Fokus Rheintal 2026

Wasser verstehen – von der Quelle bis zum System

Wasser verstehen – von der Quelle bis zum System
Janine Zoller-Hugentobler und Dennis Hugentobler
Lesezeit: 4 Minuten

Die HWT Haus- und Wassertechnik AG in Au ist seit fast 40 Jahren in der Wassertechnik tätig. Das Unternehmen verbindet heute Haustechnik, Rohrleitungsbau, Kunststoff- und Behälterbau sowie Schwimmbadtechnik und investiert mit dem neuen FlowLab gezielt in die Ausbildung eigener Fachkräfte.

«HWT steht für ganzheitliche Wasserkompetenz – von der Quelle bis zum Schwimmbad», sagt Firmengründer Magnus Hugentobler. Wasser werde nicht isoliert betrachtet, sondern über den gesamten Kreislauf hinweg: von Gewinnung und Speicherung über Transport und Aufbereitung bis zur Nutzung. Genau darin liege auch die Positionierung des Unternehmens. «Unser Unterschied liegt darin, dass wir nicht nur installieren, sondern verstehen», sagt Hugentobler. Handwerk, Ingenieurwissen, moderne Fertigung und langjährige Praxiserfahrung würden bewusst miteinander verbunden. Ziel seien durchdachte und nachhaltige Lösungen für den gesamten Lebenszyklus von Wasseranlagen.

Heute wird das Unternehmen von Dennis Hugentobler und Janine Zoller-Hugentobler geführt. Vieles habe sich im Betrieb in den vergangenen Jahren verändert. «Die Komplexität», heisst es aus dem Unternehmen. Projekte seien heute deutlich stärker geprägt von Planung, Koordination, Dokumentation und digitalen Schnittstellen. Gleichzeitig hätten Themen wie Energieeffizienz, Hygiene oder Materialfragen massiv an Bedeutung gewonnen. «Der Betrieb muss heute viel stärker vorausdenken.»

«Der Unterschied liegt darin, dass wir nicht nur installieren, sondern verstehen.»

Steigende Anforderungen im Alltag

Auch die Anforderungen der Bauherren hätten sich stark verändert. Während früher primär die Funktion einer Anlage im Vordergrund gestanden habe, gehe es heute zusätzlich um Transparenz, Betriebssicherheit, Nachhaltigkeit und langfristige Kostenkontrolle. Wassertechnik müsse nicht nur funktionieren, sondern auch wartungsarm, dokumentiert und erweiterbar sein. Themen wie Ressourcenschonung, Hygiene oder digitale Überwachung seien heute fester Bestandteil vieler Projekte.

Gleichzeitig steige der Druck auf die Branche. Technische Anforderungen würden anspruchsvoller, qualifizierte Fachkräfte seien schwierig zu finden und wirtschaftlich nähmen Kosten- und Termindruck zu. «Entscheidend ist, dass man Qualität nicht dem Tempo opfert», sagt Dennis Hugentobler.

Ein weiterer Punkt sei die frühe Einbindung der Fachspezialisten. Viele Probleme auf Baustellen entstünden dort, wo Wassertechnik erst spät berücksichtigt werde. «Dann entstehen Schnittstellenprobleme, Platzkonflikte oder teure Anpassungen.» Gleichzeitig würden Investitionskosten oft höher gewichtet als langfristiger Betrieb und Unterhalt.

Entwicklungspotenzial sieht HWT deshalb vor allem in der engeren Vernetzung von Planung, Produktion und Ausführung. Anlagen müssten stärker über ihren gesamten Lebenszyklus gedacht werden. Gleichzeitig würden die Anforderungen an Trinkwasserqualität, Hygiene und Versorgungssicherheit laufend steigen.

