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Wie aus KMU Weltmarktführer werden

Wie aus KMU Weltmarktführer werden
Roman Hänggi
Lesezeit: 4 Minuten

Zwischen Heerbrugg, Buchs und Widnau sind zahlreiche international erfolgreiche Industrieunternehmen zu Hause, viele davon aus klassischen KMU entstanden. Für Professor Roman Hänggi, Dozent für Produktionsmanagement an der OST, sind industrielle Tradition, technische Ausbildung, Innovationskraft und internationale Ausrichtung die Erfolgsfaktoren der Region.

Das Rheintal zählt heute zu den industriell stärksten Regionen der Schweiz. Zwischen St.Margrethen und Buchs sitzen zahlreiche Unternehmen, die in hochspezialisierten Nischen international zu den wichtigen Anbietern gehören. Viele davon sind in der Öffentlichkeit wenig präsent.

Für Roman Hänggi ist die wirtschaftliche Entwicklung der Region das Resultat eines über Jahrzehnte gewachsenen Industrie-Ökosystems. Unternehmen, Zulieferer, Ausbildungsinstitutionen und Fachkräfte hätten sich gegenseitig geprägt und weiterentwickelt. Hinzu komme die Lage mitten in einem stark industrialisierten Raum zwischen Vorarlberg, Liechtenstein, dem Bodenseeraum und der Ostschweiz.

«Diese Firmen lernen voneinander und arbeiten eng zusammen», sagt Hänggi. Gerade die Kombination aus technologischer Spezialisierung, industrieller Tradition und internationaler Orientierung habe dazu geführt, dass sich im Rheintal überdurchschnittlich viele erfolgreiche Industrieunternehmen entwickeln konnten.

Leica Geosystems: Wo Präzision Tradition hat.
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Ein Industriecluster mit langer Geschichte

Die industrielle Entwicklung des Rheintals begann nicht erst mit der Digitalisierung oder der heutigen Hightech-Industrie. Besonders rund um Heerbrugg entstand früh ein Umfeld aus Optik-, Mikrotechnik-, Präzisions- und Technologieunternehmen. Namen wie Leica Geosystems oder Oerlikon Balzers prägten den Standort weit über die Region hinaus.

Aus diesen industriellen Zentren entwickelten sich wiederum neue Firmen, Zulieferbetriebe und technologische Spezialisierungen. Heute zeigt sich dieses industrielle Netzwerk in Bereichen wie Medizintechnik, Elektronik, Software, Automatisierung, Mikrotechnik oder industriellen Prüfsystemen.

Viele Unternehmen konzentrieren sich dabei nicht auf Massenmärkte, sondern auf hochspezialisierte Anwendungen. «Innovation beginnt oft in Nischenmärkten», sagt der OST-Professor. Daraus könnten später grössere Geschäftsfelder, internationale Marktpositionen und neue Unternehmen entstehen.

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Technische Präzision statt grosse Inszenierung

Auffallend ist im Rheintal auch die zurückhaltende Unternehmenskultur. Viele erfolgreiche Firmen treten öffentlich eher nüchtern auf. Im Vordergrund stehen technische Qualität, Innovation, Verlässlichkeit und langfristige Entwicklung.

«Überzeugen durch Leistung und Innovation, nicht durch Hochglanzflyer», beschreibt Hänggi diese Mentalität. Gerade in industriellen Nischenmärkten seien technische Kompetenz, stabile Prozesse und langfristige Kundenbeziehungen entscheidend.

Viele Rheintaler Unternehmen würden deshalb bewusst weniger auf öffentliche Inszenierung setzen als andere Firmen. Stattdessen stehe häufig die technologische Leistungsfähigkeit im Zentrum. «Das Rheintal ist von einer Kultur der ständigen Weiterentwicklung geprägt», sagt Hänggi. «Man ist nie zufrieden.»

Kurze Wege und schnelle Entscheidungen

Viele erfolgreiche Rheintaler Industrieunternehmen sind aus klassischen KMU oder Familienunternehmen entstanden. Kurze Entscheidungswege und eine enge Verbindung zwischen Entwicklung, Produktion und Unternehmensleitung gelten bis heute als wichtige Standortvorteile.

