«Eine Solaranlage ohne Batteriespeicher ist kaum mehr vorstellbar»
Christian Wolf, wie entwickelte sich die Nachfrage nach klassischen Solaranlagen zuletzt?
Stark rückläufig. Innerhalb eines Jahres halbierte sie sich sowohl bei den Installationen als auch bei der Grösse der Anlagen. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem weiteren Rückgang der Anfragen um rund einen Drittel. Das wirkt sich direkt auf das Tagesgeschäft aus: Wir reduzierten die Planungsabteilungen und verlagerten Mitarbeiter in andere Bereiche des Maschinenrings Ostschweiz.
Gleichzeitig rücken Batteriespeicher in den Fokus. Was löste diesen Wandel aus?
Der Wandel begann 2023, nach Corona und zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Damals wurde eine mögliche Energieverknappung in Europa befürchtet, Blackout-Szenarien standen im Raum. Erstmals wurden Batterien ernsthaft als Notstromversorgung diskutiert. Als sich die Stromversorgung wieder entspannte, verlor dieses Argument an Bedeutung. Wer echte Sorgen hatte, installierte einen Speicher, viele andere beobachteten die Entwicklung weiter.
Warum kam der eigentliche Schub dann erst später?
Der entscheidende Faktor war das neue Energiegesetz. Plötzlich gab es nicht mehr zu wenig, sondern zu viel Strom. Die Preise für Solarstrom sanken stark, Überschüsse brachten kaum noch Erlöse. Damit verlagerte sich der Fokus auf die Optimierung des Eigenverbrauchs, und hier kam der Batteriespeicher als Lösung ins Spiel. Vor drei bis vier Jahren war diese Technologie noch fast unbezahlbar. Durch massive technologische Fortschritte, insbesondere aus Asien, sanken die Preise innerhalb weniger Jahre deutlich. Wenn Energie kaum noch Ertrag bringt und das Speichern gleichzeitig günstig wird, ist das ein klares Signal für Investitionen.
«Durch massive technologische Fortschritte sanken die Preise innerhalb weniger Jahre deutlich.»
Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Vorteile von Batteriespeichern?
Ein grosser Vorteil liegt darin, dass keine grossen Baustellen wie bei Pumpspeicherkraftwerken nötig sind. Die Speicher belasten die Natur kaum und lassen sich lokal installieren, etwa in Wohnhäusern oder Betrieben. Die Technologie ist einfach, bezahlbar und anwenderfreundlich geworden. Diese Entwicklung kennt man von anderen Geräten: Was beim Handy begann, setzte sich bei nahezu allen Elektrogeräten fort. Genau deshalb finden Batteriespeicher heute eine breite Anwendung.
Viele Eigentümer fragen sich: Ab wann lohnt sich ein Batteriespeicher wirklich?
Entscheidend ist, welchen Preis man für den selbst produzierten Strom oder für Überschüsse erhält. Viele Betreiber wechselten auf den Referenzmarktpreis und verzichteten damit auf individuell höhere Vergütungen. Gleichzeitig spielt der Eigenverbrauch eine zentrale Rolle. Ein Speicher macht nur Sinn, wenn tatsächlich ein entsprechender Strombedarf vorhanden ist. Wir empfehlen, Batteriespeicher so zu dimensionieren, dass sie rund zweihundert Mal pro Jahr geladen und entladen werden. Wird dieser Wert erreicht, ist bei heutigen Preisen eine Amortisation von acht bis zehn Jahren realistisch.
Was können Eigentümer tun, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern?
Wichtig ist die richtige Dimensionierung. Bei bestehenden Solaranlagen zeigt sich häufig ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch. Ist die Anlage zu klein, nützt auch ein grosser Speicher wenig. In solchen Fällen sollte zuerst die Solaranlage erweitert werden. Ideal ist eine Anlage, die zum Verbrauch passt und bei Bedarf durch einen Speicher ergänzt wird. So lassen sich fossile Energieträger gezielt ersetzen.
Und welche Rolle spielen Förderbeiträge bei Batteriespeichern?
Förderbeiträge wirken vor allem als zusätzlicher Anreiz. Sie helfen, Investitionsentscheide früher auszulösen, als dies rein wirtschaftlich der Fall wäre. Entsprechende Fördersysteme gibt es je nach Standort auf Ebene der Gemeinden, der Kantone oder der Netzbetreiber.
Wie positioniert sich MBRsolar im Bereich Speichersysteme?
MBRsolar versteht sich als Anbieter von Gesamtlösungen. Unsere Stärke liegt in der projektspezifischen Auslegung der Speichersysteme. Analysiert werden reale Verbrauchsdaten, gearbeitet wird mit Simulationen, und bereits in der Planung werden Themen wie Brandschutz und Standortwahl berücksichtigt. Dazu kommen Abklärungen mit Behörden und Elektrizitätswerken. Nach der Inbetriebnahme überwacht MBRsolar die Anlagen laufend und reagiert rasch bei Störungen.
«Die Technologie ist einfach, bezahlbar und anwenderfreundlich geworden.»
Welche Rolle spielen vernetzte Speicher und neue Geschäftsmodelle?
Netzwerkfähige Speicher können in Pools am Regelenergiemarkt teilnehmen. Bewährt hat sich eine Strategie, bei der der Speicher primär zur Eigenverbrauchsoptimierung dient und freie Kapazitäten sekundär vermarktet werden. Die Erfahrung von MBRsolar reicht hier weit zurück: Die ersten Speicher wurden vor rund 15 Jahren installiert, damals noch mit Bleiakkus, später mit Lithium-Ionen- und heute mit Lithium-Eisenphosphat-Batterien.
Wie sehen Sie die Zukunft der Batteriespeicher?
Für mich sind Batteriespeicher nicht mehr wegzudenken. Eine Solaranlage ohne Speicher ist kaum mehr vorstellbar. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist politisch gewollt, ohne leistungsfähige Speicher jedoch nicht umsetzbar. Unser Fokus liegt auf mittleren und grossen Batteriespeichern ab fünfzig Kilowattstunden bis in den Megawattbereich, insbesondere für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Meine persönliche Vision ist klar: Sobald ein Batteriespeicher nicht mehr kostet als ein Kühlschrank, wird er zur Selbstverständlichkeit in jedem Haushalt. In diese Richtung bewegen wir uns.
Text: Pascal Tschamper
Bild: zVg
