St.Galler Festspiele 2026

Wie Klang zu Kunst wird

Wie Klang zu Kunst wird
Nicolai Gütter-Graf
Lesezeit: 2 Minuten

Wer an den Festspielen in eine Aufführung eintaucht, denkt selten an Mikrofone, Lautsprecher und digitale Signale. Einer der Menschen, die dafür sorgen, dass alles so klingt, wie es klingen soll, ist Nicolai Gütter-Graf, stellvertretender Leiter Tontechnik bei Konzert und Theater St.Gallen.

Seine Arbeit bewegt sich zwischen Präzision und Gefühl, Technik und Kunst. Oper, Musical, Schauspiel und Tanz stellen eigene Anforderungen. «Es sind vor allem Unterschiede in Stil und Ästhetik», sagt Gütter-Graf. Während im Musical jedes Detail verstärkt und abgestimmt wird, entstehen im Schauspiel oder Tanz viele Elemente erst im Probenprozess. Das verlangt Flexibilität und ein feines Gespür. «Schauspiel und Tanz sind für mich oft die spannendsten Sparten, weil dort neue und unkonventionelle Methoden entstehen.» Hier gehe es um einen Klangraum, der sich mit der Inszenierung verändert.

Auch die Technik hat sich stark gewandelt. Mit der Renovation wurde die Infrastruktur neu aufgebaut. Viele Systeme sind heute digital und IP-basiert. «Als Tonmeister ist man inzwischen auch ein Stück weit IT-Techniker», sagt Gütter-Graf. Prägend ist zudem das «immersive Audio»: Im Saal ermöglicht ein Mehrkanal-System dreidimensionale Klangwelten. Geräusche können sich bewegen, Klänge den Raum durchqueren. So entsteht ein Hören, das über klassische Beschallung hinausgeht.

Trotz aller Möglichkeiten bleibt die Frage: Wann klingt etwas richtig? «Ich spreche lieber von einer passenden Klangästhetik», sagt er. Entscheidend sei, dass der Klang die künstlerische Vision unterstützt. Technik ist ein Werkzeug, das im richtigen Moment in den Hintergrund tritt.

Bei Aida zeigt sich diese Haltung besonders. Bei Opernproduktionen im Grossen Haus wird in der Regel ohne Verstärkung gearbeitet, nahe an der ursprünglichen Klangidee. Anders bei Freilichtaufführungen im Klosterhof: Dort wäre ohne Tontechnik kein ausgewogenes Hörerlebnis möglich. Das Orchester wird aus der Tonhalle übertragen, die Stimmen der Sänger werden verstärkt. Ziel bleibt dennoch eine natürliche Wirkung.

Die Festspiele finden parallel an mehreren Orten statt. Planung, Koordination und der Einsatz von Material und Personal werden damit zentral. «Eine saubere Vorbereitung und Dokumentation ist entscheidend», sagt Nicolai Gütter-Graf. Gleichzeitig braucht es Spielraum für Unvorhergesehenes. Denn im Livebetrieb ist kein Abend identisch. Wenn etwas nicht funktioniert, zählt Erfahrung. «Man muss schnell erkennen, wo das Problem liegt», erklärt er. Ebenso wichtig sei Kommunikation. Die Zusammenarbeit mit Dirigenten und Regieteams gehört deshalb zum Alltag. Gemeinsam wird an einer Klangvorstellung gearbeitet, die weit über das Technische hinausgeht.

Und wann weiss der Tonmeister, dass alles gelungen ist? «Man sieht es in den Gesichtern des Publikums», sagt er. Oft zeigt aber auch der Applaus, dass alle Elemente zusammengefunden haben. Dann ist die Tontechnik genau dort, wo sie sein soll: spürbar in ihrer Wirkung, aber unsichtbar in ihrer Präsenz.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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