Mattes Films  

Ausbildung als strategisches Thema

Eine zentrale Rolle spielt bei HWT seit jeher die Ausbildung eigener Fachkräfte. Gute Berufsleute seien schwierig zu finden, entsprechend stark investiere das Unternehmen in die eigene Nachwuchsförderung. Lernende würden möglichst früh in reale Arbeiten eingebunden und schrittweise an Verantwortung herangeführt. «Sie sollen nicht nur zuschauen, sondern verstehen, mitdenken und Verantwortung übernehmen», sagt Dennis Hugentobler.

Verändert hätten sich auch die Anforderungen an junge Berufsleute. Neben handwerklichem Geschick brauche es heute Teamfähigkeit, Offenheit für neue Technologien und einen sicheren Umgang mit digitalen Arbeitsmitteln. Gleichzeitig seien Genauigkeit, Eigenverantwortung und Zuverlässigkeit wichtiger denn je.

Mit dem FlowLab investiert HWT gezielt in die Ausbildung eigener Fachkräfte.
Mit dem FlowLab investiert HWT gezielt in die Ausbildung eigener Fachkräfte.

Lernen unter realen Bedingungen

Vor diesem Hintergrund entstand auch das sogenannte FlowLab. Finanziert wurde das Projekt unter anderem mit dem Preisgeld für den Anerkennungspreis der Hans Huber Stiftung, den Magnus Hugentobler 2025 erhielt.

Die Idee dahinter entstand aus dem Alltag auf Baustellen. «Unsere Lernenden sind die meiste Zeit auf Baustellen. Dort lässt sich an komplexen Anlagen kaum experimentieren – kein Monteur will riskieren, dass ein Lehrling eine Kundenanlage verstellt», sagt Dennis Hugentobler. Gleichzeitig sei es entscheidend, dass Lernende moderne Systeme wirklich verstehen.

Das FlowLab entsteht deshalb als Versuchs- und Lernlabor in einem ausgebauten Container, den die Lernenden im Rahmen einer Projektarbeit selbst mitaufbauen. Ausgestattet wird es unter anderem mit Wasseraufbereitung, Pumpen, Wärmepumpe, Solarkomponenten sowie Mess- und Regeltechnik. Anlagen können dort unter realitätsnahen Bedingungen getestet und parametrisiert werden.

Im Alltag arbeiten Lernende gemeinsam mit Ausbildnern direkt an Geräten und Anlagen. Sie montieren Bauteile, testen Materialien oder üben unterschiedliche Montagesituationen. «Learning by doing ist der grösste Hebel – es schafft Wissen, Sicherheit und Freude am Beruf», sagt Dennis Hugentobler. Laut HWT zeige sich der Effekt inzwischen auch im Alltag: Lernende würden selbstständiger arbeiten, Zusammenhänge besser verstehen, lösungsorientierter denken und mehr Stolz auf die eigene Arbeit entwickeln.

Inspiration-Day OST  Kermi  

«Zuerst sauber arbeiten, Verantwortung übernehmen und Menschen entwickeln.»

Wassertechnik wird anspruchsvoller

Für HWT dürfte die Bedeutung der Wassertechnik in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Themen wie Trinkwasserqualität, Versorgungssicherheit, Hygiene oder nachhaltige Systeme würden die Branche zunehmend prägen. Gleichzeitig verändere die Digitalisierung die Arbeit auf Baustellen und in der Planung. Entscheidend bleibe für das Unternehmen deshalb die Verbindung von Fachwissen und praktischer Erfahrung.

Dennis Hugentobler beschreibt die Haltung hinter dem Unternehmen mit einfachen Worten: «Zuerst sauber arbeiten, Verantwortung übernehmen und Menschen entwickeln.» Genau diese Kombination aus Praxis, Ausbildung und langfristigem Denken prägt HWT bis heute.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

Auch interessant

Wenn Stillstand keine Option ist
Fokus Rheintal 2026

Wenn Stillstand keine Option ist

Wie aus KMU Weltmarktführer werden
Fokus Rheintal 2026

Wie aus KMU Weltmarktführer werden

Vier Länder, ein Wirtschaftsraum
Fokus Rheintal 2026

Vier Länder, ein Wirtschaftsraum