130 Jahre Breitenmoser Fleischspezialitäten

«Innovation und Tatkraft prägten unsere Geschichte»

«Innovation und Tatkraft prägten unsere Geschichte»
Heidi und Sepp Breitenmoser-Beggiato
Lesezeit: 3 Minuten

Aus einer kleinen Dorfmetzgerei ist in 130 Jahren ein erfolgreiches Familienunternehmen geworden. Heidi und Sepp Breitenmoser-Beggiato blicken auf prägende Meilensteine, mutige Entscheidungen und gelebte Werte zurück, die Breitenmoser über vier Generationen geprägt haben.

Welche Meilensteine haben die Geschichte von Breitenmoser besonders geprägt?
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Über vier Generationen trugen die jeweiligen Inhaber nicht nur Verantwortung für das Unternehmen, sondern auch für die Gesellschaft. Ein wichtiger Meilenstein war, dass mein Grossvater nach dem frühen Tod seines Vaters das Familienunternehmen bereits mit 22 Jahren gemeinsam mit seinen Geschwistern weiterführte. Seine Innovationskraft und Tatkraft gaben dem Familienunternehmen die Resilienz, um auch in schwierigen Zeiten erfolgreich zu bestehen. 

Welche Entscheidungen haben das Unternehmen nachhaltig verändert?
Heidi Breitenmoser-Beggiato: Bis ins Jahr 2000 befand sich die Metzgerei an der Gaiserstrasse am Dorfrand. Mit der Verlegung des Verkaufsgeschäfts in den Sparmarkt im Ziel und dem Bau des neuen Produktionsstandorts in Steinegg im Jahr 2004 begann eine neue Phase der Unternehmensentwicklung.
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Dank der modernen Infrastruktur konnten wir Spezialitäten für den Detailhandel herstellen und diesen Geschäftsbereich gezielt ausbauen. Einen entscheidenden Anteil am Erfolg unseres Verkaufsgeschäfts hatte meine Frau Heidi, die dieses mit grossem Engagement führte. In dieser Zeit wurde das Unternehmen zudem in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

«Qualität ist die Grundlage unseres Erfolgs.»

Wie hat sich das Metzgerhandwerk seit Ihrer Zeit verändert?
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Früher schlachteten wir das von den Bauern eingekaufte Vieh wöchentlich im Gemeindeschlachthof. Später wurde diese Tätigkeit nach St.Gallen verlegt. Diese Entscheidung löste damals gesellschaftliche und politische Diskussionen aus. Viele Bauern mussten längere Transportwege in Kauf nehmen und manche Metzgereien befürchteten zusätzliche Kosten. Rückblickend haben sich diese Sorgen jedoch weitgehend als unbegründet erwiesen, da heute der grösste Teil des einheimischen Schlacht-viehs auswärts geschlachtet wird.
Heidi Breitenmoser-Beggiato: Gleichzeitig hat sich auch das Berufsbild stark verändert. Heute bieten unterschiedliche Fachrichtungen jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten, einen Beruf rund um das Lebensmittel Fleisch zu erlernen.

Welche Werte wurden über Generationen weitergegeben?
Heidi Breitenmoser-Beggiato: Über Generationen hinweg wurden bei Breitenmoser Lehrlinge und Lehrtöchter ausgebildet. Viele von ihnen lebten während ihrer Ausbildung bei uns und erhielten Kost und Logis. Dadurch entstand eine enge persönliche Verbundenheit, die heute kaum mehr vorstellbar ist. Dieses gemeinsame Leben und Arbeiten prägte unser Familienunternehmen und stärkte Werte wie Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitige Verantwortung.

Mahlwerk  OD  

Gab es Momente, in denen Sie grosse Risiken eingegangen sind?
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Eine grosse Herausforderung waren für mich meine vielfältigen politischen Engagements als Schulratspräsident, Grossrat, Grossratspräsident und Präsident der Schlachthauskommission. In diesem kleinen Kanton wurde ich immer wieder darauf hingewiesen, dass meine direkte Art auch Kundschaft kosten könnte. Rückblickend stelle ich fest, dass diese Offenheit zwar nicht immer überall gut ankam, mir aber ebenso viel Anerkennung einbrachte.

Welche Innovation war ihrer Zeit rückblickend besonders weit voraus?
Heidi Breitenmoser-Beggiato: Im Orts- und Regionalgeschäft gehörten die ersten Grillkurse in der Region zu unseren wichtigsten Innovationen. Damit verbunden waren zahlreiche neue Produkte, die sich dank ihrer hohen Qualität erfolgreich am Markt etablierten. Auch bei Ladenbau und Marketing konnten wir neue Akzente setzen.
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Für mich war der Schritt zur Belieferung der Migros besonders wegweisend. Diese Zusammenarbeit war der Startschuss für eine bis heute erfolgreiche Partnerschaft mit dem Detailhandel und eröffnete dem Unternehmen neue Absatzmöglichkeiten.

Welche persönliche Erinnerung verbinden Sie am stärksten mit Breitenmoser?
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Kunst der Wurstherstellung, die ich von meinem Lehrmeister und vor allem von meinem Vater lernen durfte. Der sorgfältige Umgang mit den Rohstoffen für Wurst- und Charcuterieprodukte bildet bis heute die Grundlage unseres Erfolgs. Dass die heutige Unternehmensführung unsere überlieferten Rezepte mit derselben Qualitätsorientierung und Rezepttreue weiterführt, macht meine Frau und mich stolz.

Was wünschen Sie dem Unternehmen für die nächsten Jahrzehnte?
Heidi Breitenmoser-Beggiato: Ich wünsche mir, dass die fachliche Kompetenz erhalten bleibt und sich laufend weiterentwickelt. Ebenso hoffe ich, dass die von Barbara Ehrbar gelebte Sozialkompetenz auch in Zukunft das Unternehmen prägt.
Sepp Breitenmoser-Beggiato: Ich wünsche mir, dass die Mitarbeitenden diese Haltung erkennen und mit Engagement und Treue mittragen. Wenn diese Werte erhalten bleiben, bin ich überzeugt, dass Breitenmoser auch in den kommenden 100 Jahren erfolgreich sein wird.

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