Neubau Soluma Swiss AG

«Raus aus der Komfortzone»

«Raus aus der Komfortzone»
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Die 2003 gegründete Soluma swiss AG hat mit der Inbetriebnahme des neuen Firmengebäudes in Altstätten einen weiteren Schritt in die High-Tech-Zukunft gemacht. Im Interview spricht Geschäftsführer Markus Wüst über die Gründungszeit, steigende Baukosten und die Zukunft des Unternehmens.

Markus Wüst, wie ist die Soluma swiss AG eigentlich  entstanden?
Mir war schon in der Lehrzeit klar geworden, dass ich einmal ein Unternehmen führen will. An die Selbstständigkeit dachte ich damals allerdings noch nicht. Um mein Ziel zu erreichen, habe ich mich nach der Lehre während acht Jahren an Abendschulen weitergebildet und mir das nötige betriebswirtschaftliche und unternehmerische Wissen angeeignet. Als sich dann 2003 eine berufliche Veränderung ankündigte, war das der richtige Zeitpunkt für mich, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Warum haben Sie als Firmensitz das Rheintal gewählt?
Aus zwei einfachen Gründen: Erstens wohne ich im Rheintal und zweitens ist das Rheintal das «Silicon Valley der Schweiz». Es finden sich hier aussergewöhnlich innovative Unternehmen mit hohen Qualitätsstandards. Die gute Ausbildungsstruktur im dualen Bildungssystem und sehr engagierte Mitarbeiter machen die Region für die Maschinenbranche sehr interessant. Mit den Nachbarregionen in Deutschland und Österreich ist man durch den Standort im Länderdreieck bestens vernetzt, und nicht zuletzt ist die direkte Verkehrsanbindung an die A1 ein Pluspunkt für die Logistik.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Gründung und in der ersten Zeit danach?
Ich habe mit meinem Unternehmen bei null angefangen. Zu Beginn fehlte es an Geld, Kunden und Infrastruktur. Die grösste Herausforderung war die Finanzierung der Infrastruktur. Nicht zuletzt wegen der bescheidenen Risikobereitschaft der Banken! Der Spruch «Ohne einen Franken Sicherheit bekommst du von den Banken auch keinen Franken» stimmt leider.

Und wie sah es aus mit Kunden?
Auch die Kundengewinnung war eine fordernde Aufgabe.  Es hat damals niemand auf mich gewartet – und ohne bestehendes Netzwerk war es umso schwieriger, zukünftige Kunden zu erreichen. Rückblickend wäre es vermutlich einfacher gewesen, eine bestehende Firma zu übernehmen. Allerdings hätte ich dann all die wertvollen Erfahrungen nicht gemacht, die mir heute helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Begonnen haben Sie mit dem Präzisionsdrehen und Präzisionsfräsen von «extrem heiklen» Fräs- und Drehteilen, die sich nur wenige Hersteller zutrauten. Was war daran so heikel und warum haben Sie es sich zugetraut?
Mir war von Anfang an bewusst, dass wir uns auf dem umkämpften Markt spezialisieren müssen, um überhaupt eine Chance zu haben. Diese Spezialisierung verfolgten wir über den technischen Aspekt. Unser Fokus lag darauf, hoch komplexe und schwierige Teile herzustellen. Das bedeutete unter anderem, gleich zu Beginn mit einer Fünfachsen- Fräsmaschine zu starten. Täglich neue, innovative Lösungen zu suchen, war unser Weg, potenzielle Kunden zu überzeugen.

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«Mir war von Anfang an klar, dass wir uns spezialisieren müssen.»

Innovation ist auch heute noch ein fester Bestandteil Ihres Tagesgeschäfts, oder?
Ja, das war schon damals mein Grundsatz, dem ich bis heute treu geblieben bin. Dafür müssen wir aber regelmässig unsere Komfortzone verlassen. Die Erfahrungen aus der Anfangszeit kommen uns heute sicherlich zugute, da sich unsere Branche in den vergangenen zehn Jahren grossen Herausforderungen und Veränderungen stellen musste – wie etwa bei der Industrie 4.0.

