KI braucht Regeln, sonst entsteht Wildwuchs
Wird KI in Unternehmen strategisch geführt – oder derzeit vor allem ausprobiert?
Elisabeth Prahl: In vielen Betrieben wird ausprobiert. Tools werden getestet, einzelne Mitarbeiter besuchen Schulungen, doch eine gemeinsame Grundlage fehlt. Genau dort entsteht die Lücke zwischen Neugier und Umsetzung. Unser Ziel ist es, klare Standards zu schaffen.
Michael Bernasconi: Ich sehe zwei Extreme. Entweder wird KI stark eingeschränkt aus Sorge vor Risiken. Oder sie wird unkontrolliert genutzt. Beides führt zu Problemen. Ohne Schulung entstehen unterschiedliche Arbeitsweisen, schwankende Qualität und Unsicherheit im Umgang mit Daten. KI braucht klare Regeln.
Was passiert konkret, wenn diese Regeln fehlen?
EP: Wenn jeder anders arbeitet, fehlt Vergleichbarkeit. Resultate werden nicht sauber geprüft, Prompts bleiben zufällig, Wissen bleibt bei Einzelpersonen. Das kostet Zeit und senkt die Qualität.
MB: Gleichzeitig entstehen Risiken bei Datenschutz und Vertraulichkeit. Viele unterschätzen, welche Informationen sensibel sind oder wie Resultate verifiziert werden müssen. Produktivität ohne Kontrolle ist kein Fortschritt.
Reicht ein einzelner Kurs, um das zu lösen?
EP: Nein. Es braucht einen strukturierten Einstieg. Unsere Kurse vermitteln ein gemeinsames Verständnis: Wie funktionieren grosse Sprachmodelle, wo liegen Chancen und Grenzen, wie formuliert man präzise Anweisungen.
MB: Entscheidend ist die Praxis. Die Teilnehmer arbeiten mit eigenen Aufgabenstellungen. Sie verbessern Prompts systematisch und lernen, Resultate kritisch zu prüfen. Ziel ist, am nächsten Arbeitstag effizienter und sicherer zu arbeiten.
Viele Anbieter versprechen Effizienz. Warum sollte Ihr Ansatz nachhaltiger sein?
EP: Effizienz allein greift zu kurz. Es geht auch um Qualität und Konsistenz. Wer weiss, wie Anweisungen aufgebaut werden und wie Resultate weiterentwickelt werden, erzielt bessere Ergebnisse. Und wenn alle dieselben Grundlagen kennen, entsteht ein einheitlicher Standard im Unternehmen.
MB: Hinzu kommt die Risikominimierung. Mitarbeiter lernen, mit sensiblen Daten korrekt umzugehen und Resultate zu überprüfen. KI darf kein Unsicherheitsfaktor sein. Sie muss ein verlässliches Arbeitsinstrument werden.
Copilot ist in vielen Unternehmen bereits integriert. Wird damit alles einfacher?
EP: Copilot erleichtert vieles, weil er direkt in Microsoft 365 eingebunden ist. KI wird in Word, Excel oder Outlook nutzbar. Das hilft bei der Integration in bestehende Prozesse. Trotzdem sollte man sich nicht auf ein einzelnes System verlassen.
MB: Entscheidend ist nicht das Tool, sondern die Aufgabe. Jedes System hat Stärken und Grenzen. Wer die Prinzipien beherrscht, kann mit ChatGPT, Gemini oder Claude ebenso arbeiten wie mit Copilot. Kompetenz ist wichtiger als Markenpräferenz.
Warum wirken interne Schulungen stärker als offene Formate?
EP: In internen Gruppen können wir gezielt auf konkrete Fragestellungen eingehen. Teams arbeiten mit eigenen Beispielen. Das erhöht die Relevanz und sorgt für gemeinsame Standards innerhalb der Organisation.
MB: Zudem entsteht Vertrauen. Mitarbeiter sprechen offen über Unsicherheiten. Unternehmensspezifische Regeln lassen sich direkt integrieren. Das macht die Weiterbildung nachhaltiger.
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Was müssen Führungskräfte beim Thema KI anders machen als bei früheren Digitalisierungsprojekten?
MB: KI verändert nicht nur Prozesse, sondern Denkweisen. Führungskräfte müssen definieren, wo KI echten Mehrwert stiftet, und klare Verantwortlichkeiten festlegen. Einzelne Experimente reichen nicht.
EP: Ebenso wichtig ist die Kultur. Mitarbeiter müssen innerhalb klarer Regeln testen dürfen. Wer KI nur verordnet oder komplett freigibt, riskiert Widerstand oder Chaos.
Wo liegt das strategische Potenzial in den kommenden Jahren?
EP: In der konsequenten Integration in Arbeitsprozesse. Nicht einzelne Prompts, sondern durchdachte Abläufe. Unternehmen, die strukturiert vorgehen, steigern Effizienz und Qualität nachhaltig.
MB: Das grösste Potenzial entsteht dort, wo Technologiekompetenz und Verantwortungsbewusstsein zusammenkommen. Wer beides verbindet, kann Innovation vorantreiben und Risiken gleichzeitig kontrollieren.
Was raten Sie Unternehmen, die noch zögern?
EP: Nicht auf die perfekte Strategie warten. Mit klar definierten Anwendungsfällen starten und gezielt schulen. Eine gemeinsame Grundlage ist wirksamer als isolierte Einzelversuche.
MB: Verantwortung von Anfang an mitdenken. Regeln definieren, Resultate prüfen und Kompetenz aufbauen. Dann wird KI zum Wettbewerbsvorteil statt zum Risiko.
Weitere Infos und Anmeldung:
https://ki-kurse.ai
Text: Patrick Stämpfli
Bild: zVg
