«Wir denken ein Projekt vom fertigen Gebäude her»
Wie hilft die ganzheitliche Projektabwicklung von Architektur über Produktion bis Montage dabei, Innenverdichtung schneller und effizienter umzusetzen als bei traditionellen Bauweisen?
Durch unsere ganzheitliche Projektabwicklung entfallen viele Schnittstellen klassischer Bauprozesse. Entwicklung, Planung, Statik und Ausführung greifen von Beginn an ineinander. Der grösste Hebel liegt darin, dass wir Projekte vom fertigen Gebäude her denken, nicht vom einzelnen Gewerk. Das schafft Klarheit, beschleunigt Entscheidungen und reduziert Nachträge, besonders in sensiblen Verdichtungssituationen.
Inwiefern beschleunigt die Vorfertigung von Holzelementen in Ihrer eigenen Produktionsanlage die Bauzeiten bei Aufstockungen und Ergänzungen in dicht bebauten Quartieren?
Wand-, Decken- und Dachelemente werden witterungsunabhängig, millimetergenau und montagefertig produziert. Dadurch verkürzen wir die Baustellenzeiten, reduzieren Emissionen und liefern die Elemente exakt auf den Bestand abgestimmt. Bei Aufstockungen in bewohnten Quartieren lassen sich Bauzeiten um Wochen verkürzen. Der Witterungsschutz der darunterliegenden Geschosse kann schneller sichergestellt werden.
Wo sehen Sie im Holzbau die grössten Effizienzgewinne in der Verdichtung, und wo liegen die praktischen Grenzen bei engen Platzverhältnissen?
Die grössten Effizienzgewinne liegen im geringen Eigengewicht, der hohen Vorfertigungstiefe und der schnellen Montage. Das ermöglicht Aufstockungen, die mit Massivbau statisch oder logistisch kaum realisierbar wären. Grenzen zeigen sich dort, wo Zufahrt, Kranstandorte oder Lagerflächen stark eingeschränkt sind. Mit präziser Planung, Just-in-time-Lieferungen und angepassten Elementgrössen lassen sich viele Herausforderungen lösen. Im Ausnahmefall werden Elemente per Helikopter an den vorgesehenen Ort transportiert.
«Holzbau verlangt Disziplin und genau das macht ihn effizient.»
Wie wirken sich Ihre Planungsprozesse für Architektur und Holzbau auf Terminsicherheit und Bauablauf aus, speziell bei Nachverdichtungsprojekten?
Unsere Planer denken den Holzbau von Anfang an mit und werden von internen Spezialisten in den Bereichen Energie, Brandschutz, Schallschutz, Statik und Holztechnik unterstützt. Daraus entstehen klare Raster, optimierte Spannweiten und montagegerechte Details. Gerade bei Aufstockungen werden Lastableitungen und Anschlussdetails frühzeitig berücksichtigt. So entstehen realistische Terminpläne, die wir einhalten können.
Welche Rolle spielt Digitalisierung und moderne Technik wie CNC-Fertigung für die Effizienz im Verdichtungsholzbau?
Digitalisierung ist ein zentraler Effizienztreiber. Der Bestand wird digital vermessen, Planung und Vorfertigung sind durchgängig digital aufgebaut. Die Elemente werden mittels CNC-Fertigung präzise vorproduziert. Die durchgängige Datennutzung reduziert Schnittstellen, minimiert Fehler und erhöht die Terminsicherheit.
Verdichtung hat auch Auswirkungen auf Nachbarn und Bauumfeld. Welche Vorteile bringt der Holzbau in Bezug auf Lärm, Baustellenzeit und Abläufe?
Holzbau ist leiser, sauberer und schneller als konventionelle Bauweisen. Die kurze Montagezeit reduziert Lärm, Staub und Verkehrsbelastung. Unabhängig vom Material ist eine proaktive und offene Kommunikation mit den Nachbarn im Vorfeld entscheidend.
Welche Architektur- und Materialstrategien nutzen Sie, um Verdichtungsobjekte nicht nur schnell, sondern auch attraktiv und funktional umzusetzen?
Wir setzen auf eine klare Architektursprache, flexible Grundrisse und materialgerechtes Bauen. Holz bleibt wo möglich sichtbar, teilweise kombiniert mit Materialien wie Stahl oder Beton. Unser Ziel ist es, Bauherrschaften wirtschaftliche und sinnvolle Lösungen zu bieten. Gute Architektur und eine passende Materialwahl schaffen Mehrwerte und Akzeptanz.
Viele Bauherrschaften befürchten hohe Kosten im Holzbau. Wie argumentieren Sie im Kontext Verdichtung und Effizienz, wenn es um die Kosten-Nutzen-Relation geht?
Wir betrachten häufig die Lebenszykluskosten statt nur die Baukosten. Kürzere Bauzeiten, weniger Bauprovisorien, geringere Fundamentkosten und planbare Abläufe relativieren oft leicht höhere Rohbaukosten.
Welche Erfahrungen haben Sie bei Projekten in bestehenden Quartieren gemacht, bei denen Holzbau tatsächlich zur Beschleunigung beigetragen hat?
Wir haben zahlreiche Aufstockungs- und Anbauprojekte realisiert, bei denen die Montage innerhalb weniger Tage abgeschlossen und der Rohbau in Wochen statt in Monaten erstellt wurde. Gerade bei innerstädtischen Baustellen, etwa im Zentrum von Zürich, zeigte sich der Effizienzgewinn deutlich. Auch Anwohner sind häufig überrascht, wie schnell die Montage voranschreitet.
Wie sehen Sie die Marktentwicklung für Holzbau bei Verdichtungsprojekten in der Ostschweiz? Wird Holzbau zunehmend Standard oder bleibt er projektbezogen?
Ich bin überzeugt, dass sich Holzbau bei Verdichtungsprojekten zunehmend vom Einzelprojekt zum Standard entwickelt. Die wachsenden Zahlen bestätigen diese Entwicklung. Immer mehr Gebäude und Grossprojekte werden in Holz realisiert. Holzbau wird heute nicht mehr als Nischenlösung verstanden, sondern als etablierte Bauweise für Verdichtungsvorhaben.
Text: Patrick Stämpfli
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer, zVg
