ImmoPuls 2022

Erneuerbares Heizen soll attraktiver werden

Erneuerbares Heizen soll attraktiver werden
Der Zubau von Photovoltaik soll weiter gestärkt werden.
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Viele Ostschweizer Kantone haben die Klimawende in der Energiepolitik zur Priorität erklärt. Im Kanton St.Gallen beispielsweise sollen erneuerbares Heizen und der Zubau von Photovoltaik weiter gestärkt werden. Philipp Egger, Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen, erklärt, wie man noch mehr Immobilienbesitzer ins Boot holen will – u.a. mit 30 Millionen neuen Förderfranken.

Wer heute einen Neubau erstellt, baut aufgrund der kantonalen Vorschriften nachhaltig, setzt eine umweltfreundliche Heizung ein und produziert einen Teil des Stroms für den Eigenbedarf selbst. Eine erneuerbare Heizlösung ist in Betrieb- und Unterhalt zudem über eine Laufzeit von 20 Jahren günstiger als eine Heizung mit fossilen Brennstoffen. «Niemand will heute mehr eine Ölheizung im Keller haben», ist Philipp Egger, Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen, überzeugt.

Im Kanton St.Gallen machen die Haushalte beim gesamten Stromverbrauch heute einen Anteil von fast 30 Prozent aus. Und der Stromverbrauch dürfte mit dem angelaufenen Umstieg auf Wärmepumpen und E-Autos wohl zunehmen. Um bis 2050 klimaneutral zu werden, braucht es hier grössere Anstrengungen, zumal das nationale Ziel ja den Ausstieg aus der Atomkraft beinhaltet.

Umdenken nimmt an Fahrt auf

«Beim Umdenken ist noch Potenzial vorhanden», sagt Egger. Eine wichtige Rolle spielen für ihn die Impulsberater: Installateure und Gebäudetechniker werden von der Energieagentur geschult, um Liegenschaftsbesitzern die bestmögliche erneuerbare Energielösung bei einem Umbau oder einer Sanierung aufzuzeigen. Dazu gehören auch Informationen zu den jeweiligen Fördermitteln, die ein Immobilienbesitzer beantragen kann. «Zwischen 2018 und 2021 führten wir gezielte Aktionen für Photovoltaik-Anlagen auf Einfamilienhäusern durch – dadurch entstanden im ganzen Kanton zusätzlich 910 PV-Anlagen auf EFH- Dächern. Diese produzieren pro Jahr gut neun Gigawattstunden Strom. Für uns eine erfolgreiche Kampagne», freut sich Egger. Gerade im Hinblick auf den geplanten Ausstieg aus der Atomkraft muss die Stromproduktion mittels Photovoltaik eine wichtige Säule der Energieversorgung werden. «In der Schweiz soll Solarstrom im Jahr 2050 40 Prozent der jährlichen Produktion liefern und 32 Prozent des Winterbedarfs decken.» Ziel des Kantons ist ein Zuwachs von 500 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030. In den nächsten Jahren wird deshalb der Fokus auf grosse Dächer von Industrie- und Gewerbebauten gerichtet. Hier ist 2022 eine Kampagne in der Region Zürichsee/Linth (See-Gaster) geplant. Bis 2030 sollen zusätzliche 600 Gigawattstunden an CO2-neutraler Wärme verfügbar sein. Hier kommt Wärmeverbunden eine wichtige Rolle zu. Vor allem Anergienetze (Niedertemperaturnetze) werden einen grossen Beitrag leisten – mit dem Vorteil, dass sie in den heissen Sommermonaten zur Kühlung von Gebäuden genutzt werden können.

Fokus Wärmepumpen

Auch bei den Wärmepumpen möchte der Kanton St.Gallen mächtig zulegen. Seit Anfang 2020 wurden im Kanton St.Gallen 1800 Impulsberatungen durchgeführt und über 2000 Wärmepumpen zugesichert. Hier möchte die Energieagentur St.Gallen mit einer WP-Aktion nochmals einhaken, die im April im Rheintal startet und danach auf alle St.Galler Regionen ausgedehnt wird. «Bis 2023 sollen rund 6000 Wärmepumpen im Kanton realisiert sein», erklärt Philipp Egger. Mit 30 Millionen Franken Fördermitteln möchte man das Ziel erreichen. «Wir arbeiten eng mit der Branche zusammen. Mit der kostenlosen Impulsberatung zeigen die Installateure den Hausbesitzern die passende erneuerbare Heizungslösung auf», betont Philipp Egger. Ihm sei bewusst, dass beim Thema nachhaltige Heizlösungen fürs Eigenheim das Portemonnaie trotz Fördergelder eine grosse Rolle spielt. Denn die Erfahrung von Egger zeigt: «Der einzige Grund für einen 1:1 Heizungsersatz sind finanzielle Hürden.»

Künftig Heizung leasen?

«Wenn ich bei einer bestehenden Liegenschaft meine alte Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetze, sind meine Investitionskosten trotz Fördergelder weitaus höher als für eine neue Öl- oder Gasheizung», erläutert Philipp Egger. «Hier sprechen wir schnell von Investitionen von 30’000 bis 50’000 Franken, je nachdem, ob eine Luft/Wasser-Wärmepumpe oder eine Erdsonden-Wärmepumpe installiert wird.» Solche Investitionen in die Liegenschaft finanzieren heute viele Hausbesitzer, in dem sie – falls möglich – die bestehende Hypothek aufstocken, die in vielen Fällen bei der Überprüfung der Tragfähigkeit durch die Bank begrenzt wird. Deshalb müssen für Egger zwingend andere Modelle marktfähig gemacht werden, die ähnlich wie das Auto-Leasing funktionieren. «Finanzinstitute könnten einen Nachhaltigkeits-Kredit anbieten, den man in unserem Fall, für eine Wärmepumpe abschlösse – und der über einen definierten Zeitraum von zehn bis 15 Jahren monatlich zurückbezahlt würde.» Die Anzahlung könnte sich etwa in der Höhe einer neuen Ölheizung – 15’000 bis 20’000 Franken – bewegen. «Solche und ähnliche Modelle könnten den Umstieg auf nachhaltige Heizlösungen nochmals attraktiver machen, da die finanzielle Belastung überschaubarer und getrennt von der Liegenschaftshypothek wird», sagt Egger. «So wie heute das Auto-Leasing funktioniert, lease ich quasi eine Heizung.» Noch ist es nicht soweit, aber die Energieagentur ist im Gespräch mit diversen Partnern, darunter Banken, mit dem Ziel, das Umsteigen auf erneuerbares Heizen für Liegenschaftsbesitzende finanziell tragbar zu machen und weiter zu pushen. Abschliessend hält Philipp Egger fest: «Eine Wärmepumpe mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach ist das umweltfreundliche Heizungssystem der Zukunft – jederzeit energetisch überwacht mit dem Wärmepumpen-Cockpit (WP-Cockpit.ch).»

Philipp Egger: Anreize schaffen.
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