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Wie Silos zu Kraftwerken werden

Wie Silos zu Kraftwerken werden
Lesezeit: 4 Minuten

Die Lütolf AG aus St.Margrethen hat ihre beiden Produktionstürme mit Photovoltaik eingekleidet und damit ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt: Nachhaltigkeit ist für den Rheintaler Maisspezialisten kein Zusatzthema, sondern Teil der unternehmerischen Verantwortung.

Wer in St.Margrethen unterwegs ist, sieht die Silos der Lütolf AG schon von Weitem. Bis 50 Meter ragen sie in den Himmel. Seit Kurzem prägen sie das Ortsbild noch stärker: Die beiden Produktionstürme sind auf der Ost-, Süd- und Westseite mit Photovoltaik-Modulen versehen. Aus der markanten Fassade ist eine Energiequelle geworden.

Für die Lütolf AG ist das Projekt weit mehr als eine technische Aufrüstung. Es ist ein sichtbares Bekenntnis zu einer nachhaltigen Zukunft und zur regionalen Verankerung des Unternehmens. Die Anlage gilt als grösste Photovoltaik-Fassade der Ostschweiz. 1270 Solarpaneele wurden an den Silos angebracht. Sie sollen jährlich rund 450’000 Kilowattstunden Strom produzieren; ein grosser Teil davon wird direkt im eigenen Betrieb genutzt.

«Die Silos, die seit Jahrzehnten für Lagerung, Verarbeitung und Logistik stehen, erhalten eine zusätzliche Funktion.»

Nachhaltigkeit mit Substanz

Die Investition von mehr als einer halben Million Franken zeigt, dass Nachhaltigkeit bei der Lütolf AG nicht bei Absichtserklärungen stehen bleibt. Das Familienunternehmen nutzt eine bestehende Infrastruktur, um Energie zu gewinnen, ohne zusätzliche Fläche zu beanspruchen. «Gerade darin liegt die Stärke des Projekts: Die Silos, die seit Jahrzehnten für Lagerung, Verarbeitung und Logistik stehen, erhalten eine zusätzliche Funktion», sagt Christian Lütolf, Geschäftsführer der Lütolf AG.

Lütolf steht für eine Unternehmergeneration, die Herkunft und Zukunft nicht als Gegensätze versteht. Das Unternehmen wurde 1963 gegründet, ist seit Jahrzehnten im Rheintal verankert und wird heute in dritter Generation von Christian Lütolf, Adrian Wüst und Marc Lütolf geführt. Was einst als Sammelstelle, Lager- und Logistikbetrieb für Getreide begann, hat sich zu einem führenden Verarbeiter von Schweizer Speisemais entwickelt.

Diese Entwicklung verlangt Investitionen. In neue Produkte, in moderne Prozesse, in Menschen und nun auch in Energie. Für ein produzierendes Unternehmen ist Strom kein Nebenthema. Wer Mais annimmt, lagert, verarbeitet, mahlt und veredelt, braucht Energie. «Umso wichtiger ist es, einen Teil dieses Bedarfs künftig selbst decken zu können», sagt Christian Lütolf.

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Ein Projekt mit Signalwirkung

Die neue Photovoltaik-Fassade verbindet wirtschaftliche Vernunft mit ökologischem Nutzen. Sie senkt die Abhängigkeit vom Strommarkt, verbessert die Eigenversorgung und macht die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens sichtbar. Die Silos werden damit zum Symbol dafür, dass auch traditionelle Industriebauten neu gedacht werden können.

Das Projekt passt zur Entwicklung der Lütolf AG. Das Unternehmen arbeitet eng mit der Schweizer Landwirtschaft zusammen, verarbeitet Speisemais aus heimischer Produktion und steht mit Produkten wie Polenta, Rheintaler Ribelmais und weiteren Mais-Spezialitäten für regionale Wertschöpfung. «Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur Energieeffizienz, sondern auch Nähe zu Produzenten, kurze Wege, Qualität und Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette», unterstreicht Christian Lütolf.

Die Lütolf AG zeigt, dass Nachhaltigkeit in einem KMU dann glaubwürdig wird, wenn sie zum Betrieb passt. Nicht jedes Unternehmen kann seine Produktionsgebäude in eine Energiequelle verwandeln. Doch jedes Unternehmen kann prüfen, wo es mit seinen eigenen Möglichkeiten am meisten Wirkung erzielt. In St.Margrethen liegt diese Wirkung nun offen sichtbar an der Fassade.

Adrian Wüst, Christian Lütolf und Marc Lütolf
Adrian Wüst, Christian Lütolf und Marc Lütolf

Verantwortung über Generationen

Christian Lütolf ist 2013 ins Familienunternehmen eingetreten und seit 2018 Mitglied der Geschäftsleitung. Gemeinsam mit seinem Bruder Marc Lütolf und Adrian Wüst, einem Freund der Familie, prägt er die heutige Ausrichtung des Unternehmens.

Er sagt über seinen Antrieb: «Freude an der Arbeit und unseren Produkten, Strategien entwickeln und Ideen umsetzen.» Dieser Satz beschreibt auch die Haltung hinter der neuen Photovoltaik-Anlage. Denn die Investition ist nicht nur ein Beitrag zur Energiewende, sie ist auch Ausdruck eines unternehmerischen Selbstverständnisses: Wer ein Familienunternehmen weiterentwickelt, denkt nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Die Photovoltaik-Fassade wird sich nicht von heute auf morgen auszahlen. Sie ist auf langfristige Wirkung angelegt.

Gerade deshalb ist sie ein starkes Beispiel für nachhaltiges Unternehmertum. Die Lütolf AG investiert in eine Lösung, die zum Standort, zur Produktion und zur Unternehmensgeschichte passt. Die Silos bleiben, was sie immer waren: zentrale Elemente des Betriebs. Gleichzeitig werden sie zu einem sichtbaren Versprechen, dass industrielle Tradition und ökologische Verantwortung zusammengehen können.

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Die Investition ist auch Ausdruck eines unternehmerischen Selbstverständnisses.

Vom Rheintal aus gedacht

Dass dieses Projekt in St.Margrethen umgesetzt wurde, ist kein Zufall. Die Lütolf AG ist im Rheintal verwurzelt, arbeitet mit der hiesigen Landwirtschaft zusammen und versteht sich als Teil einer regionalen Wirtschaft, die von Verlässlichkeit, Nähe und unternehmerischer Eigeninitiative lebt. «Nachhaltigkeit beginnt hier nicht mit grossen Worten, sondern mit konkreten Schritten», fasst Christian Lütolf nicht nur seine Firmenphilosophie zusammen, sondern eine Rheintaler Grundhaltung.

Die beiden Produktionstürme zeigen nun jeden Tag, was damit gemeint ist. Wo früher vor allem gelagert und verarbeitet wurde, wird heute zusätzlich Strom produziert. Aus Silos sind Kraftwerke geworden. Für die Lütolf AG ist das ein weiterer Schritt auf einem Weg, der Herkunft, Innovation und Verantwortung miteinander verbindet.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer, zVg

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