FCSG Cupsieger 2026

Von der Exi bis ins Wankdorf

Von der Exi bis ins Wankdorf
Lesezeit: 5 Minuten

Der Cupsieg des FC St.Gallen 1879 begann nicht im Wankdorf, sondern in Walenstadt. Über zwei Ostschweizer Duelle, ein dramatisches Heimspiel gegen Basel und einen souveränen Auftritt in Yverdon führte der Weg zum 3:0 gegen Stade Lausanne-Ouchy. Eine Cupreise mit Höhen und Tiefen, die mit einem historischen Triumph endete.

Der Schweizer Cup ist für Favoriten oft ein gefährlicher Wettbewerb. Wer weiterkommen will, braucht Qualität, aber auch Demut. Er braucht die Bereitschaft, auf kleinen Plätzen, gegen unterklassige Gegner und in ungewohnten Konstellationen seriös zu bleiben. Der FCSGbrachte auf dieser Reise beides zusammen: die Pflicht gegen den Aussenseiter, die Nerven im Penaltyschiessen, die Wucht im grossen Duell und die Reife im entscheidenden Moment.

Chima Okoroji: Gegen Lorenzo Tomaselli (Walenstadt)
Chima Okoroji: Gegen Lorenzo Tomaselli (Walenstadt)

1. Runde: FC Walenstadt – FC St.Gallen 1879 0:13

Die erste Station war eine jener Cupgeschichten, die nur dieser Wettbewerb schreibt. Der FC St.Gallen reiste zum Drittligisten FC Walenstadt auf den Sportplatz Exi und liess von Beginn weg keinen Zweifel aufkommen. 13:0 gewann der Super-League-Club. Es war ein Resultat, das deutlich klingt und auch deutlich war.

Für Walenstadt war der Nachmittag trotz des Resultats ein Fussballfest, für St.Gallen eine Pflichtaufgabe, die mit der nötigen Ernsthaftigkeit erledigt wurde. Gerade in solchen Spielen kann ein Favorit nur verlieren, wenn er sie nicht richtig annimmt. Der FCSG tat das Gegenteil. Er trat konzentriert auf, nutzte seine Überlegenheit und machte früh deutlich, dass diese Cupkampagne nicht mit einer Blamage beginnen würde.

Sportlich war der Auftakt keine Prüfung am Limit, aber er setzte den Ton. St.Gallen wollte diesen Wettbewerb ernst nehmen. Der Cup sollte nicht nebenbei laufen, sondern eine echte Chance werden. In Walenstadt begann der Weg zum Titel mit einem Kantersieg.

«Der Cupsieg begann nicht erst im Wankdorf – er wuchs Runde für Runde.»

Behar Neziri: Gegen Mahamadou Diarra (FC Wil)
Behar Neziri: Gegen Mahamadou Diarra (FC Wil)

2. Runde: FC Wil 1900 – FC St.Gallen 1879 2:4 nach Penaltyschiessen

Schon in der zweiten Runde wurde aus der lockeren Cupreise ein Stresstest. Das Ostschweizer Duell beim FC Wil war genau jene Partie, die ein Favorit fürchtet: regional aufgeladen, emotional, eng, unangenehm. Wil roch die Chance auf den Coup, St.Gallen musste sich durchbeissen.

Der FCSG setzte sich erst im Elfmeterschiessen durch. Das Resultat von 2:4 nach Penaltys zeigt, wie knapp dieser Abend war. Aus einem vermeintlich machbaren Los wurde ein echter Cupkrimi. Solche Spiele tauchen später in Triumphgeschichten oft nur noch als Fussnote auf. In Wahrheit sind sie entscheidend. Wer einen Titel gewinnen will, muss auch die Abende überstehen, an denen nicht alles fliesst.

In Wil zeigte sich zum ersten Mal, dass St.Gallen in dieser Cupkampagne nicht nur über Qualität kommen würde. Die Mannschaft brauchte Nerven, Geduld und einen Goalie, der in entscheidenden Momenten da war. Lukas Watkowiak wurde zum Penaltyfaktor und hielt den Traum am Leben. Der FCSG wankte, fiel aber nicht.

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Penalty von Carlo Boukhalfa: Gegen den FC Rapperswil-Jona
Penalty von Carlo Boukhalfa: Gegen den FC Rapperswil-Jona

Achtelfinal: FC Rapperswil-Jona – FC St.Gallen 1879 2:3 nach Penaltyschiessen

Im Achtelfinal folgte der nächste Ostschweizer Nerventest. Wieder auswärts, wieder gegen einen Gegner aus der Region, wieder mit Cupatmosphäre, wieder mit maximaler Spannung. Der FC Rapperswil-Jona zwang den FCSG ebenfalls ins Elfmeterschiessen. Nach 120 Minuten stand es 1:1, im Penaltyschiessen setzte sich St.Gallen durch.

Diese Partie war für den späteren Cupsieg fast symbolisch. Der Weg nach Bern war nicht geradlinig. Er bestand nicht nur aus souveränen Auftritten. Er bestand auch aus Momenten, in denen der Favorit tief graben musste. Gegen Rapperswil-Jona rettete sich St.Gallen erneut über die Penaltyentscheidung in die nächste Runde.

Der Cup ist ein Wettbewerb, in dem sich Mannschaften über solche Abende definieren. Glanz allein reicht nicht. Manchmal braucht es die Fähigkeit, einen schlechten Moment zu überstehen, die eigene Unruhe zu kontrollieren und am Ende doch den entscheidenden Schritt zu machen. Nach Wil war auch Rapperswil-Jona ein Beleg dafür, dass dieser FCSG im Cup nicht leicht aus der Bahn zu werfen war.

