Neubau Ostschweizer Kinderspital

Vom Säuglingsheim zum Ostschweizer Kinderspital

Vom Säuglingsheim zum Ostschweizer Kinderspital
1966: Neues Gebäude im Grossacker – eröffnet nach langem politischem Kampf.
Lesezeit: 3 Minuten

909 begann die Geschichte des Ostschweizer Kinderspitals mit einem kleinen Säuglingsheim in St.Gallen. Heute ist es ein regionales Zentrumsspital für Kinder- und Jugendmedizin und versorgt Patientinnen und Patienten aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Gleichzeitig ist es eine wichtige Ausbildungsstätte für medizinische und pflegerische Berufe.

Frida Imboden-Kaiser und der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit

Als Dr. med. Frida Imboden-Kaiser 1907 ihre Praxis in St.Gallen eröffnete, war die Säuglingssterblichkeit im Kanton alarmierend hoch. Gemeinsam mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern initiierte sie deshalb ein Säuglingsheim, das 1909 an der St.Leonhardstrasse eröffnet wurde. Frida Imboden-Kaiser prägte die Institution während Jahrzehnten. Sie setzte sich für das Stillen, die Mütterberatung und eine bessere Säuglingspflege ein. Die breite Präventionsarbeit trug wesentlich dazu bei, die Säuglingssterblichkeit markant zu senken.

Zehn Betten – und schon bald viel zu wenig Platz

1909 eröffnete das Säuglingsheim mit Platz für zehn Kinder. Bereits drei Jahre später musste die Institution wegen des Abbruchs der Villa Giezendanner an die Volksbadstrasse umziehen. Dort konnten fortan bis zu vierzig Kinder betreut werden. Die Nähe zum Kantonsspital erwies sich als Vorteil, doch das ehemalige Wohnhaus war für den Spitalbetrieb nur bedingt geeignet. Untersuchungen, Bluttransfusionen und kleine Eingriffe fanden teilweise im gleichen Raum statt, der auch als Korridor und Aufenthaltsraum diente.

Aus dem Säuglingsheim wird ein Kinderspital

1932 übernahm Dr. med. Richard Rehsteiner die Leitung des Säuglingsheims. Unter ihm entwickelte sich die Institution medizinisch und organisatorisch weiter. 1942 erfolgte die Umbenennung in «Ostschweizerisches Säuglingsspital». Die Pädiatrie machte in diesen Jahren grosse Fortschritte: Laboruntersuchungen, Röntgendiagnostik und die Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital gewannen an Bedeutung. Ab 1956 führte Chefarzt Dr. med. Paul Nef unter anderem Physiotherapie, Ergotherapie und eine neonatologische Abteilung mit Intensivbetreuung für Neugeborene ein.

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Ein Kinderspital für die ganze Ostschweiz

Ab 1946 artikulierte sich der Bedarf für ein neues Kinderspital. Treibende Kräfte waren unter anderem Dr. med. Paul Nef, Dr. iur. Andreas Wegelin und Franziska Knoll-Heitz. 1954 wurde ein Initiativkomitee auf Vereinsbasis lanciert. Nach langen politischen Diskussionen sagten die Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, das Fürstentum Liechtenstein sowie die Stadt St.Gallen Beiträge an Bau und Betrieb zu. Das neue Kinderspital wurde 1966 auf einem Grundstück der Ortsbürgergemeinde St.Gallen eröffnet – fast die Hälfte der Bausumme stammte aus privaten Spenden.

Eigenständig bleiben – und gemeinsam tragen

Mit der Eröffnung des Neubaus wurde am 8. Januar 1966 die «Stiftung Ostschweizerisches Säuglings- und Kinderspital» gegründet. Die Trägerschaft blieb bewusst privatrechtlich organisiert. Im Stiftungsrat waren die politische Trägerschaft sowie weitere Institutionen vertreten. 2015 erhielt die Stiftung eine neue Führungsstruktur mit einem verkleinerten Stiftungsrat und einer Trägerdelegation. Die interstaatliche Trägerschaft prägt das Ostschweizer Kinderspital bis heute.

Im September 2026 bezugsbereit: Das Ostschweizer Kinderspital beim HOCH
Im September 2026 bezugsbereit: Das Ostschweizer Kinderspital beim HOCH

Wachstum, Provisorien und der Weg zum Neubau

Bereits kurz nach dem Bezug des neuen Kinderspitals am Grossacker im Jahr 1966 zeigte sich erneut Raummangel. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Spital mehrfach erweitert, aufgestockt und mit Provisorien ergänzt. 1991 konnte ein grösserer Erweiterungsbau in Betrieb genommen werden. 2008 fiel der strategische Entscheid für einen Neubau auf dem Areal des Kantonsspitals St.Gallen (heute HOCH). Dank Fundraising kamen bis Mitte 2025 dafür über 9 Millionen Franken zusammen. Nach dem Spatenstich 2021 wird das neue Ostschweizer Kinderspital im September 2026 bezogen.

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