Orgel und Orchester werden eins
Mit dem Sinfonieorchester St.Gallen, dem Chor des Theaters St.Gallen, dem Bach-Chor und der Sopranistin Olivia Smith entsteht ein Konzerterlebnis, das Raum, Klang und Ausdruckskraft verbindet. Eine Schlüsselrolle übernimmt Organist Bernhard Ruchti. Für ihn ist schon der Ort ein Ereignis: «St.Laurenzen gehört mit ihrer einzigartigen Ausmalung zu den schönsten reformierten Kirchen der Schweiz. Zudem ist ihre Grösse für die Musik ideal: gross genug, um den Klang atmen zu lassen, und nicht zu gross, sodass die Akustik transparent bleibt.»
Mit der 2024 eingeweihten Goll-Orgel verfügt die Kirche über ein Instrument, das neue Möglichkeiten eröffnet. «Ihr einmaliges akustisches Surround-Konzept ist perfekt an die akustischen Gegebenheiten der Kirche angepasst», sagt Ruchti. Wärme, Vielseitigkeit und räumliche Wirkung machten sie zu einem aussergewöhnlichen Instrument.
In Jongens Symphonie concertante begegnen sich Orgel und Orchester auf Augenhöhe. «Da die Orgel als Instrument in der Tat wie ein Orchester funktioniert, genügt sie sich gewissermassen selbst», sagt Ruchti. Gerade deshalb sei das Zusammenspiel mit einem «echten» Orchester so reizvoll. Die beiden Klangkörper kontrastieren einander, greifen ineinander und verschmelzen zu einem einzigen grossen Orchester. Das Werk ist kein Solokonzert, sondern eine als Gesamtkunstwerk gedachte Sinfonie mit zwei Klangkörpern.
Dass Bernhard Ruchti die Laurenzen-Orgel bis ins Detail kennt, ist kein Zufall. Der St.Galler war massgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt. Das Konzept der Surround-Orgel stammt von ihm; gemeinsam mit Simon Hebeisen von Orgelbau Goll hat er es verfeinert. Dieses Wissen fliesst in die Vorbereitung ein, besonders bei der Auswahl der Klangfarben.
Der sakrale Rahmen bleibt spürbar. Poulencs Gloria bringt eine geistliche Dimension ins Programm, während auch Jongen an die kirchliche Verankerung der Orgel erinnert. Zugleich eröffnen die beiden Werke Kontraste. «Die Klangwelten der beiden Komponisten sind verschieden. Jedoch gibt es bei der emotionalen Wirkung klare Gemeinsamkeiten», sagt Ruchti. Beide Werke beruhten auf klassischer Harmonik und einem grossen sinfonischen Gestus. «Ich bin sicher, dass sie sich perfekt ergänzen werden.»
Damit Orgel, Orchester und Chor zu einem Gesamtklang finden, braucht es präzises Zusammenspiel. Die Verantwortung liegt bei Dirigent Modestas Pitrenas. Ruchti sieht seine Aufgabe in der Balance zwischen solistischer Führung und Eingliederung ins Ensemble. Am Ende steht für ihn nicht die technische Perfektion im Vordergrund, sondern die Wirkung beim Publikum. «Das Schönste ist, wenn die Menschen von der Musik in irgendeiner Form berührt werden.»
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer
