Fokus Rheintal 2026

Vier Länder, ein Wirtschaftsraum

Vier Länder, ein Wirtschaftsraum
Daniel Müller, Bettina Fleisch, Marco Tittler
Lesezeit: 3 Minuten

Das Rheintal profitiert wie kaum eine andere Region von seiner Lage zwischen der Schweiz, Liechtenstein, Vorarlberg und Süddeutschland. Für Unternehmen sind die Landesgrenzen längst nicht mehr Trennlinien, sondern ein entscheidender Standortvorteil.

«Die Lage im Rheintal bietet uns einen direkten Zugang zu mehreren Märkten und Wirtschaftsräumen», sagt Bettina Fleisch, Inhaberin der Säntis Packaging AG in Rüthi. Innerhalb kurzer Distanzen erreiche das Unternehmen Kunden, Lieferanten und Partner in der Schweiz sowie in den umliegenden EU-Ländern. Die internationale Vernetzung erhöhe die Flexibilität und stärke die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Grenzregion prägt den Unternehmensalltag auf vielfältige Weise. «Viele unserer Mitarbeitenden pendeln täglich aus den Nachbarländern ins Rheintal», sagt Fleisch. Auch bei Kunden- und Lieferantenbeziehungen sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit selbstverständlich. «Kurze Wege, persönliche Kontakte und die enge wirtschaftliche Verflechtung erleichtern die Zusammenarbeit und machen die Region zu einem starken Wirtschaftsraum.»

«Die Lage bietet einen direkten Zugang zu mehreren Märkten und Wirtschaftsräumen»

Zugang zu Fachkräften

Wie wichtig diese Verbindungen sind, zeigen auch die Zahlen. Laut Daniel Müller, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St.Gallen, machen Grenzgänger im Rheintal über elf Prozent aller Arbeitskräfte aus. Im übrigen Kanton liegt dieser Anteil bei rund drei Prozent. Gerade bei Fachkräften helfen die kurzen Wege aus Vorarlberg, Liechtenstein und teilweise auch aus Süddeutschland, offene Stellen zu besetzen.

Gleichzeitig profitieren die Unternehmen von der besonderen Lage zwischen verschiedenen Wirtschaftsräumen. Müller verweist auf den direkten Zugang zu internationalen Märkten, kurze Wege zu Behörden und Partnern sowie eine leistungsfähige, vernetzte Forschungslandschaft. «Das Rheintal zählt heute zu den Top-Ten-Hightech-Standorten Europas», sagt er. Diese Faktoren bildeten das Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen und machten die Region auch für neue Betriebe und Start-ups attraktiv.

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Erfolg über Generationen

Die wirtschaftliche Stärke des Rheintals ist nicht über Nacht entstanden. «Viele erfolgreiche und innovative Unternehmen wurden hier von Generation zu Generation weitergeführt und weiterentwickelt», sagt Fleisch. Gleichzeitig werde grosser Wert auf Berufsbildung, Innovation und technische Kompetenz gelegt.

Die Unternehmen profitieren dabei von einer starken Bildungslandschaft in der Region und ihrem Umfeld. Hochschulen und Fachschulen liefern nicht nur qualifizierte Fachkräfte, sondern unterstützen Unternehmen auch bei Forschung und Entwicklung. Die internationale Ausrichtung vieler Betriebe und die Bereitschaft, sich laufend weiterzuentwickeln, hätten wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Rheintal zu einem der bedeutendsten Industriestandorte der Schweiz entwickeln konnte.

Auch Müller sieht darin einen zentralen Erfolgsfaktor. «Das St.Galler Rheintal ist die zweitstärkste Exportregion der Schweiz», sagt er. Zusammen mit Vorarlberg und Liechtenstein entstehe eine aussergewöhnliche Konzentration von international erfolgreichen Industrieunternehmen.

«Das Rheintal zählt heute zu den Top-Ten-Hightech-Standorten Europas»

Gemeinsam stärker

Die enge Vernetzung wird auch auf der anderen Rheinseite wahrgenommen. Für Marco Tittler, Wirtschaftslandesrat des Landes Vorarlberg, ist das St.Galler Rheintal ein wichtiger Partner. «Das St.Galler Rheintal wird in Vorarlberg als wirtschaftlich starker und innovativer Partner auf Augenhöhe geschätzt», sagt er.

«Die Beziehungen sind geprägt von einer hohen Dichte an Kooperationen in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Mobilität und Raumplanung», sagt Tittler. Gemeinsam werden Agglomerationsprogramme entwickelt, Forschungsprojekte umgesetzt und Infrastrukturvorhaben vorangetrieben. Als Beispiele nennt er das Hochwasserschutzprojekt RHESI, die Zusammenarbeit im öffentlichen Verkehr sowie verschiedene Interreg-Projekte zwischen Wissenschaft, Unternehmen und öffentlichen Institutionen.

Auch die Hochschulen arbeiten grenzüberschreitend zusammen. So betreibt die Universität St.Gallen mit dem Institute of Computer Science einen Standort in Dornbirn, der eng mit Forschung und Lehre in der Schweiz verbunden ist.

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Stärke unter Druck

Trotz aller Erfolge steht die Region vor Herausforderungen. Die exportorientierte Industrie spürt die schwächere Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten ebenso wie geopolitische Unsicherheiten. Hinzu kommen offene Fragen rund um die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union.

Auch aus Vorarlberger Sicht bestehen weiterhin Hürden. Unterschiedliche Währungen, Zollformalitäten und administrative Anforderungen erschweren teilweise die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Gleichzeitig sind sich die Gesprächspartner einig, dass die Vorteile deutlich überwiegen.

Für Fleisch liegt die Zukunft deshalb auch in einer stärkeren gemeinsamen Positionierung der Region. «Das Rheintal hat zahlreiche Erfolgsgeschichten zu bieten, die ausserhalb der Region oft zu wenig bekannt sind», sagt Bettina Fleisch.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer, zVg

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