Relativ kurze Zeit nach der Gründung haben Sie bereits den Maschinenpark erweitert. Liefen die Geschäfte schon so gut?
Das hätten wir uns gewünscht, entspricht aber leider nicht den Tatsachen. Die Strategie, uns mit der Herstellung von hochkomplexen Teilen am Markt zu positionieren, verlangte viel Vorleistung. Um die Präzision in der Fertigung zu gewährleisten, war immer die modernste Infrastruktur an Maschinen und Werkzeugen gefordert. Für uns hiess das: Zuerst mussten wir investieren, und erst danach konnten wir auf mögliche Kunden zugehen, um Aufträge zu erhalten. Unser Risiko war immer hoch, da wir Maschinen, Material und Arbeitskraft schon vor der Auftragserteilung bereitstellen mussten. Komfortabler wäre es zweifellos gewesen, die Ressourcenplanung anhand voller Auftragsbücher vorzunehmen.

Wann wurde aus dem Unternehmen für Präzisionsfräsen ein Hightech-Unternehmen?
Das war 2003. Am Anfang natürlich mit einer kleinen Angebotspalette. Unsere Strategie ist heute wie damals EKS, also eine Engpass-konzentrierte Strategie: Mache weniges, aber das, was du machst, mache besser als andere.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihr Unternehmen? Schliesslich fiel die Realisierung des Neubaus ja genau in das erste Pandemie-Jahr.
Durch mein Engagement in Wirtschaft und Politik habe ich meistens eine gut gefüllte Agenda. Pandemiebedingt wurden viele Termine storniert und ich nutzte die frei gewordene Zeit für die Planung und Realisation des Neubaus. Im Nachhinein erwies sich der Baustart im Jahr 2020, also in der Anfangsphase der Pandemie, als richtig. Kurz danach stiegen die Rohmaterialpreise für Baustoffe sehr stark an, was bei uns zu einer Verteuerung des Neubaus von mindestens einer halben  Million Franken geführt hätte – und das hätte das ganze Projekt infrage gestellt.

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«Wir haben eine Engpass-konzentrierte Strategie.»

Das muss eine herausfordernde Zeit gewesen sein.
Ja, das war es zweifellos. Neben der Pandemie und der  Realisation des Neubaus hatten wir mit Preiserhöhungen beim Rohmaterial zu kämpfen, verursacht durch Verknappungen bei den Rohstoffwerken. Die Auswirkungen davon waren stark eingeschränkte Verfügbarkeiten und Preisanpassungen von an die 100 Prozent. Dazu kamen Engpässe im personellen Bereich aufgrund von Quarantäne und Isolation. Der  Austausch mit den Kunden hatte in dieser Zeit eine noch höhere Priorität als sonst und war dadurch zusätzlich sehr zeitintensiv.

Mit dem Neubau haben Sie auch den Firmensitz von Widnau nach Altstätten verlegt. Weshalb?
Ehrlich gesagt, gestaltete sich die Suche nach einer Liegenschaft oder verfügbarem Bauland viel schwieriger als erwartet. Im Wunschgebiet Oberrheintal suchten wir über fünf Jahre lang nach einer Option. Schliesslich sind wir in Altstätten fündig geworden und konnten das Grundstück für unseren aktuellen Standort erwerben.

Der Neubau ist auch eine Investition in die Zukunft. Wie sieht diese denn aus?
Der Neubau ist für die Soluma ein wichtiger und grosser Schritt für die Zukunft. Wir haben nun dringend benötigten Platz zur Verfügung, um Neuanschaffungen in den Bereichen Automatisation und neue Technologien zu realisieren. Weiter konnten wir unsere Prozesse räumlich trennen. Qualitätssicherung, Montage, Entgraten, Programmieren, Spedition und Lager sind nun auch eigenständige Abteilungen und optimal aufeinander abgestimmt. Wir wollen in allen Bereichen weiter wachsen – Know-how, Technologie, Team, Umsatz und Kunden.

Die Soluma swiss AG ist seit ihrer Gründung in Privatbesitz. Haben Sie in dieser Zeit als erfolgreiches Unternehmen Übernahme-Angebote erhalten oder zumindest Anfragen in diese Richtung?
Ja, wir haben wirklich schon zwei Übernahmeangebote erhalten. Natürlich fühlt man sich ein bisschen geehrt. Aber ein Verkauf kam für mich nie infrage. Ich liebe, was ich mache. Und das ist doch das Schöne daran.