Digital Conference Ostschweiz 2026

«Hier wird Innovation gelebt»

«Hier wird Innovation gelebt»
Andy Kutter
Lesezeit: 5 Minuten

Cyberangriffe, künstliche Intelligenz und immer mehr regulatorische Anforderungen stellen Unternehmen vor immer schwierigere Entscheidungen. Andy Kutter, Direktor der Kyos SA am Standort St.Gallen, weiss, weshalb Cybersecurity in die Chefetage gehört, wie Sicherheit zum Wettbewerbsvorteil wird und welche Chancen er für den Digitalstandort Ostschweiz sieht.

Andy Kutter, Kyos engagiert sich seit Jahren an der Digital Conference Ostschweiz und hat dieses Engagement 2026 langfristig ausgebaut. Weshalb ist Ihnen die Veranstaltung wichtig?
Die Digital Conference Ostschweiz zeigt jedes Jahr, wie viel Innovationskraft in unserer Region steckt. Für mich ist sie eine der wichtigsten Plattformen für Menschen, die deren Zukunft aktiv mitgestalten. Unsere Stärke liegt in den innovativen Unternehmen, den starken Bildungsinstitutionen und den kurzen Wegen. Man begegnet sich, tauscht sich aus und entwickelt Ideen. Die DCONO bringt diese Qualitäten zusammen und schafft einen Austausch, der über die Veranstaltung hinauswirkt. Deshalb engagieren wir uns mit Überzeugung!

Cybersecurity ist längst kein reines IT-Thema mehr. Welche Denkfehler beobachten Sie bei Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten am häufigsten?
Die Annahme, Cybersecurity lasse sich wie ein Investitionsprojekt behandeln: Wir setzen die notwendigen Massnahmen um und sind danach sicher. Tatsächlich ist sie eine permanente Managementaufgabe. Bedrohungslage, Technologien, Geschäftsmodelle und Risiken verändern sich laufend. Oft lautet die Frage immer noch: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass es uns trifft? Entscheidender aber wäre: Wie gut sind wir vorbereitet, wenn es uns trifft? Absolute Sicherheit gibt es zwar nicht, aber man kommt nahe dran, wenn man es richtig aufgleist. Deshalb gehört Cybersecurity in die Verantwortung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Es geht um Resilienz, Risikomanagement und die langfristige Handlungsfähigkeit des Unternehmens.

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«Gute Cybersecurity muss nicht teuer sein.»

KI verändert die Bedrohungslage und die Erwartungen der Kunden. Wie hat sich Ihre Rolle als Berater und Sparringspartner dadurch verändert?
Nicht grundsätzlich, die Fragen unserer Kunden haben sich aber erweitert. Cybersecurity, Risikomanagement und Governance standen schon immer im Zentrum. Mit KI kommen aber weitere Themen hinzu.

Welche?
Früher ging es häufig darum, Systeme zu schützen oder regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Heute diskutieren wir darüber, wie sich neue Technologien verantwortungsvoll einsetzen lassen, welche Risiken entstehen und wie Unternehmen die Kontrolle über Daten, Prozesse und Entscheidungen behalten. KI ist dabei ein wichtiger Treiber, aber nicht der einzige. Denn Cybersecurity, Compliance, Datenmanagement und KI lassen sich kaum noch isoliert betrachten. Unsere Aufgabe besteht zunehmend darin, diese Themen ganzheitlich einzuordnen und Unternehmen bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen.

Cybersecurity gilt für viele Unternehmen noch immer als reiner Kostenfaktor …
Leider! Viele Unternehmen unterschätzen auch, wie stark Cybersecurity zu ihrer Wahrnehmung beiträgt. Niemand entscheidet sich zwar allein wegen der Security für einen Anbieter. Wird sie aber vernachlässigt, geht Vertrauen schnell verloren. Und: Gute Cybersecurity muss nicht zwangsläufig teuer sein. Entscheidend ist, Risiken zu verstehen und bewusst zu managen. Wer verantwortungsvoll mit Daten umgeht und auf den Ernstfall vorbereitet ist, hebt sich positiv von Mitbewerbern ab. So wird Cybersecurity zum Wettbewerbsvorteil.

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«Neu bedeutet noch lange nicht relevant.»

