Ostschweiz

«Starke Unternehmen bilden einen starken Wirtschaftsraum»

«Starke Unternehmen bilden einen starken Wirtschaftsraum»
Markus Probst
Lesezeit: 4 Minuten

Markus Probst ist Präsident des Arbeitgeberverbandes Werdenberg-Sarganserland. Der AGV vertritt die Interessen von rund 220 dortigen Unternehmen mit über 11´000 Mitarbeitern. Probst weiss, was den Wirtschaftsstandort auszeichnet.

Markus Probst, der Wirtschaftsraum Werdenberg-Sarganserland ist durch eine vielfältige Branchenlandschaft geprägt. Welche stechen besonders hervor?
Traditionell stark vertreten sind die Maschinen- und Anlagenbauindustrie mit Spezialisierungen bei dünnen Schichten, Vakuumtechnologie und Optik, Hersteller von elektronischen Ausrüstungen, Lebensmittelindustrie und verschiedene Zulieferbetriebe, beispielsweise für die Automobilindustrie. Zudem spielen der Tourismus und die Dienstleistungsbranche eine wichtige Rolle. Die geografische Lage bietet einen strategischen Vorteil für Handel und Logistik, was die Region auch für internationale Unternehmen attraktiv macht.

Die geopolitischen Verwerfungen und Handelsstreitigkeiten, der Fachkräftemangel, die Kostensteigerungen bei Energie und Rohstoffen, die globale Konjunkturabkühlung und der starke Franken beeinflussen wohl auch die Unternehmen in Ihrer Region.
Leider ja. Vor allem die exportorientierte Industrie spürt diese Herausforderungen stark. Hinzu kommen für alle Unternehmen die digitale Transformation, das Thema Nachhaltigkeit und die weltweit zunehmende Regulierung.

Zahlreiche dieser Faktoren können Sie nicht beeinflussen, Sie können aber zumindest den Wirtschaftsraum Werdenberg-Sarganserland als attraktiven Standort für Unternehmen und Fachkräfte fördern?
Das tun wir auch: Wir engagieren uns etwa bei der von uns initiierten Standortplattform sarganserland-werdenberg.ch, beim RhySearch oder beim Hightech Campus Buchs. Weiter unterstützen wir unsere Mitglieder konkret und direkt, beispielsweise in den Bereichen Berufs- und Weiterbildung, um den Fachkräftemangel anzugehen. Wir sind eine Netzwerkplattform, auf der Unternehmer Erfahrungen austauschen und Kooperationen starten können. Weiter setzen wir uns für eine unternehmensfreundliche Politik und eine hohe Lebens- und Wohnqualität ein, um Fachkräfte in die Region zu ziehen und zu halten.

 

  

«Wenn wir ein attraktiver Wohn- und Lebensort sind, hilft das auch beim Gewinnen von Arbeitskräften.»

Und wie sieht der AGV die Zukunft der Arbeit in der Region?
Ich sehe zwei prägende Trends: Einerseits wird die Arbeitswelt komplexer und von der engen Zusammenarbeit zwischen Mensch und «Maschine» geprägt sein. Dies stellt neue Anforderungen an Organisations-, Arbeits- und Lohnmodelle, betriebliche Abläufe und die Zusammenarbeit, Aus- und Weiterbildung oder die Sozialsysteme. Es werden neue Berufe entstehen; insgesamt dürften Portfolio-Worker und Job-Nomaden zunehmen. Lebenslanges Lernen wird von der Plattitüde zur Normalität. Der zweite Trend betrifft unser Verhältnis zur Arbeit und wie wir arbeiten: Homeoffice, Teilzeitarbeit und regelmässige Sabbaticals liegen im Trend. Mehr Freiheit und Flexibilität sind den Arbeitnehmern wichtig. Es wird interessant sein, ob diese Entwicklung volkswirtschaftlich (Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit) tragbar ist oder nicht.

Auch in Ihrer Region dürfte der Fachkräftemangel eine signifikante Herausforderung darstellen.
Ja, insbesondere in technisch spezialisierten und handwerklichen Branchen. Hier sehe ich wirklich eine grosse Herausforderung für unsere Entwicklung. Der AGV setzt auf Initiativen zur Förderung der dualen Berufsausbildung und Partnerschaften mit den Bildungseinrichtungen. Zudem unterstützen wir unsere Mitglieder in Themen wie Arbeitsmarktattraktivität und versuchen, gezielte Impulse und Ideen zu geben. Und: Wenn wir ein attraktiver Wohn- und Lebensort sind, dann hilft das auch beim Gewinnen von Arbeitskräften.

Dazu gehören auch Aus- und Weiterbildung.
Absolut – Bildung und Weiterbildung sind entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Region zu sichern. Der AGV unterstützt daher spezielle Initiativen und Programme, die sich auf technologische Weiterbildung, Managementkompetenzen und die Förderung von Soft Skills konzentrieren. Partnerschaften mit Fachhochschulen und anderen Organisationen in diesem Bereich sind Teil dieser Strategie.

 

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«Lebenslanges Lernen wird von der Plattitüde zur Normalität.»

Die Digitalisierung bietet viele Chancen, stellt aber auch Unternehmen vor Herausforderungen.
Korrekt. Unsere Unternehmen sind meines Erachtens schon ziemlich fit, aber natürlich, es ist immer noch mehr möglich, die Entwicklung geht weiter. Gerade das Thema «Künstliche Intelligenz» bringt für KMU besondere Herausforderungen.

Für Unternehmen in Werdenberg-Sarganserland dürfte besonders auch die internationale Vernetzung von grosser Bedeutung sein?
So ist es, viele unserer Unternehmen sind exportorientiert, und die Nähe zu unseren Nachbarländern eröffnen uns viele Möglichkeiten. Der AGV unterstützt seine Mitglieder durch die Organisation von Austauschmöglichkeiten und die Pflege von Kooperationsnetzwerken. Diese Massnahmen helfen, die Sichtbarkeit der Unternehmen zu erhöhen und neue Märkte zu erschliessen. 

Mit Liechtenstein liegt ein weiterer starker Wirtschaftsstandort gleich vor Ihrer Haustüre. Wie ist das Verhältnis zu den Nachbarn im «Ländle»?
Die Beziehung zu Liechtenstein ist ausgezeichnet. Es bestehen zahlreiche Kooperationen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärkt die Region insgesamt und schafft Synergien, von denen beide Seiten profitieren. Das leidige Thema der Meldepflicht beim grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr harrt leider weiterhin einer Lösung.

Abschliessend, welche Vision verfolgt der AGV für die Entwicklung des Wirtschaftsraums Werdenberg-Sarganserland in den nächsten zehn Jahren?
Wir wollen den Wirtschaftsraum Werdenberg-Sarganserland als einen innovativen, nachhaltigen und lebenswerten Standort etablieren. So soll ihn die ganze Schweiz und das angrenzende Ausland kennen, schätzen und nutzen. Strategische Ziele umfassen die Stärkung der regionalen Wirtschaft durch Innovation und Digitalisierung, die Förderung der Bildung und Fachkräfteentwicklung sowie die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Attraktivierung des Wohn- und Lebensraums. Eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Behörden, Bildungseinrichtungen und Unternehmen ist entscheidend, um diese Ziele zu erreichen. Vor allem aber wollen wir unsere Mitgliedsunternehmen durch Dienstleistungen stärken. Denn starke Unternehmen bilden einen starken Wirtschaftsraum.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer