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«Gäbe es den Prix SVC nicht, müsste man ihn erfinden»

«Gäbe es den Prix SVC nicht, müsste man ihn erfinden»
Christoph Zeller
Lesezeit: 3 Minuten

Der Prix SVC Ostschweiz zeichnet seit über zwei Jahrzehnten Unternehmen aus, die mit Innovation, Qualität und Unternehmergeist die Region prägen – heuer am 5. März. OK-Präsident Christoph Zeller spricht über Kontinuität und Wandel des Preises, die Besonderheiten der Ostschweizer KMU-Landschaft und die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit in unsicheren Zeiten.

Text: Patrick Stämpfli

Christoph Zeller, der Prix SVC Ostschweiz wird seit über 20 Jahren vergeben. Was hat sich in dieser Zeit verändert und was nicht?
Der Kern ist unverändert: Wir zeichnen Unternehmen aus, die besondere Leistungen erbringen, innovativ sind und die Unternehmenslandschaft der Ostschweiz prägen. Die Firmen können sich nicht selbst bewerben, sondern werden von einer Jury ausgewählt, durchlaufen einen strukturierten Jurierungsprozess und werden schliesslich fürs Finale vorgeschlagen. Verändert hat sich im Laufe der Jahre vor allem die «Oberfläche», also die Inszenierung und Gestaltung der Preisverleihung. Der Anspruch und die Kriterien der Auszeichnung sind hingegen konstant geblieben.

Sie stehen dem OK seit vielen Jahren vor. Was motiviert Sie, dieses Engagement immer wieder zu übernehmen?
Das OK-Präsidium ist mir ein Anliegen und gleichzeitig eine wertvolle Gelegenheit zur persönlichen Weiterentwicklung. Man lernt kaum irgendwo mehr als auf der Juryreise, wo wir mit erfolgreichen Unternehmern ins Gespräch kommen und viel über ihre Geschichte, ihre Strategien und ihr Führungsverständnis erfahren. Dieser direkte Einblick in unterschiedliche Geschäftsmodelle und Unternehmenskulturen ist sehr bereichernd.

Wenn Sie auf die Ostschweizer KMU-Landschaft blicken: Was zeichnet sie aus?
Die Ostschweizer KMU sind im Vergleich zu anderen Landesteilen stärker industriell geprägt und stark auf internationale Absatzmärkte ausgerichtet. Das macht sie in der heutigen fragilen Lage, etwa mit Blick auf die Zollpolitik einzelner Länder, teilweise verletzlicher als Dienstleister. Gleichzeitig haben Krisen in der Vergangenheit immer wieder dazu geführt, dass Unternehmen noch innovativer wurden, um mit neuen, einzigartigen Produkten trotz höherer Schweizer Preise auf den Weltmärkten gefragt zu bleiben.

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«Innovative Unternehmen ruhen sich nicht auf Erfolgen aus.»

Der Prix SVC will unternehmerische Leistung sichtbar machen. Wie gelingt das?
Unsere Finalisten sind Vorzeige-Unternehmen, die in ihren Branchen Aussergewöhnliches leisten. Die Wege zum Marktführer oder Hidden Champion sind sehr unterschiedlich. Sichtbarkeit schaffen wir, indem wir die Unternehmen im Vorfeld und an der Preisverleihung porträtieren und den Siegerunternehmen anschliessend auch Einblicke für SVC-Mitglieder ermöglichen. Zudem trägt die Medienpräsenz der Gewinner und Finalisten dazu bei, ihre Leistungen einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Viele Unternehmen berichten, dass bereits die Nomination Wirkung entfaltet. Worin liegt der eigentliche Wert des Preises?
Diese Frage stellen wir jeweils den Gewinnern selbst. Viele stellen auf dem Arbeitsmarkt eine erhöhte Aufmerksamkeit fest, weil Menschen gerne bei ausgezeichneten Firmen arbeiten. Auch bestehende und potenzielle Kunden nehmen die Auszeichnung wahr und profitieren von einem gewissen Imagetransfer. Der Preis wirkt damit weit über den Anlass hinaus.

Welche Entwicklungen prägen die diesjährigen Finalisten?
Das Feld der Finalisten ist vielfältig und spiegelt die Ostschweiz im KMU-Umfeld wider. Von der bald 175-jährigen Maestrani bis zur vor gut 20 Jahren gegründeten Velosolutions Schweiz GmbH sind unterschiedliche Unternehmensgenerationen vertreten. Dazu kommen klassische Produktionsbetriebe wie die Optrel AG aus Wattwil, die innovative Schweisser- und Atemschutzlösungen entwickelt, die Tisca Tischhauser AG aus Bühler mit einem breiten Sortiment textiler Produkte sowie die Zeintra AG in Wil, die technische Bürsten für vielfältige Einsatzzwecke herstellt. Diese Vielfalt zeigt die industrielle Stärke und Innovationskraft der Region.

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Unternehmertum steht unter starkem Veränderungsdruck. Welche Fähigkeiten sind entscheidend, um langfristig erfolgreich zu bleiben?
Wichtig ist ein gelassener und zugleich handelnder Umgang mit Veränderungen. Innovative Unternehmen ruhen sich nicht auf ihren Erfolgen aus, sondern entwickeln neue Produkte bereits in der Phase des Erfolgs. So entgehen sie dem klassischen Lebenszyklus von Firmen und Produkten und erfinden sich immer wieder neu. Anpassungsfähigkeit und Weitsicht sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Ein Anlass dieser Grössenordnung lebt auch von Emotionen. Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Der Moment der Bekanntgabe des Siegerunternehmens ist immer ein Highlight, wenn sich die zuvor über längere Zeit aufgebaute Spannung entlädt. Diese Mischung aus Erwartung, Freude und Anerkennung macht den Prix SVC zu einem besonderen Ereignis. Ich freue mich darauf, dies im März erneut zu erleben.

Wo sehen Sie den Prix SVC Ostschweiz in zehn Jahren?
In zehn Jahren werde ich voraussichtlich meine Pension geniessen und im besten Fall als Gast an der Preisverleihung teilnehmen. Hoffentlich gibt es den Prix SVC auch dann noch. Denn wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Turnheer

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