geplant? Wer zu Hause laden kann, hat andere Voraussetzungen als jemand, der öffentliche Ladestationen nutzt. Dazu kommen Budget, Platzbedarf und persönliche Erwartungen. Diese Punkte sollte man vor der Bestellung besprechen und bei einer Probefahrt vertiefen. Eine Reichweitenangabe allein beantwortet noch keine dieser Fragen.
Daniel Vogel: Auch die Kosten müssen nachvollziehbar sein. Neben dem Fahrzeugpreis zählen etwa Ladetarife und eine mögliche Installation zu Hause. Wir wollen eine Entscheidung ermöglichen, mit der der Kunde im Alltag zufrieden ist. Dazu gehört, Vorteile und offene Fragen verständlich zu erklären.
2022 wünschten Sie sich «mehr Knöpfe» in neuen Autos. Beim neuen ID. Polo setzt VW wieder auf physische Tasten. Fühlen Sie sich bestätigt?
Raphael Vogel: Es zeigt, wie wichtig Rückmeldungen aus dem Alltag sind. Eine Funktion kann technisch hervorragend und trotzdem umständlich zu bedienen sein. Temperatur oder Lautstärke sollte man ohne langes Suchen verändern können. Gute Digitalisierung macht die Nutzung einfacher. Das gilt auch für uns: Ein online vereinbarter Termin ist bequem. Für eine Erklärung muss aber weiterhin ein Mensch erreichbar sein.
Was erwarten Gewerbekunden von einem Mobilitätspartner?
Daniel Vogel: Dass wir ihren Betrieb verstehen. Ein Fahrzeugausfall kann weit mehr kosten als die Reparatur selbst. Deshalb müssen Auswahl, Wartung und Ersatzmobilität zusammenpassen. Bei einer Flotte zählen die gesamten Kosten über die Nutzungsdauer: Finanzierung, Energie, Unterhalt und der spätere Restwert. Gerade beim Wechsel des Antriebs sollte man zuerst die Einsatzprofile prüfen.
Neue Antriebe verändern auch die Arbeit in der Werkstatt. Wie sichern Sie das Wissen zwischen Oldtimer und Hochvoltbatterie?
Raphael Vogel: Indem wir Ausbildung und Weiterbildung ernst nehmen. Unsere Mitarbeiter müssen mit der Technik Schritt halten können. Zugleich bleibt handwerkliche Erfahrung wertvoll. Bei einem Klassiker führen andere Wege zur Diagnose als bei einem Elektroauto. Beides verlangt sorgfältiges Arbeiten und die Bereitschaft, einer Ursache auf den Grund zu gehen.
Daniel Vogel: Eine Berufslehre eröffnet dafür sehr gute Möglichkeiten. Junge Menschen sollen bei uns erleben, dass ihre Arbeit gebraucht wird und sie sich entwickeln können. Wer Nachwuchs gewinnen will, muss sich Zeit für ihn nehmen. Das gehört zur Verantwortung eines Ausbildungsbetriebs.
Im September haben Sie erzählt, wie Sie Verantwortung abgeben mussten. Wie treffen Sie als Brüder die Entscheidungen über die nächste Etappe?
Raphael Vogel: Wir tragen die Verantwortung gemeinsam und können Gedanken miteinander prüfen, bevor daraus Entscheide werden. Dafür braucht es Offenheit, auch bei unangenehmen Themen. Als Brüder kennt man sich gut. Die gemeinsame Geschichte nimmt uns das sachliche Argumentieren aber nicht ab.
Daniel Vogel: Und wir müssen den Mitarbeitern Raum lassen. Ein Familienunternehmen lebt davon, dass auch Menschen ausserhalb der Familie Verantwortung übernehmen und ihre Sicht einbringen.
Wo sehen Sie in den nächsten Jahren den grössten Entwicklungsbedarf?
Daniel Vogel: Bei Elektrooccasionen wird etwa die Beurteilung der Batterie wichtiger. Auch Softwarefragen verlangen mehr Wissen. Wir wollen wirtschaftlich gesund bleiben und in Menschen, Technik und sinnvolle Abläufe investieren können. Wachstum ist ja nur dann sinnvoll, wenn die Qualität mitwächst.
Und was wünschen Sie sich persönlich für die nächsten zehn Jahre?
Raphael Vogel: Dass wir die Freude am Beruf behalten. Bei aller Technik geht es auch um die Begeisterung für ein Auto und um Begegnungen hier in der Region. Wenn Kunden gerne wiederkommen und junge Berufsleute bei uns eine Zukunft sehen, haben wir viel erreicht. Zum vierzigsten Jubiläum möchten wir sagen können: Wir haben uns weiterentwickelt und sind dabei nahbar geblieben.
