CSIO 2023

Der Überflieger vom Genfersee

Der Überflieger vom Genfersee
Edouard Schmitz rückt in der Weltrangliste unaufhaltsam vor und ist äusserst wertvoll für das Schweizer Team.
Lesezeit: 3 Minuten

Edouard Schmitz war 2022 zum ersten Mal auf heimischem Boden Teil der Schweizer Equipe – und gewann mit ihr auf Anhieb den Nationenpreis. Vor einem Jahr beendete der Romand zusammen mit den Routiniers Martin Fuchs, Steve Guerdat und Pius Schwizer eine 22-jährige Durststrecke.

Das Gründenmoos bot mit rund 9000 Zuschauern die perfekte Bühne für das Heimteam im Nationenpreis 2022 – erstmals auf diesem Level dabe: Edouard Schmitz. Nach dem ersten Umgang lag das Schweizer Quartett mit den drei ehemaligen Nummern 1 und dem «Rookie» mit acht Punkten zusammen mit den Niederlanden an zweiter Position. Die Führung übernahm Grossbritannien mit vier Punkten.

Im zweiten Durchgang blieben die Schweizer fehlerfrei. Die Holländer hatten einen Abwurf, die Briten sogar zwei und landeten schlussendlich auf dem dritten Platz – und der erste Schweizer Sieg im Heim-Nationenpreis seit 2000 in Luzern war Tatsache. Der Jubel kannte keine Grenzen!

Training im Thurgau

Schmitz, mit Jahrgang 1999 beim letztmaligen Schweizer Sieg in St.Gallen (1996) noch gar nicht auf der Welt, war bei seinem ersten Teameinsatz auf höchstem Level ausser sich vor Freude: «Es ist eine unglaubliche Reise, ich hoffe, dass es so weitergeht. Es war schon toll, überhaupt berücksichtigt zu werden, und dann gleich der Sieg – unfassbar!»

Der rasante Aufstieg des 23-Jährigen ist der Lohn für seinen Willen und seine Leidenschaft für den Reitsport. Gepaart mit dem starken Beritt – Edouard Schmitz stehen sechs Pferde zur Verfügung – und den perfekten Bedingungen auf der Anlage von Martin Fuchs in Wängi TG ist der Genfer ins Rampenlicht gesprungen.

Schmitz’ Pferde stehen im Stall der Weltnummer 4

Martin Fuchs’ Vater Thomas Fuchs, Trainer der Schweizer Equipe, ist sein persönlicher Coach und Mentor. «Meine Karriere wäre nie so verlaufen, hätte ich die Familie Fuchs nicht kennengelernt», sagte Schmitz der «Aargauer Zeitung». Seit er 17 ist, geht Edouard Schmitz im Fuchs-Stall ein und aus, verbringt täglich mehrere Stunden mit und auf seinen Pferden, wenn er nicht mit ihnen an Turnieren ist. Wie es dazu gekommen ist? 2017 entschloss sich der Westschweizer, an der Uni Zürich Informatik zu studieren. Also musste ein perfekter und mit dem Zug gut erreichbarer Stall her. Dass seine Pferde bei Fuchs einziehen durften, hat ihn enorm stolz gemacht.

Das Analytische und Technische des Informatikstudiums sind für Edouard Schmitz der optimale Ausgleich zum Springreiten, das Feingefühl, Geduld und Ruhe erfordert. Weil der Genfer auch mutig und risikofreudig ist, arbeitete er sich langsam, aber sicher in Richtung Weltspitze vor. Derzeit ist er hinter Fuchs (4.) und Steve Guerdat (22.) auf Platz 36 der Weltrangliste der drittbeste Schweizer. In jener der unter 25-Jährigen rangiert er sogar auf Platz 3.

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Mit acht Jahren ging es los

Dabei entstammt Schmitz, der perfekt Schweizerdeutsch spricht – seine Mutter ist halb Deutsche, halb Waadtländerin, sein Vater halb Zürcher, halb Genfer –, nicht einer klassischen Reiterfamilie. Als Kind verausgabte er sich in Vandoeuvres am Genfersee zunächst beim Schwimmen, Skifahren, Fussball oder Judo. Erst als Achtjähriger überzeugte er seine Eltern davon, dass das Reiten seine grosse Leidenschaft werden soll.

Ab diesem Zeitpunkt gab es für Edouard Schmitz, den alle nur «Edi» rufen, neben der Schule nur noch das Pferd und den Stall. Zum Studium kommen heute sechs Stunden täglich im Stall, 30 Kilometer Jogging pro Woche als Training, Wettkämpfe über den Erdball verteilt. Und weil auch noch etwas Raum übrig bleiben sollte für Dinge, für die andere 23-Jährige ganz viel Zeit haben, stellt Schmitz die Uni momentan etwas hintenan.

Im April startete der Überflieger im amerikanischen Omaha erstmals an einem Weltcupfinal, für den er sich dank hervorragenden Resultaten qualifiziert hatte Doch zurückblicken ist Schmitz’ Sache nicht: Mit dem Longines CSIO St.Gallen steht ein weiterer wichtiger Concours auf seinem Terminplan, bevor die EM im August in den Fokus rückt. Dort geht es um die letzten Plätze an den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Wetten, dass man von «Edi» Schmitz noch ganz viel hören wird?

Text: Stephan Ziegler

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