Was der FCSG für die Ostschweizer Wirtschaft bedeutet
Wenn der FCSG spielt, bewegt sich mehr als eine Mannschaft. Es bewegen sich Fans, Sponsoren, Wirte, Sicherheitsdienste, Verkehrsbetriebe, Medien, Merchandising, Lieferanten und zahlreiche Unternehmen, die rund um den Club direkt oder indirekt profitieren. Ein Heimspieltag ist deshalb auch ein kleiner Wirtschaftskreislauf. Menschen reisen an, kaufen Tickets, essen und trinken, nutzen den öffentlichen Verkehr, besuchen Beizen, kaufen Fanartikel, buchen Hospitality-Angebote oder treffen Kunden und Geschäftspartner im Stadion. Diese Wirkung ist in St.Gallen besonders spürbar, weil der Club nicht in einer anonymen Grossstadt funktioniert, sondern in einer Region, in der persönliche Netzwerke, unternehmerische Nähe und lokale Identifikation viel Gewicht haben. Der FCSG ist nicht einfach ein Freizeitangebot. Er ist Gesprächsstoff am Montagmorgen, Standortwerbung am Wochenende und ein gemeinsamer Nenner für Menschen, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Genau darin liegt sein wirtschaftlicher Wert.
«Der FCSG ist mehr als Fussball – er ist ein Wirtschaftsfaktor.»
Die Zahlen zeigen, dass der Club auch betriebswirtschaftlich eine beachtliche Grösse erreicht hat
Für das Geschäftsjahr 2024/25 wurde ein konsolidierter Bruttoumsatz von 45,52 Millionen Franken ausgewiesen. Rund 8,5 Millionen Franken davon entfielen auf die internationalen Spiele. Gleichzeitig schloss der Club das Geschäftsjahr mit einem konsolidierten Gewinn von 116’787 Franken ab, dem sechsten positiven Jahresergebnis in Folge. Das ist für einen Schweizer Fussballclub bemerkenswert, weil sportlicher Wettbewerb, Kaderkosten, Infrastruktur und schwankende Einnahmen das Geschäft anspruchsvoll machen.
Auch die Entwicklung der Zuschauerzahlen unterstreicht die Bedeutung des FCSG. In der Saison 2024/25 erreichte der Club mit durchschnittlich 18’079 Fans pro Heimspiel einen neuen Zuschauerrekord. Bei einer Stadionkapazität von 20’660 Plätzen bedeutet das eine starke Auslastung und eine Verlässlichkeit, von der nicht nur der Club profitiert. Ein fast volles Stadion ist auch für Catering, Hospitality, Sicherheit, Verkehr, Reinigung, Technik und Dienstleister ein wichtiger Faktor.
Der Kybunpark ist dabei mehr als die sportliche Bühne. Er ist ein wirtschaftlicher Knotenpunkt im Westen der Stadt. Die FC St.Gallen Event AG organisiert die Fussballspiele und weitere Veranstaltungen, vermarktet den Club und ist Mieterin des Stadions. Die Stadion St.Gallen AG ist Besitzerin des 2008 eröffneten Stadions, das zuerst AFG Arena hiess, heute noch als Kybunpark bekannt ist und ab Juli 2026 Berit Sitterstadion heisst. Mit seiner Nähe zur Shopping Arena, zu Verkehrsinfrastruktur, Gastronomie und weiteren Nutzungen ist der Standort längst Teil eines grösseren Wirtschaftsraums.
Interessant ist auch die Verbindung von Fussball und Unternehmensnetzwerk
Für viele Sponsoren ist der FCSG nicht nur eine Plattform für Logos und Bandenwerbung. Der Club bietet Zugang zu Emotionen, Reichweite, regionaler Zugehörigkeit und Kontakten. Wer sich beim FCSG engagiert, kauft nicht nur Sichtbarkeit, sondern regionale Wahrnehmung und Loyalität. Das macht den Club für Unternehmen wertvoll. In einer Zeit, in der klassische Werbung oft austauschbar wirkt, bietet der FCSG etwas, das sich schwer künstlich herstellen lässt: echte Aufmerksamkeit. Ein Tor, ein Derbysieg, ein europäischer Abend oder ein Cupsieg erzeugen Geschichten, die in Betrieben, Familien und Medien weiterleben. Sponsoren werden Teil dieses Erzählraums. Im besten Fall werden sie nicht als Störer wahrgenommen, sondern als Unterstützer einer gemeinsamen Sache.
Die FCSG-Supporterclubs spielen eine wichtige Rolle
Der Ambassadoren Club ist der exklusivste Kreis unter den FCSG-Supportern. Er richtet sich an Persönlichkeiten und Unternehmen, die den Club besonders eng begleiten und sich auf höchster Ebene für Grün-Weiss engagieren wollen. Der DienstagClub wiederum ist die traditionsreiche Donatorenvereinigung des FC St.Gallen 1879. Er verbindet wirtschaftliches und gesellschaftliches Netzwerk mit der Unterstützung des Clubs und gehört seit vielen Jahren zu den wichtigen Stützen im Umfeld des FCSG.
Der Pioneers Club 1879 seinerseits legt den Fokus auf die Förderung des Fussballnachwuchses. Er unterstützt unter anderem die Nachwuchsarbeit von Future Champs Ostschweiz und verbindet dieses Engagement mit exklusiven Match- und Netzwerkerlebnissen.Für eine Region wie die Ostschweiz ist dieses geballte Engagement nicht zu unterschätzen. Sie steht im nationalen Vergleich nicht immer im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der FCSG und sein Umfeld können diese Lücke füllen. Sie bringen St.Gallen, das Rheintal, das Appenzellerland, den Thurgau und weitere Teile der Region regelmässig auf die nationale Bühne. Der Club macht die Ostschweiz erlebbar. Nicht als Standortbroschüre, sondern als leidenschaftliche, eigenständige und treue Fussballregion.
Auch die Medien profitieren von dieser Strahlkraft
Kaum ein regionales Thema erzeugt so zuverlässig Reichweite wie der FCSG. Spielberichte, Kommentare, Interviews, Bildergalerien, Fanreaktionen, Krisenanalysen und Jubelgeschichten werden gelesen, geteilt und diskutiert. Für ein Wirtschaftsmagazin ist er interessant, weil er zeigt, wie stark Emotion und Ökonomie zusammenhängen. Hinzu kommt die Wirkung als Arbeitgeber und Ausbildungsumfeld. Ein Profifussballclub beschäftigt nicht nur Spieler und Trainer. Im Hintergrund arbeiten Mitarbeiter in Administration, Kommunikation, Sponsoring, Ticketing, Gastronomie, Sicherheit, Spielbetrieb, Nachwuchs, Infrastruktur, Medien, Verkauf und Eventorganisation. Dazu kommen externe Partner. Der FCSG ist damit Teil eines Beschäftigungssystems, das weit über den Profikader hinausgeht.
Besonders wichtig ist auch der Nachwuchs. Ein Club wieder FCSG ist für junge Fussballer in der Ostschweiz ein Ziel, ein Traum und ein Leistungszentrum. Das schafft sportliche Perspektiven, aber auch regionale Bindung. Wenn Talente aus der Region den Weg in den Profibereich finden, verstärkt das die emotionale und wirtschaftliche Logik des Clubs: Die Ostschweiz erkennt sich auf dem Rasen wieder.
Text: Stephan Ziegler
Bild: Freshfocus
