Pferde in Slowmotion
Urs Steiger, was sind Ihre Aufgaben als Slowmotion-Operator am CSIO St.Gallen?
Mit dem Team vor Ort nehme ich den Übertragungswagen in Betrieb und bin Teil des gesamten Aufbaus der Produktionsinfrastruktur wie den Kameras oder auch des Slowmotionservers. Während der Springkonkurrenz bereite ich Slowmotion-Sequenzen für das internationale Fernsehsignal auf.
Worauf legen Sie den Fokus, wenn es um Slowmotions geht?
Für mich ist ganz wichtig, dass für das TV-Publikum alle Fragen beantwortet werden. Hat das Pferd beim Wassergraben wirklich das Wasser oder die Begrenzungsleiste berührt? Zudem geht es auch viel um Emotionen, es gibt immer Verlierer und Sieger. Das richtige Slowmotion-Bild soll im richtigen Moment in die warme Stube nach Hause oder auf die Screens im Stadion transportiert werden.
Gibt es Hindernisse, welche sich besonders für Slowmotions eignen?
Es kommt weniger auf das Hindernis an. Wichtiger ist, was passiert, wenn Pferd und Reiter das Hindernis bewältigen, oder eben nicht. Persönlich bin ich begeistert von den Jagdspringen. Da wird aufs Tempo gedrückt, schnelle Wendungen, unterschiedliche Linien werden geritten. Wer riskiert, kann auch überraschen!
Wie gross sind die Unterschiede im Vergleich zu anderen Sportarten?
Springreitsport ist eine Folge von Hindernissen, die chronologisch aufgereiht sind und deshalb immer in der gleichen Reihenfolge beritten werden. Das macht das Ganze berechenbarer. Sportarten wie Eishockey oder Fussball sind schwieriger zu lesen. Es kann irgendwo auf dem Spielfeld irgendetwas passieren. Aber auch beim Reitsport muss man auf der Hut sein. Ich höre natürlich immer über meinen Kopfhörer die SRF-Übertragung mit Kommentar und Experte. Das hilft mir, die richtigen Entscheide zu treffen. Was es immer braucht, ist ein gutes Auge, das Verständnis und die Passion für den Sport sowie schnelle Gedanken und Hände. Und nicht zuletzt ein gutes Team!
Haben Sie eine Lieblingsanekdote aus all Ihren Jahren am CSIO St.Gallen?
Ich war mit der Inbetriebnahme der Kameras auf der Haupttribüne beschäftigt. Es regnete und es war unklar, ob die Veranstaltung wie geplant durchgeführt werden kann oder nicht. Zwei ältere, adrett gekleidete Damen waren im Dialog. Da sagte die eine «jetzt weiss mer doch, dass es in St.Gallä öppa schiffet, wieso tüend diä nöd endlich mol es Dach über diä ganz Anlag spanne». Wenn doch nur alles immer so einfach wäre!
