Nacht des Ostschweizer Fussballs 2022

Auf junge Talente setzen

Auf junge Talente setzen
Maurice Weber: Wichtiger Beitrag für den Fussball der Ostschweiz.
Lesezeit: 6 Minuten

Maurice Weber ist nicht nur Präsident des FC Wil 1900, sondern als Inhaber der Weber-Gruppe, zu der die W+P Weber und Partner AG gehört, auch Hauptsponsor der Äbtestädter – und Awardsponsor bei der «Nacht des Ostschweizer Fussballs». Im Interview verrät Weber, warum er sich nicht nur persönlich so stark für den Fussball macht.

Seit Ende 2017 ist Maurice Weber Präsident des FC Wil. Weiter ist er Hauptaktionär der zum FC Wil 1900 gehörenden Aktiengesellschaft. Weber ist aber auch Geschäftsmann: 2001 hat er das in Wil ansässige Unternehmen W+P Weber und Partner AG gegründet, welches europaweit führend im Bereich Logistik- und Industriebau ist. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen über 120 Mitarbeiter in Wil, Zürich, Bern und Friedrichshafen – weitere Niederlassungen und Mitarbeiter kommen dazu. Seit Juli 2022 ist W+P auch Hauptsponsor des FC Wil 1900. Die Fussballnacht unterstützt Weber schon seit 2016 als Awardsponsor – und er ist Gründungsmitglied der NdOF.

Maurice Weber, Sie trugen einst selbst das Trikot des FC Will 1900. Ist das mit ein Grund, warum Sie sich so stark für den Verein engagieren?
Ein wenig schon – aber der Hauptgrund ist mein soziales Engagement für den Nachwuchs. Ich hatte im Leben Glück – habe eine grossartige Frau und eine ebensolche Familie, konnte ein cooles Unternehmen mit vielen tollen Menschen darin aufbauen und versuche deshalb, als ehrenamtlich tätiger Präsident etwas meinem Umfeld zurückzugeben. Wenn ich dann unter der Woche die vielen strahlenden Kinderaugen nach Training oder Spiel in den Katakomben der Lidl-Arena sehe, dann ist das für mich der grösste Lohn, den es auf Erden geben kann.

Warum sind Sie heuer mit Ihrer Firma als Hauptsponsor beim FC Wil 1900 eingestiegen, nachdem Sie schon seit 2017 als Präsident amten?
Wir haben mit unserer Firma schon seit vielen Jahren den FC Wil 1900 im Hintergrund finanziell an verschiedenen Stellen unterstützt und uns engagiert. Diesen Sommer hatten wir die Möglichkeit, unser finanzielles Engagement zu bündeln und es für das Hauptsponsoring zu verwenden. Wir wollten damit auch ein Zeichen setzen – auch wir bei W+P setzen auf junge, hungrige Talente, die unsere interessanten Projekte in wichtigen Funktionen führen können. Genau wie beim FC Wil 1900 wo wir auch auf junge talentierte Spieler (viele U-Nationalspieler) setzen, die bei uns eine Chance auf dem Platz bekommen und sich so stetig weiterentwickeln können.

Und warum engagieren Sie sich seit 2016 als Award- sponsor bei der Fussballnacht?
Ich bin Gründungsmitglied des Vereins NdOF und war acht Jahre lang im OK. Das Sponsoring an diesem Anlass kommt direkt dem Projekt Future Champs Ostschweiz zugute. Ich finde es sehr wichtig, dass wir nicht nur davon sprechen, sondern unsere Jugend auch aktiv unterstützen. Mit Rat und Tat, Erfahrung und Vertrauen, aber auch finanziell.

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Sie waren massgeblich am Aufbau und an der Neu- organisation von Future Champs Ostschweiz beteiligt. Wie wichtig ist das FCO-Projekt für den Ostschweizer Fussball?
Ich habe das Projekt seit 2008 vorangetrieben und 2011 mit Dölf Früh als Präsident des FC St.Gallen 1879 endlich zum Starten gebracht. Es brauchte enorm viel Überzeugungsarbeit, damit alle Kantonal-Verbände, OFV, FC St.Gallen 1879, FC Wil 1900 an ein solch einzigartiges Nachwuchsprojekt in der Schweiz glaubten. Das Resultat zeigt aber, dass dieser enorme Aufwand beim Start sich gelohnt hat: Noch nie hatte die Ostschweiz so viele U-Nationalspieler in den Schweizer Auswahlen. Heute müssen keine hochtalentierten Spieler aus Wil und St.Gallen nach Zürich zu GC oder FCZ wechseln, damit sie fussballerisch weiterkommen – sie können in der Ostschweiz nahe bei ihrem Elternhaus, der Schule und den Kollegen bleiben und trotzdem in einer der besten Talentschmieden der Schweiz trainieren. Diese Basisarbeit wird der Ostschweiz noch auf Jahre hinaus helfen, fussballerisch an der Spitze zu bleiben.