Hugo Vandermersch: Gegen Andrej Bacanin (Basel)
Hugo Vandermersch: Gegen Andrej Bacanin (Basel)

Viertelfinal: FC St.Gallen 1879 – FC Basel 1893 2:1

Im Viertelfinal kam das grosse Los in den Kybunpark: FC St.Gallen gegen FC Basel. Plötzlich ging es nicht mehr um die Gefahr eines Stolperers gegen einen Unterklassigen, sondern um ein Duell mit einem der grössten Namen des Schweizer Fussballs. Für St.Gallen war es die Chance, der Cupkampagne eine andere Dimension zu geben.

Aliou Baldé brachte den FCSG in Führung. Basel kam durch Giacomo Koloto zurück. Die Partie stand lange auf der Kippe, bis Carlo Boukhalfa in der Nachspielzeit zum 2:1 traf. Ein spätes Tor, ein Kybunpark im Ausnahmezustand, ein Sieg gegen den Titelverteidiger und die Tür zum Halbfinal weit offen.

Dieser Abend war vielleicht der Moment, in dem aus einer Cupkampagne ein Titelversprechen wurde. Wer Basel auf diese Weise schlägt, wer nach dem Ausgleich nicht nachlässt und in der Nachspielzeit nochmals zuschlägt, hat mehr als nur eine Runde überstanden. Er hat sich selbst bewiesen, dass er auch gegen grosse Gegner bestehen kann.

Boukhalfas Treffer war deshalb nicht nur ein Tor zum Halbfinal. Er war ein emotionaler Kipppunkt. Nach den zwei Penaltykrimis gegen Wil und Rapperswil-Jona hatte der FCSG nun ein Spiel gewonnen, das nach grossem Fussballabend roch. Der Cuptraum war plötzlich nicht mehr nur möglich. Er war real.

Sommerkonzert  Thomas Stucki  
Lukas Daschner: Im Zweikampf mit Vegard Kongsro (Yverdon)
Lukas Daschner: Im Zweikampf mit Vegard Kongsro (Yverdon)

Halbfinal: Yverdon Sport FC – FC St.Gallen 1879 0:2

Im Halbfinal wartete Yverdon Sport. Auf dem Papier war St.Gallen Favorit, auf dem Platz musste diese Rolle aber erst bestätigt werden. Cup-Halbfinals sind selten schön. Sie sind oft schwer, nervös und von der Angst geprägt, kurz vor dem Ziel zu scheitern.

Der FCSG erwischte den idealen Start. Lukas Görtler traf früh zur Führung. Doch wer dachte, damit sei der Weg nach Bern frei, wurde rasch daran erinnert, wie zäh solche Spiele bleiben können. Yverdon hielt dagegen, St.Gallen musste arbeiten, verteidigen, kontrollieren und auf die Entscheidung warten.

Erst in der Schlussphase fiel das 0:2 durch Alessandro Vogt. Damit war der Finaleinzug gesichert. Für St.Gallen war es der dritte Cupfinal seit 2021, aber diesmal fühlte sich die Ausgangslage anders an. 2021 gegen Luzern und 2022 gegen Lugano war der FCSG gescheitert. Nun bot sich wieder eine Chance, die lange Titelpause zu beenden.

Der Halbfinalsieg in Yverdon war kein Spektakel, sondern ein reifer Auftritt. Genau darin lag seine Qualität. St.Gallen musste nicht glänzen, sondern bestehen. Die Mannschaft erledigte die Aufgabe mit der Ernsthaftigkeit eines Teams, das begriffen hatte, wie nahe der Pokal inzwischen war.

Christian Witzig: Torjubel nach dem 3:0
Christian Witzig: Torjubel nach dem 3:0

Final: FC Stade Lausanne-Ouchy – FC St.Gallen 1879 0:3

Am 24. Mai 2026 erreichte die Reise ihren Zielort: das Wankdorf in Bern. Gegner war Stade Lausanne-Ouchy, ein Challenge-League-Club, der selbst eine bemerkenswerte Cupkampagne gespielt hatte. Für St.Gallen war die Ausgangslage heikel. Die Favoritenrolle lag klar bei den Ostschweizern. Doch gerade im Cup ist das oft die unangenehmste Rolle.

Der FCSG begann stark. Tom Gaal traf bereits in der 8. Minute zum 1:0. Der frühe Treffer gab Sicherheit und löste im grünweissen Anhang die erste grosse Jubelwelle aus. Doch kurz vor der Pause wurde aus dem kontrollierten Final ein Charaktertest. Goalie Lukas Watkowiak sah nach einer Notbremse die Rote Karte. Lawrence Ati Zigi kam ins Tor, St.Gallen musste mit einem Mann weniger weiterspielen.

Nach der Pause hielt der FCSG dem Druck stand. Die Mannschaft verteidigte diszipliniert, arbeitete gemeinsam und blieb in den entscheidenden Momenten präsent. In der 65. Minute verwandelte Lukas Görtler einen Penalty zum 2:0. In der Nachspielzeit machte Christian Witzig

mit dem 3:0 alles klar. Damit war die Reise vollendet. Vom 13:0 in Walenstadt über zwei Penaltykrimis in Wil und Rapperswil-Jona, den späten Sieg gegen Basel und den kontrollierten Halbfinal in Yverdon bis zum Triumph in Bern hatte der FCSG alle Gesichter eines Cupsiegers gezeigt. Er konnte dominieren, leiden, zittern, kämpfen, zuschlagen – und im entscheidenden Moment ruhig bleiben.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Freshfocus

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