Neubau und Kindermedizin aus wirtschaftlicher Sicht
«Die Finanzierung der Kindermedizin ist herausfordernd», sagt CFO Thomas Engesser. Das OKS arbeitet mit jährlichen Betriebskosten von rund 120 Millionen Franken. Etwa 80 Prozent finanziert das Spital über ambulante und stationäre Leistungsabrechnungen – über Versicherungen und Kantone. Rund 15 Prozent stammen von der Trägerschaft für gemeinwirtschaftliche Leistungen und Beiträge für nicht kostendeckende Tarifstrukturen. Den Rest decken Spenden, Forschungsbeiträge und Kooperationen mit Spitälern.
Kinder seien medizinisch heterogener als Erwachsene, so Engesser. «Wir behandeln Frühgeborene mit 600 Gramm und Jugendliche mit 140 Kilogramm.» Entsprechend breit müsse die Infrastruktur sein – bei Geräten, Medikamenten oder Behandlungen. Viele Fälle seien selten, komplex und schwer standardisierbar. Hinzu komme der hohe Anteil an Notfällen. «Rund 80 Prozent der stationären Fälle treten ungeplant ein.» Gleichzeitig sei die Behandlung oft zeitintensiver.
«Im stationären Bereich hat sich die Situation verbessert», freut sich Thomas Engesser. Seit Einführung der Fallpauschalen 2012 sei das System laufend angepasst worden. Heute arbeite das Kinderspital stationär «knapp kostendeckend». Im ambulanten Bereich bleibt die Finanzierung problematisch. Dort liegt die Kostendeckung bei rund 70 Prozent.
Stationär verzeichnet das OKS seit Jahren ein Wachstum von rund zwei Prozent, ambulant sogar von drei bis vier. Gleichzeitig sinkt die Aufenthaltsdauer. Die steigende Nachfrage und der Fachkräftemangel verschärften die betriebliche Herausforderung zunehmend. Deshalb investiert das OKS stark in Aus- und Weiterbildung. Der Neubau soll helfen, effizientere Abläufe zu schaffen und die Nachfrage bewältigen zu können.
Gleichzeitig sieht Engesser betriebswirtschaftliche Herausforderungen aufgrund des Neubaus. Mit dem Bezug steigen Abschreibungen und Zinskosten laut seinen Angaben jährlich um rund 13 Millionen Franken. Das Kinderspital rechnet deshalb in den ersten Jahren mit Defiziten. Ziel sei es, in fünf bis sechs Jahren eine ausgeglichene Rechnung zu erreichen.
Parallel laufen zahlreiche Projekte mit HOCH Health Ostschweiz. Künftig arbeiten beide Häuser etwa bei Radiologie, Logistik, Einkauf, Gebäudetechnik, Verpflegung oder Sicherheit enger zusammen. Die Spitalpharmazie und Teile der Infrastruktur werden gemeinsam genutzt. «Wir werden gewisse Aufgaben loslassen müssen», sagt Engesser, «damit Synergien greifen». Dem Umzug blickt Thomas Engesser positiv entgegen. Heute seien etwa Finanzen, HR oder IT auf mehrere Standorte verteilt. Künftig arbeiteten alle unter einem Dach.
