FCSG Cupsieger 2026

Die Helden des Cupsiegs

Die Helden des Cupsiegs
Tom Gaal bringt den FCSG mit seinem Treffer früh auf die Siegerstrasse.
Lesezeit: 6 Minuten

Ein Titel hat mehr Helden als die Torschützen. Beim 3:0 des FC St.Gallen 1879 gegen den FC Stade Lausanne-Ouchy trafen zwar Tom Gaal, Lukas Görtler und Christian Witzig. Der historische Cupsieg gehörte aber auch einem Goali, der nach einer Roten Karte einspringen musste, einem Trainer mit den richtigen Entscheidungen und einer Mannschaft, die in Unterzahl nicht zerbrach.

Der Cupfinal im Berner Wankdorf war deshalb nicht nur ein Spiel mit drei Treffern. Er war ein Mannschaftsbild. Jeder hatte seinen Platz darin. Der Verteidiger, der früh traf. Der Captain, der Verantwortung übernahm. Der Joker, der alles entschied. Der Ersatztorhüter, der in den heikelsten Momenten präsent war. Der ausgewechselte Feldspieler, der dem taktischen Umbau weichen musste. Die Abwehr, die fast eine Halbzeit lang mit einem Mann weniger arbeitete. Und ein Trainer, der aus einem gefährlichen Moment keine Panik werden liess.

«Der Cupsieg gehörte nicht nur den Torschützen – er war das Werk einer Mannschaft, die in Unterzahl zusammenhielt.»

Tom Gaal: Der frühe Türöffner

Tom Gaal war im Final der Mann, der die Geschichte öffnete. Nach acht Minuten traf der Verteidiger zum 1:0 und brachte den FCSG in jene Position, die im Cupfinal so viel wert ist: früh führen, Druck abwerfen, den Gegner zum Reagieren zwingen. Gaal war kein klassischer Finalheld aus dem Drehbuch, kein Mittelstürmer, der auf seine grosse Szene wartet. Genau das machte seinen Treffer so passend für diesen Cupsieg.

Der FCSG gewann den Final nicht als One-Man-Show. Er gewann ihn als Team, in dem auch ein Verteidiger im entscheidenden Moment vorne auftaucht. Gaal gab dem Spiel die Richtung. Sein Tor nahm St.Gallen nicht alle Nervosität, aber es verschob die Kräfteverhältnisse. Aus der Favoritenrolle wurde ein Vorsprung. Aus Hoffnung wurde früh greifbare Realität.

Später wurde Gaal auch auf der Feier als prägende Figur dieses Finals gefeiert. Das passte. Sein Tor war der erste grosse Schnitt durch 57 Jahre Warten auf den zweiten Cupsieg. Ohne diesen frühen Treffer wäre der Nachmittag wohl anders verlaufen. Mit ihm wurde aus einem schwierigen Final ein Spiel, das St.Gallen aktiv gestalten konnte.

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Der Capitano geht voraus
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Lukas Görtler: Der Captain mit Verantwortung

Wenn ein Cupfinal kippt, braucht eine Mannschaft mehr als gute Beine. Sie braucht Führung. Lukas Görtler gab sie. Der Captain stand im Zentrum jenes Moments, in dem aus Anspannung Vorentscheidung wurde. In der 65. Minute legte er sich den Ball zum Penalty zurecht und verwandelte zum 2:0. Ein Strafstoss in einem Cupfinal ist nie nur Technik. Er ist Druck, Erwartung, Geräuschkulisse und Verantwortung. Görtler traf, weil er genau für solche Momente steht: präsent, kantig, entschlossen, mit einer Ausstrahlung, die weit über die eigene Position hinausreicht. Er ist nicht einfach ein Spieler im FCSG-Trikot, sondern längst eine Identifikationsfigur.

Sein Tor kam in einer Phase, in der St.Gallen nach der Roten Karte gegen Lukas Watkowiak weiter in Unterzahl spielte. Stade Lausanne-Ouchy hatte die Hoffnung, der FCSG hatte die Führung, aber noch keine Sicherheit. Görtlers Penalty veränderte das. Der Captain gab seiner Mannschaft Luft und den Fans jenen Moment, in dem sie erstmals wirklich spüren durften: Dieser Pokal könnte nach St.Gallen kommen.

«Der Cupfinal war keine One-Man-Show – er war echte Teamarbeit.»

Lawrence Ati Zigi: Kaltstart im Final

Eine der schwierigsten Rollen dieses Finals hatte Lawrence Ati Zigi. Kurz vor der Pause musste er nach der Roten Karte gegen Lukas Watkowiak ins Tor. Für ihn war es kein gewöhnlicher Einsatz, sondern ein Kaltstart in einem Cupfinal, in einem Spiel, in dem ein einziger Fehler den Verlauf hätte drehen können.

Zigi kam, sah und musste sofort funktionieren. Es gab keine Anlaufzeit, keine ruhigen Minuten, kein langsames Hineinfinden. Er übernahm ein Spiel, das plötzlich kompliziert geworden war. St.Gallen führte zwar, spielte aber fortan mit einem Mann weniger. Gerade nach der Pause versuchte Stade Lausanne-Ouchy, aus der Überzahl Kapital zu schlagen.

In solchen Momenten entscheidet ein Torhüter nicht nur mit Paraden, sondern auch mit Präsenz. Zigi gab der Mannschaft Ruhe. Er war ein wichtiger Teil jener kollektiven Widerstandskraft, die den Final nach der Pause prägte. Der FCSG brauchte in dieser Phase keinen Spektakel-Goalie, sondern einen sicheren Rückhalt. Genau das war Zigi.

