Neubau Ostschweizer Kinderspital

«Im OKS wird auch viel gelacht»

«Im OKS wird auch viel gelacht»
Serge Altmann
Lesezeit: 4 Minuten

Mit dem Neubau beginnt für das Ostschweizer Kinderspital eine neue Ära – infrastrukturell, medizinisch und strategisch. CEO Dr. Serge Altmann spricht über die grössten Veränderungen, neue Angebote und die Herausforderungen in der Kinder- und Jugendmedizin.

Serge Altmann, worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an den OKS-Neubau denken?
Wir sind terminlich und finanziell auf Kurs. Der geplante Umzug findet Ende September statt. Die Vorfreude ist riesig. Wir sind seit rund 60 Jahren im bestehenden Gebäude. Es war Zeit für eine Erneuerung der Infrastruktur. Am meisten freue ich mich aber für unsere Kinder und Jugendlichen sowie ihre Angehörigen. Heute haben wir teilweise enge Platzverhältnisse. Vor 60 Jahren gaben die Eltern ihre Kinder im Spital ab. Heute bleiben Angehörige über Nacht. Das sogenannte Rooming-in – also, dass Angehörige im Spital bleiben – ist im Neubau infrastrukturell berücksichtigt. Das ist eine grosse Verbesserung. Dazu kommt: Wir behandeln Kinder und Jugendliche von null bis 18 Jahren. Entsprechend unterschiedlich sind die Bedürfnisse. Die einen brauchen Spielzimmer, Jugendliche altersgerechte Aufenthaltsräume. Das bieten wir neu. Für Mitarbeitende wird es angenehmer, da Prozesse vereinfacht werden und eine zeitgerechte Infrastruktur zur Verfügung steht.

Was stimmte am alten Gebäude nicht mehr?
Die neue Infrastruktur ist notwendig, weil die bestehenden Bauten alt und nicht mehr bedarfsgerecht waren. Zum Beispiel war der Notfall direkt beim Eingangsbereich. Üblicherweise trennt man Zugänge für Notfallpatienten, Besucher oder ambulante Patienten. Das ist im Neubau besser, wobei das nur ein Zwischenschritt ist. Ab 2030 soll mit dem HOCH Health Ostschweiz – dem Kantonsspital – ein gemeinsamer Notfall realisiert werden. Auch die Patientenzimmer sind jetzt viel zu klein. Wir platzen aus allen Nähten.

Das Kispi erneuert sich auch von innen. Was heisst das für die Strategie des Spitals?
Es stellte sich unter anderem die Frage, wie wir die neuen Möglichkeiten der zusätzlichen Kapazitäten im Neubau nutzen. Deshalb überarbeiteten wir unsere Strategie. Ein wesentlicher Punkt darin ist die medizinische Weiterentwicklung und die Schaffung neuer Angebote. Zum Beispiel werden wir eine Abteilung für Schlaf- und Beatmungsmedizin aufbauen, wofür es in der Ostschweiz einen grossen Bedarf gibt. Ein weiteres Beispiel ist die psychosomatische Tagesklinik, eine intensive Therapie tagsüber ohne Übernachtung. Psychosomatische Behandlungen bieten wir heute stationär und ambulant an. Neu dann auch in einer Tagesklinik.

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«Vor 60 Jahren gaben die Eltern ihre Kinder im Spital ab. Heute bleiben Angehörige über Nacht.»

Das OKS tritt seit kurzem mit einer neuen Marke auf. Weshalb?
Wir fragten uns, ob unsere Marke und unsere Botschaften noch zeitgemäss sind. Wir verabschieden uns deshalb vom rund 30-jährigen Logo mit den drei Figuren. Einerseits wollen wir mit der neuen Marke das ganze Altersspektrum von null bis 18 Jahren ansprechen. Andererseits findet Kommunikation viel stärker digital statt. Das neue Logo kann im digitalen Raum animiert eingesetzt werden. Die neue Marke basiert auf dem Tangram, dem bekannten chinesischen Kinderspiel. Dabei wird ein Quadrat in sieben geometrische Figuren aufgeteilt, die sich immer wieder neu zusammensetzen lassen. Das bringt die Dynamik und Agilität unseres Unternehmens zum Ausdruck. Wir sind das einzige Endversorgerspital oder Zentrumsspital für Kinder- und Jugendmedizin in der Ostschweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Das ist die Versorgungsstufe direkt unter den Universitätsspitälern. Als Endversorger wenden wir Erkenntnisse aus der Forschung und die modernsten Behandlungsmethoden früh an. Gleichzeitig steht das Tangram auch für unsere Trägerschaft. Vier Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein tragen das OKS. Dieses Zusammenspiel wollen wir sichtbar machen.

