FCSG Cupsieger 2026

Vier Daten, eine Seele

Vier Daten, eine Seele
Erster Cupsieg des FC St.Gallen: Am 26. Mai 1969 in Bern
Lesezeit: 4 Minuten

Manche Jahreszahlen prägen die Geschichte eines Vereins. Beim FC St.Gallen 1879 sind es 1904, 1969, 2000 und 2026: die Meistertitel von 1904 und 2000 sowie die Cupsiege von 1969 und 2026. Sie stehen nicht nur für sportliche Erfolge, sondern auch für die enge Verbundenheit von Club, Stadt und Region.

Der FCSG ist der älteste noch bestehende Fussballclub der Schweiz. 1879 gegründet, trägt er eine Geschichte mit sich, die länger ist als die der meisten Schweizer Sportinstitutionen. Diese Geschichte ist reich an Aufbrüchen, Abstiegen, Rückschlägen, Hoffnung, Treue und Neuanfängen. Titel aber waren selten. Neben den beiden Meisterschaften und den beiden Cupsiegen stehen mit dem Ligacupsieg von 1978 und dem Hallenmeistertitel von 1998 weitere nationale Erfolge in der Vereinsgeschichte. Im kollektiven Gedächtnis prägen jedoch vor allem jene vier Titeljahre das Selbstverständnis des Clubs.

1969: Der erste Cup

Der erste grosse Pokalmoment kam 1969. Der FC St.Gallen gewann im Wankdorf den Schweizer Cup und besiegte die AC Bellinzona vor 24’000 Zuschauern mit 2:0. Rudi Nafziger erzielte beide Tore. Für den FCSG war es der erste Cupsieg der Vereinsgeschichte. In der Clubchronik wurde dieser Triumph zum Mythos, auch weil er so lange ohne Wiederholung blieb.

1969 war eine andere Fussballwelt. Das Espenmoos war das Zentrum des St.Galler Fussballs, die mediale Begleitung war überschaubarer, die Nähe zwischen Mannschaft und Publikum direkter. Wer damals dabei war, erzählte später nicht von einem Event, sondern von einem Stück Stadtgeschichte. Der Cup war kein Marketingprodukt, sondern ein Pokal, der in einer Region ankam, die sich mit ihrem Club identifizierte, auch wenn der nationale Glanz selten war.

Gerade weil der Cupsieg von 1969 über Jahrzehnte der einzige blieb, wuchs seine Bedeutung. Er wurde zur Referenz, zur Erzählung der Väter und Grossväter, zur schwarzweissen Erinnerung an eine Zeit, in der St.Gallen schon einmal ganz oben stand. Jüngere Fans kannten diesen Titel meist nur aus Fotos, Archivtexten und Erzählungen. 1969 war weniger ein persönliches Erlebnis als ein geerbter Stolz.

Dass der FCSG später weitere Cupfinals verlor, verstärkte den Mythos dieses ersten Pokals. Der Verein kam wieder nahe heran, aber der Cup blieb ausser Reichweite. So wurde 1969 mit jedem verpassten Final nicht kleiner, sondern grösser. Es war das Jahr, an dem sich St.Gallen festhielt, wenn vom Schweizer Cup die Rede war.

KMU-Tag 2026  

«1904, 1969, 2000 und 2026 sind mehr als Titeljahre – sie sind Fixpunkte einer grünweissen Seele.»

Giuseppe Mazzarelli: Freut sich über seinen Treffer gegen Lausanne-Sports im Meisterjahr 2000
Giuseppe Mazzarelli: Freut sich über seinen Treffer gegen Lausanne-Sports im Meisterjahr 2000

1904 und 2000: Zwei Meistertitel

Ersetzen durch: Der erste Meistertitel gelang dem FC St.Gallen 1904. In einer Endrunde erreichten die Ostschweizer am 27. März in Bern gegen Servette ein 1:1-Unentschieden und besiegten zwei Wochen später die Old Boys Basel in Zürich mit 1:0. Weil die Basler anschliessend Servette mit 2:0 schlugen, stand der FC St.Gallen erstmals in seiner Geschichte als Schweizer Meister fest.

