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Wenn Stillstand keine Option ist

Wenn Stillstand keine Option ist
Oliver Zünd
Lesezeit: 5 Minuten

Das Rheintal zählt zu den produktivsten und exportstärksten Wirtschaftsräumen der Schweiz. Viele Unternehmen investieren in Produktionsflächen, automatisierte Lager und modernisierte Prozesse, um unter härteren globalen Bedingungen leistungsfähig zu bleiben.

Zwischen St.Margrethen und Rüthi sitzen zahlreiche international tätige Industrie- und Technologieunternehmen. Viele davon sind hochspezialisiert, inhabergeführt und in ihren Märkten weltweit tätig. Maschinenbau, Präzisionstechnik, Automation und industrielle Fertigung prägen die Region seit Jahrzehnten. Aus der früheren Industrielandschaft ist ein eng vernetzter Hightech-Standort entstanden, dessen Unternehmen ihre Produkte heute in alle Welt exportieren.

Gerade diese internationale Ausrichtung macht das Rheintal besonders sensibel für globale Veränderungen. Frankenstärke, steigende Kosten, geopolitische Spannungen und zunehmender Konkurrenzdruck aus Asien beschäftigen die exportorientierte Industrie seit Jahren. Der Branchenverband Swissmem spricht regelmässig von anspruchsvollen Rahmenbedingungen für die Schweizer Tech-Industrie. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen halten viele Unternehmen laut Swissmem weiterhin am Produktionsstandort Schweiz fest und investieren in ihre Prozesse und Infrastruktur.

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung derzeit bei der Zünd Systemtechnik AG. Das Altstätter Unternehmen investiert rund 50 Millionen Franken in einen neuen Montage- und Logistikbau mit automatisiertem Hochregallager. Für CEO Oliver Zünd ist der Ausbau die Folge einer Entwicklung, die sich über Jahre aufgebaut hat. «Unsere Cutter-Systeme haben sich technologisch stark weiterentwickelt und sind sowohl in ihrer Komplexität als auch in ihren Abmessungen deutlich gewachsen», sagt er. «Der Platzbedarf in Fertigung, Montage und Logistik ist entsprechend kontinuierlich gestiegen.»

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«Prozesse wurden insgesamt weniger effizient.»

Bremsfaktor Infrastruktur

Mit dem Wachstum des Unternehmens stiess die bestehende Infrastruktur zunehmend an ihre Grenzen. Um zusätzlichen Platzbedarf abzudecken, musste Zünd über die Jahre externe Flächen anmieten. Dadurch verteilten sich Logistik und Supply Chain auf mehrere Standorte. Was zunächst pragmatisch funktionierte, entwickelte sich mit wachsender Komplexität immer stärker zum Effizienzproblem.

«Insbesondere in den Bereichen Warenmanagement, Logistik und Spedition haben wir die Kapazitätsgrenzen der bestehenden Infrastruktur erreicht», sagt Oliver Zünd. «Materialflüsse wurden zäher, Schnittstellen komplexer und Prozesse insgesamt weniger effizient.»

Solche Entwicklungen beschäftigen derzeit viele exportorientierte Industrieunternehmen. Lieferzeiten, Materialflüsse und Prozessstabilität sind längst zu strategischen Faktoren geworden. Die Anforderungen an Produktionslogistik und Fertigung steigen dabei kontinuierlich. Produkte werden komplexer, Variantenvielfalt und Individualisierung nehmen zu, während Kunden gleichzeitig hohe Lieferzuverlässigkeit erwarten.

Bei Zünd zeigt sich diese Entwicklung auch an den Maschinen selbst. «Die technologische Weiterentwicklung unserer Maschinen geht einher mit grösseren Abmessungen und höheren Gewichten einzelner Komponenten», erklärt Oliver Zünd. «Das stellt neue Anforderungen an die Fertigungs- und Montageflächen ebenso wie an die innerbetriebliche Logistik.»

Viele Unternehmen im Rheintal bewegen sich heute in hochspezialisierten internationalen Nischenmärkten. Genau diese Spezialisierung erhöht jedoch gleichzeitig den Anpassungsdruck. Präzision, Qualität und Lieferfähigkeit entscheiden zunehmend darüber, ob sich die Produktion langfristig am Standort Schweiz halten lässt.

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Druck aus den Weltmärkten

Die internationale Vernetzung gehört zu den grossen Stärken des Rheintals. Genau dadurch wirken sich globale Veränderungen oft unmittelbar auf die Unternehmen aus. Viele Industriebetriebe exportieren den grössten Teil ihrer Produkte ins Ausland. Der Kanton St.Gallen erreicht jährlich ein Exportvolumen von deutlich über zehn Milliarden Franken.

Auch Zünd spürt diesen Druck direkt. «Mit einem Exportanteil von über 95 Prozent spüren wir globale Marktveränderungen sehr direkt», sagt Oliver Zünd. «Der Wettbewerbsdruck hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen – insbesondere durch Anbieter aus Asien, die technologisch rasch aufholen.» Gleichzeitig habe die Stärke des Schweizer Frankens die eigenen Produkte im internationalen Vergleich verteuert.

Die Antwort vieler Industrieunternehmen darauf ist nicht kurzfristiges Sparen, sondern langfristige Prozessoptimierung. Investitionen konzentrieren sich zunehmend auf Automation, stabile Abläufe und effizientere Materialflüsse. Ziel ist es, unter schwierigeren Rahmenbedingungen weiterhin präzise, flexibel und international konkurrenzfähig produzieren zu können.

«Effiziente, schlanke und robuste Abläufe sind ein zentraler Pfeiler unserer Unternehmensstrategie», sagt Oliver Zünd. Die Durchlaufzeiten der Maschinen lägen je nach Konfiguration aktuell zwischen acht und zwölf Wochen und seien damit weiterhin konkurrenzfähig. Entscheidend sei jedoch, diese Stabilität auch bei weiter wachsendem Volumen sicherzustellen.

Der Neubau von Zünd in Altstätten steht für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Produktionsstandorts Rheintal.
Der Neubau von Zünd in Altstätten steht für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Produktionsstandorts Rheintal.

Automation als Strategie

Im Zentrum des Neubaus stehen ein automatisiertes Hochregallager sowie ein neues Kleinteilelager. Die Innenfläche des Gebäudes umfasst über drei Geschosse insgesamt rund 14’000 Quadratmeter, das Hochregallager beansprucht weitere 3800 Quadratmeter. Beide Systeme werden Materialflüsse beschleunigen, Lagerhaltung transparenter machen und die Produktionsprozesse enger verzahnen.

«Diese beiden Systeme ermöglichen es uns, den Materialfluss deutlich zu optimieren und die Fertigungszeit zu reduzieren», erklärt Oliver Zünd. Gleichzeitig entstehe eine wesentlich effizientere und transparentere Lagerhaltung sowie eine nahtlose Anbindung an die nachgelagerten Produktions- und Montageprozesse.

Automation wird dabei bewusst nicht primär als Ersatz für Arbeitskräfte verstanden. «Automatisierung verstehen wir nicht als Selbstzweck, sondern als gezielte Unterstützung unserer Mitarbeitenden und als zentrale Voraussetzung für Skalierbarkeit, hohe Qualität und verlässliche Liefertreue», sagt Zünd.

Gerade im Rheintal investieren viele Industrieunternehmen seit Jahren gezielt in digitale Produktionssysteme, moderne Lagertechnik und effizientere Abläufe. Die Region hat sich dadurch schrittweise zu einem hochautomatisierten und international vernetzten Produktionsstandort entwickelt. Viele Betriebe bleiben dennoch stark regional verankert und denken langfristig. Zahlreiche Unternehmen investieren weiterhin bewusst in ihre Standorte im Rheintal, obwohl internationale Märkte zunehmend volatiler werden.

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«Der Neubau ist ein langfristiges Bekenntnis zur Region.»

Investieren trotz Unsicherheit

Investitionen in der Industrie sind anspruchsvoller geworden. Internationale Märkte verändern sich schneller, geopolitische Risiken nehmen zu und technologische Entwicklungen verkürzen Innovationszyklen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

«Investitionen sind heute geprägt von grösserer Unsicherheit und schnelleren Marktveränderungen», sagt Oliver Zünd. «Umso wichtiger ist eine langfristige Perspektive, eine solide finanzielle Basis und der Mut, strategisch notwendige Schritte konsequent umzusetzen.»

Für Zünd ist der Ausbau deshalb auch ein klares Zeichen der Verbundenheit mit Altstätten und dem Rheintal. «Mein Vater Karl Zünd hat hier vor rund 40 Jahren den Grundstein für das Unternehmen gelegt, hier sind wir verwurzelt», sagt Oliver Zünd. «Der Neubau ist deshalb auch ein Bekenntnis zur Region, zu unseren Zulieferpartnern sowie zu unseren rund 200 Mitarbeitenden am Standort Altstätten.»

Der Ausbau in Altstätten steht exemplarisch für eine Entwicklung, die derzeit viele Industrieunternehmen im Rheintal beschäftigt. Die Region lebt seit Jahrzehnten davon, sich technologisch, organisatorisch und industriell laufend weiterzuentwickeln. Ihre Stärke liegt nicht allein in tiefen Wurzeln, sondern in der Fähigkeit, sich unter veränderten Bedingungen immer wieder neu auszurichten.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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