Deshalb lancierten Sie eine «Sichtbarkeitskampagne»?
Genau! Wichtig war uns dabei ein authentischer Auftritt. Deshalb arbeiten wir mit echten Patientengeschichten in der Kampagne. Mit dem Neubau, der neuen Strategie und dem neuen Markenauftritt können wir unsere Position weiter stärken.

Es hat einschneidende Schicksale dabei. Wie gehen Sie persönlich mit solchen Geschichten um?
Nach der Aufnahme meiner Tätigkeit im Kispi hospitierte ich in verschiedenen Abteilungen, um zu verstehen, was die Mitarbeitenden leisten. Dort wird man direkt mit Schicksalen, Krankheiten und Gebrechen konfrontiert. Man empfindet es als ungerecht, wenn junge Menschen schon am Anfang ihres Lebens gezeichnet sind. Gleichzeitig gibt es Hoffnung. Das Schicksal selbst können wir nicht beeinflussen. Aber wir tragen mit Medizin, Pflege, Betreuung und Therapie dazu bei, dass Kinder und Jugendliche gesund werden – oder, dass es ihnen besser geht. Das gibt Trost. Wenn man durchs Kinderspital geht, wird auch viel gelacht. Kinder machen uns Erwachsenen oft vor, wie man Schicksale trägt und Lebensfreude behält.

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Sie sind seit etwa eineinhalb Jahren CEO. Was reizt Sie an der Aufgabe? Und was hat Sie im ersten Jahr überrascht?
Ich arbeite seit Dezember 2024 im OKS und übernahm Anfang 2025 die CEO-Funktion. Eindrücklich ist die Leidenschaft der Mitarbeitenden für ihre Arbeit. In der Kinder- und Jugendmedizin ist das ganz besonders ausgeprägt. Kinder und Jugendliche und die familienzentrierte Betreuung stehen im Zentrum. Das führt zu einem guten Arbeitsklima und konstruktiven Umgang. Das hat mich sehr positiv überrascht und beeindruckt mich heute noch jeden Tag.

Wo liegen die grössten Herausforderungen für das Ostschweizer Kinderspital?

In der Finanzierung von Kinder- und Jugendmedizin. Die Tarifsysteme reichen nicht aus, um kostendeckend zu arbeiten. Die Tarife basieren auf Daten der Erwachsenenmedizin. Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist oft viel aufwendiger. Eine Blutentnahme bei einem Erwachsenen ist schnell gemacht. Bei einem Kind braucht es zuerst Beruhigung, manchmal mehrere Mitarbeitende zur Unterstützung. Oder bei einem MRI: Ein kleines Kind bleibt nicht einfach 20 Minuten ruhig in der Röhre, sondern muss anästhesiert werden. Dieser personelle und medizinische Aufwand wird tariflich ungenügend berücksichtigt. Deshalb sind wir auch auf die Unterstützung unserer Trägerschaft und Spendengelder angewiesen.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung?

Ausgesprochen gut! Das hilft enorm. Wir haben eine klare Governance: Die Spitalleitung ist operativ verantwortlich, der Stiftungsrat strategisch. Ein regelmässiger Austausch zwischen dem Stiftungsratspräsidenten und dem CEO stellt den guten Abgleich zwischen den strategischen Vorgaben und der operativen Umsetzung sicher. Der Stiftungsrat ist sehr unterstützend. Er besteht aus Fachleuten aus den Bereichen Finanzen, Pflege, Recht, Politik oder Management. Das sind wichtige Sparringpartner für die Spitalleitung.

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