Wenn das Lachen die Angst überwindet
Was geschieht, wenn das Ende der Welt zur Unterhaltung wird? Wenn nicht politische Gremien über das Schicksal der Menschheit entscheiden, sondern eine intergalaktische Game-Show? Und wenn plötzlich Tiere darüber urteilen, ob der Mensch auf diesem Planeten noch eine Zukunft hat?
Mit Planet B spielt Marboe mit Gegensätzen: Leichtigkeit und Bedrohung, Absurdität und Ernst. «Die Show, die den Wettkampf der Auslöschung allen Lebens auf der Erde zum zentralen Thema hat, bietet alles, was eine gute Reality-Sendung braucht», sagt sie. Abgesehen von den Aliens unterscheide sich das Format gar nicht so stark von bekannten Fernsehsendungen.
Gerade diese Gleichzeitigkeit fasziniert die Wiener Theaterregisseurin, die unter dem Künstlernamen Anna Mabo auch als Musikerin tätig ist. Banale Konflikte stehen neben existenziellen Fragen. «Einmal geht es darum, wer das Joghurt der Kolleginnen gegessen hat, und dann geht es um Leben und Tod.» Diese Widersprüchlichkeit gibt dem Stück Kraft und nimmt dem Bedrohlichen etwas von seiner Schwere.
Dass Marboe auf Humor setzt, ist kein Zufall. «Mit Humor und Musik baut man eine Schnellstrasse ins Herz der Menschen», sagt die 29-Jährige. Wer gemeinsam lache oder singe, könne danach auch über schwierige Themen sprechen. Wo sonst Ohnmacht entsteht, öffnet sich Raum für neue Gedanken.
Eine zentrale Rolle spielt der Perspektivenwechsel: In Planet B sind es Tiere, die über das Schicksal der Menschheit entscheiden. Das ist mehr als ein dramaturgischer Kniff. «Das Stück gibt denen eine Stimme, die von den Menschen zum Verstummen gebracht wurden», sagt Marboe. Dadurch entstehe Empathie für Lebewesen, die im Alltag oft zu Objekten gemacht werden. Die Aliens schaffen ein System, in dem alle Formen des Lebens gleichwertig sind.
Der Spielort verstärkt diese Wirkung. Gespielt wird unter freiem Himmel hinter dem Theater St.Gallen, eingebettet in Natur. Bäume, Wiese und Himmel werden Teil der Inszenierung. «Es ist, als würde die Erde an ihrem sommerlichen Feierabend ihrem eigenen Kampf ums Überleben zuschauen», beschreibt Marboe die Atmosphäre. Die Bühne von Elisabeth Weiss bringt in retrofuturistischer Ästhetik eine künstliche Welt in die Natur.
Auch dramaturgisch folgt Planet B der Logik einer Game-Show. Klare Regeln, Tempo und Wettbewerb strukturieren den Abend. Musiker Vincent Sauer entwickelt dazu einen Soundtrack, der sich an 8-Bit-Klängen orientiert und bekannte Songs in Game-Show-Jingles verwandelt. Direkte Ansprachen ans Publikum machen die Zuschauer zu Beteiligten. Diese Nähe ist zentral: Das Publikum in der Arena erlebt die Darsteller unmittelbarer als in einem klassischen Theaterraum. Zugleich bleibt Raum für Rückzug und Vertiefung. Marboe sucht so den «Spagat zwischen Beteiligung und dem Eintauchen in eine eigene Welt».
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer
