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«Tradition und Offenheit schaffen Raum für Entwicklung»

«Tradition und Offenheit schaffen Raum für Entwicklung»
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Mit dem Gewinn des Prix SVC Ostschweiz 2026 erhält die Tisca Tischhauser AG eine Auszeichnung für unternehmerische Kontinuität, Innovationskraft und starke regionale Verankerung. Im Interview spricht Andreas Tischhauser über die Bedeutung des Preises, langfristiges Denken und die Chancen textiler Anwendungen in neuen Märkten.

Andreas Tischhauser, herzliche Gratulation zum Gewinn des Prix SVC Ostschweiz 2026. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihr Unternehmen auf der Bühne als Sieger verkündet wurde?
Die Freude war grenzenlos. Mein erster Blick ging sofort zu unserem Team im Publikum. Als ich sah, dass alle vor Freude aufgesprungen waren, wurde mir klar: Dieser Preis gehört allen Mitarbeitern, die mit ihrem Engagement dazu beigetragen haben.

Was bedeutet diese Auszeichnung konkret für Ihr Unternehmen?
Wenn man sich vor Augen führt, wie viele hervorragende Unternehmen es in der Ostschweiz gibt, ist es etwas ganz Besonderes, zu den Besten zählen zu dürfen. Der Preis ist eine Anerkennung für das, was in über 85 Jahren aufgebaut und erreicht wurde. Viele Menschen haben uns auf diesem Weg begleitet und daran mitgearbeitet. Ihnen allen gebührt ein grosser Dank. Als Team verfolgen wir eine klare Aufgabe: Wir wollen die Möglichkeiten von Textilien nutzen und weiterentwickeln, um Räume zu Lebensräumen zu machen. Diese Auszeichnung ist für uns ein wertvolles externes Feedback und zeigt, dass dieser Ansatz auch ausserhalb unseres Unternehmens wahrgenommen wird.

Die Tisca Tischhauser AG blickt auf eine lange Tradition zurück und ist gleichzeitig international tätig. Wie gelingt Ihnen diese Verbindung aus regionaler Verwurzelung und globaler Präsenz im Alltag?
Unsere Wurzeln und die Verbundenheit mit der Region geben uns Stabilität, Kraft und Orientierung. Gleichzeitig sorgen neue Märkte und andere Kulturen dafür, dass wir offen bleiben für neue Perspektiven und nicht in Routine erstarren. Diese Balance ist weniger eine Frage von Methoden als eine Haltung. Tradition und Vorsicht verbinden sich mit Neugier und Offenheit. Gerade aus dieser Kombination entsteht immer wieder Raum für Entwicklung.

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«Heute sollen Textilien zusätzliche Funktionen übernehmen.»

Die Jury hebt beim Prix SVC jeweils auch Unternehmenskultur und Führungsqualität hervor. Welche Werte prägen die Arbeit bei Tisca Tischhauser besonders?
Werte sind in jedem Unternehmen wichtig. In einem Familienunternehmen haben sie jedoch eine besondere Bedeutung, weil sie aus der Familie kommen, ins Unternehmen getragen und dort gelebt und weiterentwickelt werden. Uns prägen Werte wie Neugierde, Energie, textile Passion, Mut und Resilienz, verbunden mit Authentizität und Bodenständigkeit. Oder wie wir intern manchmal sagen: immer schön auf dem Teppich bleiben. 

Die Ostschweiz ist ein starker Industriestandort, gleichzeitig stehen viele Unternehmen unter internationalem Wettbewerbsdruck. Welche Herausforderungen beschäftigen Ihr Unternehmen derzeit besonders?
Ein Dauerbrenner ist der starke Schweizer Franken. Er wirkt sich sowohl im Export als auch im Heimmarkt Schweiz aus, weil viele Mitbewerber im Ausland produzieren und ohne nennenswerte Eigenleistung günstig in der Schweiz anbieten können. Dazu kommen die weltweiten Unsicherheiten, die seit der Corona-Zeit in immer kürzeren Abständen auftreten und Unternehmen laufend vor neue Herausforderungen stellen.

Die Textilbranche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Wie hat sich Tisca Tischhauser in diesem Umfeld behauptet?
Unsere Wettbewerbsfähigkeit beruht unter anderem darauf, dass wir sämtliche Technologien der Textilherstellung einsetzen können. Wir verbinden traditionelles Handwerk mit industrieller Produktivität und behalten die Produktentwicklung bewusst in den eigenen Händen. Unser Fokus liegt auf der textilen Raumgestaltung. Daraus sind auch neue Geschäftsfelder entstanden, etwa Mobility mit Textilien für Flugzeuge, Bahn, Schiff und Bus sowie Sports mit Anwendungen im Fussball, Golf oder Tennis. Heute steht das Unternehmen mit den Bereichen Home, Living, Mobility und Sports stabil auf vier Beinen.

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Innovation spielt auch in traditionellen Industrien eine wichtige Rolle. Wo treiben Sie derzeit Entwicklungen besonders voran?
Neben Ästhetik und Langlebigkeit sollen Textilien heute zusätzliche Funktionen übernehmen. In diesem Bereich investieren wir stark, auch gemeinsam mit externen Forschungspartnern. Die Möglichkeiten reichen von Akustik- und Hygienelösungen bis zu Sicherheits- oder Leitsystemen. Dadurch entstehen immer wieder neue Anwendungen für textile Materialien.

Viele erfolgreiche Unternehmen in der Ostschweiz sind familiengeprägt und denken langfristig. Welche Rolle spielt dieses langfristige Denken bei Tisca?
Wir haben das Privileg, inhabergeführt und unabhängig zu sein. Entscheidungswege sind kurz, Investitionen können langfristig geplant werden. Eine Familie, eine Führungsmannschaft und Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, bilden die Grundlage unseres Handelns. Der Blick zurück zeigt, dass dieses Modell funktioniert. Die Entwicklung neuer Geschäftsfelder wäre ohne diese Struktur kaum möglich gewesen. 

Der Prix SVC bringt Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Welche Bedeutung haben solche Begegnungen und Netzwerke für Sie persönlich?
Begegnungen und Netzwerke sind sehr wichtig, besonders auch unerwartete Begegnungen. Plattformen wie der Prix SVC bringen Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen und fördern einen konstruktiven Austausch. Ich bin überzeugt, dass gelebte Netzwerke künftig noch wichtiger werden.

«Gelebte Netzwerke werden künftig noch wichtiger werden.»

Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Wo sehen Sie die grössten Chancen für Ihr Unternehmen?
Die Anforderungen an unsere Lebensräume verändern sich ständig. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien immer wieder neue Möglichkeiten für textile Anwendungen. Dadurch entstehen laufend neue Märkte im Innen- wie im Aussenbereich. Entscheidend ist, aufmerksam und agil zu bleiben, um solche Chancen nutzen zu können.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Rebekka Grossglauser

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