Technik, die man nicht sehen soll
Florian Hennige verantwortet mit den Werkstätten den Produktionsbereich, also alles, was nötig ist, damit Kostüm, Maske und Bühnenbild nach den Vorstellungen der künstlerischen Teams auf die Bühne kommen. Christian Steinschaden und sein Team aus Bühnen-, Licht-, Ton- und Videotechnik begleiten die Planung aus Betriebssicht. Sobald ein Bühnenbild fertiggestellt ist, übernehmen sie es in den Proben- und Spielbetrieb. «Gemeinsam mit den künstlerischen Teams werden Abläufe, Szenenwechsel und weitere Details bis zur Vorstellungsreife entwickelt und geprobt», sagt Steinschaden. Ein besonderes Augenmerk liege dabei stets auf der Sicherheit aller Beteiligten.
Die Festspiele bringen zusätzliche Komplexität, weil nicht alle Spielorte über die gewohnte Infrastruktur des Theaters verfügen. Vieles muss vor Ort erst eingerichtet werden. Dazu kommen Produktionen im Freien, bei denen Wind, Regen oder Hitze jederzeit Einfluss nehmen können. «Vorgänge, die normalerweise nur wenige Minuten in Anspruch nehmen, benötigen deutlich mehr Zeit, da Personen, Material und Werkzeuge erst an die jeweiligen Orte transportiert werden müssen», erklären Hennige und Steinschaden. Eine der grossen Herausforderungen bestehe darin, zahlreiche Transporte vor, während und nach den Festspielen mit einer vergleichsweise kleinen Logistikmannschaft fristgerecht zu bewältigen.
Entscheidend sind deshalb eingespielte Teams und verlässliche Abläufe. «Produktionen wie unsere Festspiele sind immer das Ergebnis der Arbeit vieler und niemals die Leistung Einzelner», sagen die beiden technischen Leiter. Niemand könne so viele flexible Abläufe an verschiedenen Spielstätten zentral bis ins kleinste Detail steuern. Es brauche Vertrauen in die Mitarbeiter, klare Prozesse und die Fähigkeit, rasch zu entscheiden, ohne jedes Mal «das Rad neu erfinden» zu müssen.
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Technisch profitieren die Festspiele 2026 davon, dass Aida im Grossen Haus gezeigt wird. «Wir können auf die gewohnte Infrastruktur zurückgreifen, also kein Sprung ins kalte Wasser», sagen Hennige und Steinschaden. Neu ist hingegen das Rahmenprogramm rund um das Theater. Hier mussten Fragen gelöst werden, für die es keine Erfahrungswerte gab, etwa zur Beschaffung einer aufblasbaren Leinwand samt Ballasttanks.
Auch die Digitalisierung prägt die Arbeit der technischen Leitung. Bühnensteuerung, Licht, Ton und Video sind längst vernetzt. Die grösseren Fragen liegen heute bei kurzen Entwicklungszyklen, Wartungskosten und Investitionen. Gleichzeitig rückt der digitale Produktionsprozess stärker in den Fokus: Virtuelle Bühnenmodelle könnten künftig helfen, Lichtproben oder die Programmierung der Bühnenmaschinerie ortsunabhängig vorzubereiten. «In diesem Bereich stehen wir jedoch noch am Anfang.»
Ob eine Produktion technisch funktioniert, erkennen Hennige und Steinschaden vor allem daran, dass der Probenplan eingehalten werden kann. Je besser die Technik arbeitet, desto mehr Raum bleibt für die Kunst. Mit Blick auf die Festspiele 2026 gehen sie «gut vorbereitet und mit einer positiven Grundhaltung» in die intensive Zeit. Stolz sind sie bereits jetzt auf ihre technischen Mitarbeiter, «die nach einer anstrengenden Saison noch einmal alle Kräfte mobilisieren, damit unser Publikum unbeschwerte Stunden geniessen kann».
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer
