Ein Spital wie eine kleine Welt
«Come together»: Wie ein neues Spitalquartier entstand
«Es ist ein Generationenprojekt», sagt Architekt Fawad Kazi. Der Begriff «come together» wurde vom Wettbewerbskennwort zum Leitmotiv. Gemeint ist nicht nur das Zusammenrücken von Kantonsspital und Kinderspital, sondern auch die Verbindung von bestehenden und neuen Bauten. Sichtbar wird das etwa im gemeinsamen Sockelbau mit öffentlichem Durchgang oder im grossen Dachgarten zwischen den Gebäuden. «Man wollte keine Barriere schaffen, sondern einen offenen Teil des Stadtquartiers», sagt Kazi.
Ein Spital, das Angst nehmen soll
Holz, Tageslicht, warme Farben und viel Grün prägen den Neubau des Kinderspitals. Statt klassischer Spitalatmosphäre setzte das Planungsteam auf Wohnlichkeit. «Wir haben viel Holz verwendet – in den Zimmern, in der Eingangshalle, bei Sitzbänken und Verkleidungen», sagt Architekt Fawad Kazi. Auch die grossen Fenster und die Ausblicke nach draussen seien zentral. Ergänzt wird das durch begrünte Gartenzimmer im Turm und einen grossen Dachgarten. «Wir wollten Natur ins Haus hineinbringen», sagt Josef Laimbacher, der die Gruppe für Gestaltung leitet. Auch Lichtfarben wurden differenziert geplant: warme Töne in Aufenthaltsbereichen, neutraleres Licht in Behandlungsräumen.
Orientierung durch Geschichten
Von Unterwasserwelten bis ins Weltall: Jede Etage erzählt ihre eigene Geschichte. Zusammen mit dem britischen Illustrator William Grill entstand ein Gestaltungskonzept mit über 260 Illustrationen. Tiere, Landschaften und Naturmotive helfen Kindern, sich im Haus zurechtzufinden. «Das ist narrative Signaletik», sagt Josef Laimbacher. «Ein Kind weiss: Ich bin auf dem Stock «Wald» im Zimmer «Dachs» oder auf dem Stock «Weltall» im Zimmer «Astronaut.» Die Bilder dienen nicht nur der Orientierung, sondern schaffen Identifikation und Verbundenheit mit der Region. Statt auf Fantasiewelten setzte das Team vor allem auf Bilder aus der Ostschweiz und aus dem Fürstentum Liechtenstein.
Für Kinder und Jugendliche
Das Kispi wurde nicht nur für Kleinkinder geplant. Behandelt werden Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre – entsprechend unterschiedlich sind auch die Räume gestaltet. Neben klassischen Spielzimmern entstanden Lounges, Rückzugsorte und Aufenthaltsbereiche für Jugendliche. Auf der psychosomatischen Station gibt es einen gemeinsamen Essbereich, Sofas oder einen Töggelikasten auf der Onkologie. Gleichzeitig versuchte das Team, digitale Angebote nicht ins Zentrum zu stellen. «Wir wollten Kinder analog aktivieren.» Zudem brauche es auch eine Erwachsenenwelt, sagt Josef Laimbacher. So sollen Mitarbeitende Orte erhalten, die bewusst Ruhe und Abstand zum intensiven Alltag ermöglichen.
Familien gehören dazu
Im neuen Kinderspital wurde nicht nur an Patientinnen und Patienten gedacht, sondern auch an ihre Familien. In allen Zimmern gibt es zusätzliche Schlafmöglichkeiten für Angehörige. Family Boards helfen dabei, Informationen sichtbar festzuhalten: Wer ist zuständig? Welche Untersuchung steht an? «Familienzentrierte Pflege war ein zentraler Gedanke», sagt Josef Laimbacher. Aufenthaltsräume, Gartenzimmer und der Dachgarten schaffen Rückzugsmöglichkeiten für Angehörige. «Man muss über den Patienten hinausdenken», so Architekt Fawad Kazi. Gerade bei längeren Aufenthalten werde das Spital damit auch zu einem Alltag für Familien.
Natur mitten im Gebäude
Natur zieht sich durch das ganze Haus – vom begrünten Innenhof bis zum Dachgarten auf dem Sockelbau. Besonders auffällig sind die mehrgeschossigen Gartenzimmer im Bettenbereich: bepflanzte Aufenthaltsräume mitten im Turm. «Wir wollten Natur in die verdichtete Bauwelt hineinbringen», sagt Josef Laimbacher. Auch der grosse Spielplatz als Teil des Dachgartens wurde nicht nur zum Spielen konzipiert. Viele Elemente lassen sich therapeutisch nutzen und sind mit Rollstuhl zugänglich. «Das Thema Inklusion war wichtig», sagt Laimbacher.
«Ein Mikrokosmos»
Das neue Kispi vereint mehr als Medizin unter einem Dach. Neben Intensivstation, Operationssälen und Ambulatorien gehören auch ein Lernatelier, Spielbereiche, Aufenthaltsräume und Arbeitswelten zum Haus. «Ein Spital muss viele Funktionen übernehmen, die sonst im Alltag stattfinden», sagt Josef Laimbacher. Auch Architekt Fawad Kazi spricht von einem Haus, das Vernetzung ermöglichen soll – räumlich und menschlich. Auch gegen aussen: «Es soll ein offener Ort sein.»
Tage der offenen Tür
Noch vor dem Umzug öffnet das neue Ostschweizer Kinderspital seine Türen für die Bevölkerung.
- Samstag, 29. August 2026, 12.00–16.00 Uhr
- Sonntag, 30. August 2026, 09.00–16.00 Uhr
Der Rundgang durch den Neubau bietet Einblicke in Architektur, Gestaltung und moderne Kinder- und Jugendmedizin. Der Eintritt ist kostenlos. Zeitlich gestaffelte Tickets gibt es nur mit Anmeldung auf www.oks.ch/neubau.