96 Jahre später folgte der nächste nationale Höhepunkt. In der Saison 1999/2000 wurde der FC St.Gallen erneut Schweizer Meister. Es war erst die zweite Meisterschaft der Vereinsgeschichte und zugleich die erste seit fast einem Jahrhundert. Die Swiss Football League beschreibt diesen Triumph entsprechend als sensationellen Meistertitel nach 96 Jahren Wartezeit.

Der Meistertitel von 2000 hatte eine andere Wucht als ein Cupsieg. Ein Cupfinal ist ein Tag. Eine Meisterschaft ist eine Saison. St.Gallen musste über Monate bestehen, Punkte sammeln, Erwartungen aushalten, Rückschläge verdauen und am Ende vor der nationalen Konkurrenz bleiben. Der Titel war nicht das Resultat eines einzelnen Nachmittags, sondern Ausdruck einer Mannschaft, die über eine ganze Spielzeit funktionierte.

Für viele Ostschweizer ist 2000 bis heute das grosse Fussballjahr ihrer Jugend oder frühen Erwachsenenzeit. Das war doch die Mannschaft mit Ivan Zamorano? Nein, schon diese Verwechslung zeigt, wie stark Erinnerungen und Mythen manchmal durcheinanderlaufen. Die Meistermannschaft von 2000 hatte ihre eigenen Figuren: Jörg Stiel im Tor, Marc Zellweger und Marco Zwyssig in der Abwehr, Giorgio Contini, Sascha Müller, Ionel Gane und Charles Amoah sowie Trainer Marcel Koller. Zum Team gehörten zudem Thomas Alder, Dorjee Tsawa, Giuseppe Mazzarelli, Ivan Dal Santo und weitere Spieler, die diesen historischen Erfolg mitprägten.

Dieser Titel veränderte den Blick auf den Club. Der FCSG war plötzlich nicht nur der traditionsreiche, leidenschaftliche Verein aus der Ostschweiz, sondern die Nummer eins der Schweiz. Der Erfolg führte in den Europacup, brachte internationale Gegner, nationale Anerkennung und ein Selbstbewusstsein, das die Region lange begleitet hat. Für eine Stadt und eine Region, die sich im Schweizer Fussball oft gegen grössere Zentren behaupten muss, war dieser Meistertitel ein Ausrufezeichen.

Gleichzeitig war 2000 nicht der Beginn einer Ära ständiger Titel. Es blieb ein Höhepunkt. Vielleicht macht ihn genau das so wertvoll. In St.Gallen werden Erfolge nicht entwertet, weil sie jährlich wiederkehren. Sie bleiben, weil sie selten sind. Die beiden Meistertitel von 1904 und 2000 bilden bis heute zwei der wichtigsten Eckpfeiler der Vereinsgeschichte.

Sommerkonzert  Thomas Stucki  
Lukas Goertler: Jubelt mit dem Team nach dem Cupsieg
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2026: Der zweite Cup

Dann kam der 24. Mai 2026. Wieder Wankdorf, wieder Cupfinal, wieder St.Gallen. Diesmal hiess der Gegner FC Stade Lausanne-Ouchy. Der FCSG gewann mit 3:0, dank Toren von Tom Gaal, Lukas Görtler und Christian Witzig. Nach der Roten Karte gegen Lukas Watkowiak musste St.Gallen lange in Unterzahl spielen, blieb aber stabil und brachte den Sieg mit erstaunlicher Reife nach Hause. SRF ordnete den Triumph als «Erlösung für eine ganze Region» ein.1904, 1969, 2000 und 2026 markieren die vier grössten Titeljahre der Vereinsgeschichte. Der erste Meistertitel, der erste Cupsieg, die zweite Meisterschaft und der zweite Cupsieg. Und doch erzählen sie gemeinsam die gleiche Geschichte: Der FC St.Gallen ist ein Club, dessen grösste Momente nicht selbstverständlich sind. Genau deshalb werden sie so intensiv erlebt.

1904 legte den Grundstein. 1969 schuf den Cupmythos. 2000 brachte die Ostschweiz an die Spitze des Schweizer Fussballs. Und 2026 gab einer neuen Generation ihren eigenen Titelmoment.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Keystone, Freshfocus

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