Digital Conference Ostschweiz 2026

Precht stellt der KI die Menschenfrage

Precht stellt der KI die Menschenfrage
Richard David Precht
Lesezeit: 2 Minuten

Richard David Precht gehört zu den bekanntesten (und streitbarsten) Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. An der Digital Conference Ostschweiz wirft der Keynote-Speaker einen etwas anderen Blick auf die Künstliche Intelligenz.

Richard David Precht ist kein Philosoph für den akademischen Elfenbeinturm. Er sucht die Öffentlichkeit, mischt sich in gesellschaftliche Debatten ein und formuliert so pointiert, dass seine Aussagen weit über Fachkreise hinaus Beachtung finden. Der wöchentliche ZDF-Podcast «Lanz + Precht» hat allein auf Spotify weit über 100 Millionen Streams und erhielt dafür etwa den «Creator Milestone Award» in Bronze.

Precht gehört zu den wenigen prominenten deutschen Intellektuellen, die öffentlich Klartext reden

Er scheut den Widerspruch nicht und nimmt in Kauf, anzuecken. Das macht ihn für die einen zum Impulsgeber und für die anderen zur Reizfigur. Gleichgültig lässt er sein Publikum kaum.

Geboren wurde Precht 1964 in Solingen. Er studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Köln; seit 2012 ist er Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

Einem breiten Publikum wurde er mit «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» bekannt. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Seit 2012 moderiert er zudem die ZDF-Gesprächsreihe «Precht», die im Mai 2026 ihre 84. Ausgabe erreichte.

Mit künstlicher Intelligenz beschäftigt sich Precht nicht erst seit ChatGPT

Bereits 2020 veröffentlichte er den Essay «Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens». Darin stellt er weniger die Leistungsfähigkeit von Maschinen als deren gesellschaftliche und philosophische Grenzen ins Zentrum. Seine entscheidende Frage lautet nicht nur, was KI kann, sondern was Menschen ihr überlassen wollen.

Menschliches Leben besteht für Richard David Precht nicht allein aus dem Lösen von Problemen. Es ist ebenso mit Erfahrung, Emotion, Sinn und moralischer Verantwortung verbunden.

Am 9. Juli 2026 griff er diese Gedanken in der Podcastfolge «Ist der KI-Hype am Ende?» erneut auf. Precht warnte dort vor den Folgen, wenn Menschen Erkenntnisprozesse zunehmend an Maschinen delegieren. «Wir kürzen aus der Welt der Erkenntnis den menschlichen Faktor raus», sagt er.

Seine Sorge gilt einer Kultur, in der lange Texte nicht mehr gelesen, sondern nur noch durch KI zusammengefasst werden. Damit könnten Neugier, gedankliche Ausdauer und die Bereitschaft schwinden, sich ein eigenes Urteil zu erarbeiten. Zugleich fragt er, ob wenige Technologiekonzerne mit dem Wissen und den Werken der gesamten Menschheit Milliardengeschäfte machen dürfen.

Immo Vision 26  

Für die Wirtschaft ist diese Perspektive unbequem, aber produktiv

KI kann Prozesse beschleunigen, Routinen übernehmen und Mitarbeiter entlasten. Effizienz beantwortet jedoch nicht, wie Arbeit künftig verteilt, Verantwortung zugeordnet und soziale Sicherheit organisiert werden soll. In «Freiheit für alle. Das Ende der Arbeit, wie wir sie kannten» plädiert Precht deshalb für einen grundlegenden Umbau des Sozialstaates – und ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Man darf also gespannt sein.

Auch interessant

Wählen Sie Ihren «Digital Shaper Ostschweiz» 2026
Digital Conference Ostschweiz 2026

Wählen Sie Ihren «Digital Shaper Ostschweiz» 2026

«Erfolgreiche KI beginnt mit sauberen Daten»
Digital Conference Ostschweiz 2026

«Erfolgreiche KI beginnt mit sauberen Daten»

«KI-Agenten schaffen völlig neue Angriffsflächen»
Digital Conference Ostschweiz 2026

«KI-Agenten schaffen völlig neue Angriffsflächen»