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Lukas Watkowiak, der tragische Held in Bern.
Lukas Watkowiak, der tragische Held in Bern.

Lukas Watkowiak: Der bittere Moment eines Cupgoalies

Lukas Watkowiak hatte im Cupweg des FCSG eine wichtige Rolle gespielt. In den Penaltykrimis gegen Wil und Rapperswil-Jona war seine Bedeutung gross. Im Final aber wurde er zur tragischen Figur. Kurz vor der Pause sah er nach einer Notbremse Rot. Ausgerechnet der Cupgoalie musste den grössten Tag vorzeitig verlassen.

Solche Szenen sind hart, weil sie leicht das Gesamtbild überdecken. Doch ein Cupsieg besteht nicht nur aus den letzten 90 Minuten. Watkowiak war Teil dieses Weges nach Bern. Ohne überstandene Zitterpartien in den früheren Runden wäre St.Gallen gar nicht im Final gestanden.

Seine Rote Karte brachte die Mannschaft in Bedrängnis, aber sie löschte seinen Anteil an dieser Cupkampagne nicht aus. Dass die Mannschaft danach zusammenrückte, war auch eine Antwort auf diesen Moment. St.Gallen liess den Fehler nicht zur Katastrophe werden. Der FCSG gewann nicht trotz eines einzelnen Spielers, sondern als Gruppe, die einen schwierigen Zwischenfall auffing.

Christian Witzig: Der Schlusspunkt

Christian Witzig war der Mann für den endgültigen Jubel. In der Nachspielzeit traf der eingewechselte Mittelfeldspieler zum 3:0. Dieses Tor war nicht mehr nur die Entscheidung, sondern die Erlösung. Der Cupfinal war vorbei, bevor er offiziell abgepfiffen wurde. St.Gallen hatte den Pokal sicher.

Witzigs Treffer war der perfekte Schlussakkord für einen Final, der lange angespannt blieb. Ein Joker kommt, nutzt seinen Moment und schreibt sich in die Geschichte ein. Gerade solche Tore bleiben haften, weil sie den Gefühlszustand einer ganzen Fankurve verändern. Aus Zittern wird Feiern. Aus Vorsicht wird Entladung. Aus einem möglichen Sieg wird ein historischer Titel.

Für Witzig war es ein Moment, der in jeder Rückschau auftauchen wird. Nicht, weil das 3:0 das schwierigste Tor des Tages war, sondern weil es die Tür zum Jubel endgültig aufstiess.

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Alessandro Vogt: Das Opfer des Umbaus

In einem Final werden nicht nur jene wichtig, die Tore schiessen oder Paraden zeigen. Manchmal prägt auch einer das Spiel, der vom Feld muss. Alessandro Vogt wurde nach der Roten Karte gegen Watkowiak ausgewechselt, damit Lawrence Ati Zigi ins Tor kommen konnte. Für einen Feldspieler ist das bitter. Er hat nichts falsch gemacht und muss dennoch weichen.

Deshalb gehört auch Vogt zu den Gesichtern dieses Cupsiegs. Sein Abgang war Teil jener taktischen Notwendigkeit, mit der der FCSG auf die Rote Karte reagieren musste. Später hatte diese Geschichte eine schöne Klammer: Im Halbfinal gegen Yverdon hatte Vogt mit seinem Treffer zum 0:2 den Finaleinzug gesichert. Auch wenn sein Final früh endete, blieb sein Anteil an dieser Cupkampagne unbestritten.

«St.Gallen gewann mit Toren, Ruhe und echter Widerstandskraft.»

Enrico Maassen: Ruhig bleiben, richtig reagieren

Trainer Enrico Maassen musste im Final nicht nur eine Mannschaft einstellen, sondern während des Spiels eine neue Ordnung finden. Nach der Roten Karte war das Spiel plötzlich ein anderes. Der FCSG führte, hatte aber einen Mann weniger. Ein Cupfinal kann in solchen Momenten aus den Händen gleiten.

Maassen reagierte mit dem Torhüterwechsel, nahm Vogt vom Feld und stellte seine Mannschaft auf die neue Situation ein. Nach der Pause ging es nicht mehr darum, den Gegner spielerisch zu dominieren. Es ging darum, Räume zu schliessen, Wege zu kontrollieren, Entlastung zu finden und die eigenen Momente zu nutzen. Genau das gelang.

Der Cupsieg war deshalb auch ein Trainertitel. Nicht im Sinn einer taktischen Selbstdarstellung, sondern als Beleg dafür, dass eine Mannschaft vorbereitet, mental stabil und anpassungsfähig war. St.Gallen verlor nach der Roten Karte nicht die Struktur. Das ist kein Zufall.

Die Abwehr und das Kollektiv: Arbeit mit Applaus

Viele Helden dieses Finals stehen nicht in der Torschützenliste. Jozo Stanic, Chima Okoroji, Hugo Vandermersch, Tom Gaal und ihre Mitspieler mussten nach der Roten Karte Schwerarbeit leisten. Jeder Laufweg zählte, jeder Zweikampf, jedes Schliessen eines Passwegs. In Unterzahl wird Fussball zu Arbeit gegen die Zeit.

Auch das Mittelfeld musste sich neu ordnen. Carlo Boukhalfa, Lukas Görtler, Lukas Daschner und die weiteren St.Galler waren gefordert, defensive Stabilität und offensive Entlastung zusammenzubringen. Solche Leistungen lassen sich weniger einfach erzählen als Tore, aber sie sind die Grundlage eines Finalsiegs.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Freshfocus

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