Technische Ideen können oft direkt in der Produktion getestet und weiterentwickelt werden. «Kurze Entscheidungswege sind enorm wichtig», sagt Hänggi. Gerade in technologiegetriebenen Märkten müsse man schnell reagieren und Entwicklungen rasch umsetzen können.

Allerdings habe sich laut Roman Hänggi auch das Verhältnis zwischen KMU und Konzernen verändert. «Der Grundsatz klein gleich schnell und gross gleich langsam hat sich überholt», sagt er. Internationale Konzerne müssten heute ebenfalls agil bleiben, um technologisch konkurrenzfähig zu sein.

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Oertli Instrumente: Innovation aus Berneck.
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Berufsbildung als Schlüssel

Ein zentraler Faktor für die Entwicklung des Rheintals bleibt die technische Ausbildung. Die Region verfügt über eine starke industrielle Berufsbildung und gleichzeitig über eine enge Verbindung zu Fachhochschulen und angewandter Forschung.

Besonders die OST in Buchs spielt dabei eine wichtige Rolle und verbindet technische Ausbildung, angewandte Forschung und Technologietransfer eng mit den Bedürfnissen der Industrie. Hänggi sieht darin einen entscheidenden Standortvorteil. Die Verbindung zwischen Forschung, Lehre und industrieller Praxis funktioniere im Rheintal seit Jahren sehr eng.

Die Kombination aus Berufsbildung, Fachhochschule und Forschung sei ein Schlüsselfaktor für die technologische Stärke der Region. Gleichzeitig ermögliche diese Verbindung auch einen schnellen Transfer neuer Technologien in industrielle Anwendungen.

Ein aktuelles Beispiel dafür seien digitale Produktionsmodelle, sogenannte «Digital Twins», also digitale Abbilder realer Produktionsprozesse. Auch industrielle KI-Anwendungen gewinnen in diesem Bereich zunehmend an Bedeutung. Gerade hier habe die OST in Forschung und Lehre in den vergangenen Jahren wichtige Kompetenzen aufgebaut.

Grenzregion als Wettbewerbsvorteil

Das Rheintal liegt mitten in einem internationalen Wirtschaftsraum. Vorarlberg, Liechtenstein, der Bodenseeraum und die Ostschweiz bilden zusammen ein stark industrialisiertes Umfeld mit hoher technologischer Dichte. Unternehmen wie Hilti, SFS, Hamilton oder ThyssenKrupp Presta prägen diesen Wirtschaftsraum zusätzlich. Diese Nähe schafft Konkurrenz, gleichzeitig aber auch Austausch und Zusammenarbeit. Unternehmen vergleichen sich über die Landesgrenzen hinweg, orientieren sich international und stehen in ständigem Wettbewerb um Fachkräfte, Technologien und Märkte.

«Der Austausch und die Konkurrenz sind sehr wichtig», sagt der OST-Professor. Gerade die Grenznähe habe dazu beigetragen, dass viele Unternehmen früh international denken mussten. Exportorientierung und internationale Kundenbeziehungen gehören für zahlreiche Rheintaler Firmen seit Jahrzehnten zum Alltag.

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Weltmarktführer aus dem Rheintal

Trotz globaler Konkurrenz entstehen im Rheintal weiterhin neue technologische Entwicklungen und spezialisierte Industrieunternehmen. Roman Hänggi sieht besonders in Bereichen wie Medizintechnik, Elektronik, Software, Automatisierung und industriellen Prüfsystemen weiteres Potenzial.

Gleichzeitig stehen die Unternehmen unter Druck. Währungsschwankungen, geopolitische Unsicherheiten und internationale Konkurrenz betreffen auch das Rheintal. Hänggi zeigt sich dennoch optimistisch. Viele Unternehmen hätten gelernt, mit permanentem Wandel umzugehen. «Die Industrie lebt seit Jahren in einem dauernden Fitnessprogramm», sagt er.

Die Stärke des Rheintals liege in industrieller Präzision, technologischer Spezialisierung und der Fähigkeit, sich immer wieder an neue Entwicklungen anzupassen.

SFS Group: Ein wichtiger Pfeiler des Industrieclusters.
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Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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