Technologien entwickeln sich rasant. Wie entscheidet Kyos, welche Trends für Kunden relevant sind?
Wir bewerten neue Technologien nicht nach der Aufmerksamkeit, die sie erhalten, sondern nach dem Problem, das sie lösen. Neu bedeutet noch lange nicht relevant. Viele Technologien durchlaufen ja einen Hypezyklus. Deshalb fragen wir: Verbessert eine Lösung die Sicherheit oder Effizienz? Reduziert sie Risiken? Oder erzeugt sie zusätzliche Komplexität? Unsere Kunden interessiert nicht, welche Technologie morgen Schlagzeilen macht, sondern welche ihrem Unternehmen konkreten Mehrwert bringt.

Vertrauen ist in Ihrer Branche entscheidend. Weshalb überlassen Kunden Kyos ihre kritischsten Systeme?
Vertrauen ist keine Frage von Versprechen, sondern von Glaubwürdigkeit. Kunden wissen, dass wir ihre Interessen in den Mittelpunkt stellen und nicht jene eines Herstellers oder einer bestimmten Lösung. Wir beurteilen Risiken objektiv und empfehlen, was fachlich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Es geht nicht um möglichst viel Technologie, sondern um die richtige Lösung. Vertrauen zeigt sich nicht in dem, was wir über uns sagen, sondern in dem, was Kunden uns anvertrauen. Dass Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen ihre kritischen Systeme, Sicherheitsstrategien und sensibelsten Fragen in unsere Hände geben, ist für mich die stärkste Bestätigung unserer Arbeit.

Welche Führungsprinzipien haben sich in einer Branche bewährt, in der sich Technologien laufend verändern und Vertrauen die wichtigste Währung ist?
Unser Organisationsmodell basiert auf Vertrauen, Eigenverantwortung und Fachkompetenz. Das prägt mein Führungsverständnis. Die besten Entscheidungen entstehen nicht zwangsläufig auf der höchsten Hierarchiestufe; in einer Wissensbranche haben oft die Menschen mit der grössten Expertise die besten Antworten. Meine Aufgabe ist weniger, Entscheidungen vorzugeben, als die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Menschen Verantwortung übernehmen und ihr Potenzial entfalten. Zum Erfolgsfaktor wird nicht Kontrolle, sondern die Fähigkeit, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und Verantwortung dort wahrzunehmen, wo die Kompetenz liegt.

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«Es geht nicht um möglichst viel Technologie, sondern um die richtige Lösung.»

Wo sehen Sie die grössten Chancen, den Digitalstandort Ostschweiz in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln?
Die Ostschweiz muss nicht das nächste Zürich oder Silicon Valley werden. Ihre Stärke liegt darin, dass sie anders ist. Innovative Unternehmen, starkes Unternehmertum und eine Kultur der Umsetzung prägen die Region. Hier wird Innovation täglich gelebt. Aber: Wir sollten Wissen aus Forschung und Bildung noch besser mit den Bedürfnissen der Wirtschaft verbinden und neue Technologien schneller in die Praxis bringen. Die Zukunft des Digitalstandorts entscheidet sich nicht daran, wer die meisten Ideen hat, sondern daran, wer die besten erfolgreich umsetzt. 

Welche Weichen müssen Unternehmen heute stellen, damit sie in fünf Jahren digital erfolgreich sind?
Die nächsten fünf Jahre werden viele Unternehmen stärker fordern als die vergangenen. Mehrere Entwicklungen kommen gleichzeitig zusammen: KI, neue regulatorische Anforderungen, steigende Ansprüche an Daten, Zugriffsrechte und Cloud-Dienste sowie mittelfristig die Post-Quanten-Kryptografie. Unternehmen müssen ihre digitale Grundlage also sauber aufstellen. Sie müssen wissen, wo kritische Daten liegen, wer darauf zugreifen kann, welche Prozesse zentral sind und von welchen Systemen oder Partnern sie abhängen. Sonst wird es schwierig, neue Anforderungen schnell und sicher umzusetzen. Das gilt für regulatorische Vorgaben ebenso wie für kürzere Zertifikatslaufzeiten, neue kryptografische Verfahren oder den sinnvollen Einsatz von KI.

Viele werden wohl aber warten, bis der Druck gross genug ist …
Ja, aber erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die sich frühzeitig auf Entwicklungen vorbereiten, die heute noch technisch oder weit entfernt wirken. So schaffen sie sich den Handlungsspielraum, den andere erst aufbauen müssen.

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