Ist das FCO-Projekt mit ein Grund, dass der FC Wil 1900 heute über eine der jüngsten Mannschaften im Profibereich verfügt?
Leider nein – zumindest aus meiner persönlichen Sicht. Es ist noch nicht ganz so, wie ich mir das wünschen würde. Wir haben im aktuellen Kader nur wenige ehemalige FCO-Spieler (M. Heule etwa). Die überwiegende Anzahl junger U-Nati-Spieler erhalten wir vom FCZ und YB oder Basel (auch LS oder GC). Diese Super-League-Clubs pflegen einen sehr guten Austausch von Spielern mit uns und erhalten dafür nach ein bis zwei Jahren der Ausbildung bei uns in der Challenge League Topspieler zurück, die das Super-League-Niveau problemlos und zum Teil massgeblich halten können (F. Stojkovic, F. Rohner, B. Krasniqi, J. Schmied, I. Beka uvm.). Wir haben mittlerweile über 100 Spieler in die Super League gebracht und auch einigen Trainern zu deren Karriere geholfen (Ch. Gross, M. Koller, U. Forte, H. Peischl uvm.). Manchmal gelingt uns auch ein Lucky-Punch wie aktuell mit Philipp Köhn, der uns bei RB Salzburg enorm viel Freude macht. Bezogen auf das FCO-Projekt ist es eher so, dass wir dem FC St.Gallen 1879 viele gute Junioren ab der U-15/U-16 abliefern, die nachher bei unserem grossen Nachbarn durchstarten (L. Stergiou etwa) oder es spielen andere ehemalige Wiler – K. Duah, J. von Moos, B. Stillhart etc. – plötzlich in Grün-Weiss. Das freut uns natürlich und zeigt unseren wichtigen Beitrag für den Fussball der Ostschweiz.

Gleichzeitig gilt Wil als Ausbildungsverein Nr. 1 in der Schweiz. Ist es manchmal auch frustrierend, wenn «Eigengewächse» zu anderen, grösseren Vereinen weiterziehen?
Grundsätzlich haben wir zuerst einmal sehr grosse Freude, wenn ein Spieler den Sprung von uns in die Super League schafft – egal zu welchem Club. Es ist eine unglaubliche Leistung über viele Jahre aller Beteiligten (Juniorentrainer, Eltern, Lehrer, Umfeld etc.) dahinter. Das geht oft vergessen. Als Ostschweizer freue ich mich natürlich, wenn der Club FC St.Gallen 1879 heisst. Aber wir vom FC Wil 1900 müssen unser jährliches Budget zu grossen Teilen mit Transfereinnahmen bestreiten, und da sind die Angebote für unsere Spieler vom FC St.Gallen 1879 oft nicht auf demselben Niveau wie von anderen Super-League-Clubs.

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Heuer machen auch die FC-Wil-Frauen in der Nationalliga B von sich reden, so haben sie neulich Super- League-Club Yverdon im Schweizer Cup mit 6:0 aus dem Wettbewerb gekickt. Wie wichtig sind die Damen für den FC Wil 1900?
Die Damen sind enorm wichtig für uns – ganz generell bin ich sehr stolz auf sie und hoffe, dass wir diese Euphorie noch weitertragen und noch mehr Zulauf, Unterstützung und Anerkennung für diese jungen Frauen erhalten können. Ich war beim 6:0 im Stadion und begeistert von dem absoluten Willen und dem permanenten Vorwärtsdrang der Spielerinnen. Diese junge Truppe hätte den Super-League-Vertreter auch mit 10:0 aus dem Stadion schiessen können – so überzeugend war ihr Auftritt an diesem Abend. Bravo! Jetzt gilt es hier auch – wie bei uns in der Challenge-League-Mannschaft und der U-20 –, Konstanz in die Leistungen zu bringen. Dann werden wir noch viel Freude haben! Ich habe dabei volles Vertrauen in die Trainer und den Staff.

Gilt für die Frauen das gleiche wie für die Männer: Man setzt auf Eigengewächse?
Ja unbedingt. Und auch hier steht eine sehr junge Mannschaft auf dem Platz (genau wie die Challenge-League-Truppe) und macht uns grosse Freude.

Sie haben drei Kinder; wie sind die fussballerisch unterwegs?
Ganz unterschiedlich: Lukas (20) – mein ältester Sohn – hat Fussball bei den Junioren im FC Wil 1900 gespielt. Er ist nun vor allem bei den Spielen des FC St.Gallen 1879 im Fan- sektor. David (18) – mein zweiter Sohn – ist mit Berufslehre, LAP und BMS voll ausgelastet und weniger im Sport unterwegs. Anina (14) – unsere Jüngste – ist ein Sport- und Bewegungstalent, nebst ihrer Frohnatur. Sie ist auch eine gute Fussballerin, macht aktiv Korbball und Geräteturnen im Verein.

Zum Schluss: Wann kickt der FC Wil 1900 wieder in der Super League?
Ab und zu träume ich davon... Im Ernst: Wir beim FC Wil 1900 bleiben auf dem Boden, schauen von Spiel zu Spiel. Versuchen uns – auf und neben dem Platz – ständig zu verbessern und werden es dann am Ende der Saison erleben, auf welchem Tabellenrang wir stehen. In jedem Fall denke ich, dass es immer wichtiger sein wird, dass ein Club mit klarer Vision arbeitet und Konstanz im Verein herrscht. Genau wie ein gut funktionierendes Industriegebäude braucht es dazu ein gutes Fundament und verlässliche Schlüsselpersonen. Dieses Teilziel haben wir beim FC Wil 1900 erreicht – jetzt können wir darauf aufbauen.

Und was passiert dann mit der Lidl-Arena in Wil, die aktuell nicht Super-League-tauglich wäre?
Da arbeiten wir intensiv daran und werden eine Lösung parat haben, wenn es aktuell werden würde.

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