63 Millionen Gründe für den Flughafen Altenrhein
Wie bedeutend der Standort wirtschaftlich ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Universität St.Gallen. Das Center for Aviation and Space Competence beziffert die regionale Wertschöpfung des Flughafens auf bis zu 63 Millionen Franken pro Jahr. Rund 600 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt mit dem Betrieb zusammen.
Für Thomas Krutzler, CEO des Flughafens St.Gallen-Altenrhein, unterstreicht die Studie die Bedeutung des Standorts für die gesamte Region. «Damit ist St.Gallen-Altenrhein nachweislich ein gewichtiger Pfeiler der regionalen Wirtschaft.» Besonders für den Industriestandort Rheintal, die Tourismusdestination Ostschweiz sowie den Finanzplatz Liechtenstein spiele der Flughafen eine wichtige Rolle.
«Für viele exportorientierte Unternehmen ist Zeitersparnis ein echter Standortvorteil.»
Nähe als Standortfaktor
Ein wichtiger Vorteil des Standorts liegt laut der HSG-Studie in der Zeitersparnis. Geschäftsreisende sparen demnach bis zu drei Stunden pro Reise, wenn sie St.Gallen-Altenrhein statt Zürich nutzen. «Für viele exportorientierte Unternehmen ist diese Zeitersparnis ein echter Standortvorteil», führt Krutzler aus. Gerade in einer Region, in der Präzision, Pünktlichkeit und Effizienz wichtig seien, spiele dies eine zentrale Rolle.
Auch die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell sieht darin einen wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Region. «Der Flughafen St.Gallen-Altenrhein ist ein Standortanschluss für die exportorientierte Industrieregion Ostschweiz», erklärt Geschäftsführer Markus Bänziger. Die Ostschweiz sei stark industriell geprägt und eng mit dem internationalen Wirtschaftsraum Bodensee verbunden. Damit die Region langfristig wettbewerbsfähig bleibe, brauche es eine gute Erreichbarkeit in allen Bereichen. «Darum braucht die Region ein abgestimmtes Zusammenspiel von Bahn, Strasse, digitalen Netzen und Luftverkehr», hält Bänziger fest.
Mehr als ein Regionalflugplatz
Die wirtschaftliche Bedeutung eines Regionalflughafens lasse sich nicht allein anhand einzelner Flugbewegungen messen, wie die IHK betont. Infrastruktur schaffe Standortqualität gerade dadurch, dass sie verlässlich vorhanden sei.
Viele Unternehmen nutzten Altenrhein regelmässig, etwa über die Verbindung nach Wien oder im Bereich der Business Aviation. Gleichzeitig sei der Flughafen auch für Unternehmen wichtig, die ihn weniger häufig nutzten. «Wenn internationale Kunden anreisen, Spezialistinnen und Spezialisten kurzfristig vor Ort sein müssen oder knappe Zeitfenster über Erfolg und Misserfolg eines Projekts entscheiden, wird die Bedeutung solcher Infrastruktur sichtbar», so Bänziger.
Besonders für das Rheintal sieht die IHK einen Standortvorteil. Unternehmen bedienten von hier aus internationale Märkte, seien in globale Lieferketten eingebunden und konkurrierten um Talente, Forschungspartner und Investitionen. «Ein regionaler Flughafen direkt im Vierländereck verkürzt Wege und stellt sicher: Die Ostschweiz verbindet industrielle Stärke, regionale Nähe und internationale Vernetzung», sagt Bänziger.
Der Nutzen sei besonders bei international tätigen Industrie- und Technologieunternehmen spürbar, etwa im Maschinen-, Elektro- und Metallbereich, in der Präzisions-, Sensorik- und Elektronikindustrie oder bei Medtech-nahen Unternehmen. Hinzu kämen unternehmensnahe Dienstleistungen sowie das Tourismus- und Eventumfeld.
«Infrastruktur schafft Standortqualität gerade dadurch, dass sie verlässlich vorhanden ist.»
Geschäftsreisen im Wandel
Die Corona-Pandemie habe das Verhalten vieler Unternehmen bei Geschäftsreisen deutlich verändert, wie Krutzler ausführt. Virtuelle Gespräche und Meetings hätten sich stärker etabliert. Dies habe sich insbesondere auf die Nachfrage nach den Linienverbindungen von und nach Wien ausgewirkt.
«Wir rechnen auch künftig nicht mit einer nennenswerten Nachfrageerholung auf das Niveau vor der Pandemie», erklärt Krutzler. Im Bereich der gewerblichen und geschäftlichen Privatfliegerei sieht der Flughafen dagegen weiterhin eine solide Entwicklung.
Politische Rahmenbedingungen bleiben zentral
Eine Herausforderung bleiben laut Flughafen und IHK die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die IHK hatte sich im vergangenen Jahr gegen Kürzungen bei den Bundesbeiträgen für Regionalflugplätze ausgesprochen, sofern dadurch der Betrieb in Altenrhein gefährdet würde.
Bänziger verweist darauf, dass der Flughafen auch Funktionen über den klassischen Linienverkehr hinaus erfülle. Dazu gehörten Reservekapazitäten, Staatsflüge, Ausbildung sowie die Business Aviation.
Auch für Krutzler ist die Zukunft des Flughafens eng mit den politischen Rahmenbedingungen verbunden. «Dazu braucht es insbesondere sinnvolle und faire politische Rahmenbedingungen.» Entscheidend seien Rahmenbedingungen, die den Betrieb und die Weiterentwicklung des Standorts ermöglichten.
Hundert Jahre nach seiner Gründung bleibt Altenrhein damit ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur im Rheintal und in der Ostschweiz. Gerade für exportorientierte Unternehmen spielt die internationale Erreichbarkeit weiterhin eine wichtige Rolle.
Jubiläumsfest mit Airshow
Der Flughafen St.Gallen-Altenrhein feiert sein 100-jähriges Bestehen vom 28. bis 30. August 2026 mit einem dreitägigen Jubiläumsfest auf dem Flugplatzgelände. Geplant sind Flugshows, historische und statische Ausstellungen sowie Programmpunkte für Familien, Wirtschaft und Luftfahrtinteressierte. Zu den Höhepunkten gehört einer der letzten Auftritte der Patrouille Suisse. Erwartet werden zudem verschiedene historische Flugzeuge, Formationsflüge und Vorführungen aus der Schweizer Luftfahrt. Der Freitag steht als «Tag der Jugend» im Zeichen von Schulen und Nachwuchsprogrammen, der Samstag richtet sich unter anderem an Wirtschaft und Politik.
Weitere Infos:
100jahreflugplatz.ch
Text: Patrick Stämpfli
Bild: zVg
