SFS ermöglicht neue Aussichtsplattform «Pionier» auf der Meldegg
Text: pd/pas Fotos: Rebekka Grossglauser
Auf dem Industrieweg Rheintal entsteht auf der Meldegg das architektonische Leuchtturmprojekt «Der Pionier», eine Aussichtsplattform von Carlos Martinez Architekten. Mit Blick über das Rheintal und insbesondere auf das Industrieareal der SFS Group soll sie die Industriekultur der Region sichtbar und erlebbar machen.
Die SFS Group sowie ihre Familienaktionäre, die Familien Huber und Stadler/Tschan, stiften die Plattform der Rheintaler Bevölkerung anlässlich des 100-jährigen Jubiläums im Jahr 2028. Die Eröffnung ist für Mai 2028 vorgesehen. Die Kosten belaufen sich auf «mehr oder weniger eine Million Franken», erklärte Ruedi Huber und ergänzte schmunzelnd «vermutlich eher etwas mehr».
Geplant als sichtbares Zeichen des Industriewegs
Bereits im Konzept des Industriewegs Rheintal, der im Frühling 2025 eröffnet wurde, war neben den 23 Informationstafeln ein identitätsstiftendes Projekt vorgesehen. «Die Aussichtsplattform ‹Pionier› im Meldeggwald soll weit über das Rheintal hinausstrahlen und den Industrieweg noch sichtbarer machen», sagt Reinhard Frei, Mitinitiator und Präsident des Vereins Industrieweg Rheintal.
Architektur als Ausdruck von Pioniergeist
Die rund 15 Meter lange Stahl-Glas-Konstruktion basiert auf einem abgerundeten, dreieckigen Grundriss: Beim Eingang breit gestaltet, verjüngt sie sich nach vorne. Seitliche Verglasungen und ein teilweise verglaster Boden ermöglichen einen direkten Blick in die Tiefe.
Carlos Martinez erklärt: «Die Industriegeschichte des Rheintals mit all ihren Pionieren hat mich schon immer fasziniert. Ihr Mut, ihre Entschlossenheit. Darum muss auch diese Plattform etwas Spezielles sein. Man braucht Mut und Entschlossenheit, sich bis ans Ende der Plattform zu wagen, wo man auf einem Glasboden über dem Abgrund steht.» Gleichzeitig verfolgt das Projekt auch einen klaren Wiedererkennungswert: «Dieser Aussichtspunkt soll etwas sein, bei dem man sagt: Warst du auch schon dort …?»
Die Form der Plattform nimmt bewusst Bezug auf den Pioniergeist der Industrie: Nur wer etwas wagt, kommt weiter. Die nach vorne zulaufende Konstruktion steht sinnbildlich für diesen Anspruch. Die bis zu 28 Grad geneigten Stahllamellen verweisen zudem auf das Gründungsjahr 1928 der SFS Group. Gebaut wird mit Komponenten des Unternehmens, was den technischen Anspruch zusätzlich unterstreicht.
Ort mit Geschichte und Ausblick
Von der Meldegg aus eröffnet sich der Blick über das Rheintal und das SFS-Areal. Der Standort ist historisch geprägt: Firmengründer Benjamin Stadler legte 1928 den Grundstein für das Unternehmen, während Hans Huber, später Gründer der ersten Filiale in Heerbrugg, regelmässig zur Meldegg wanderte. «Als ich dort oben stand und auf das Industrieareal blickte, entstand die Vision einer Plattform», erinnert sich Reinhard Frei.
Projekt mit regionaler Verankerung
SFS-CEO Jens Breu betont den Anspruch hinter dem Projekt: «Mit ‹Der Pionier› möchten wir der Region etwas zurückgeben. Jungen Menschen die Perspektive zeigen, die das Rheintal bietet, wenn sie von der Plattform ins Tal und auf die Industrie blicken.»
Die Plattform entsteht auf Gemeindegebiet von Walzenhausen, das Grundstück befindet sich derzeit noch in Privatbesitz. Die Gemeinde will dieses Land erwerben und damit ihren konkreten Beitrag an das Projekt leisten, indem sie die Fläche anschliessend zur Verfügung stellt. Ein Teil der Konstruktion ragt über den Felsvorsprung hinaus und liegt damit im Luftraum der Gemeinde Au.
Christian Sepin, Gemeindepräsident Au-Heerbrugg, sagt: «Speziell an diesem Projekt ist für uns, dass die Plattform zwar nicht auf unserem Gemeindeboden entsteht, dafür aber in unserem Luftraum.» Und weiter: «Für uns hat dieses Projekt eine grosse Bedeutung, jeder in Au kennt die Meldegg.»
Auch für Walzenhausen hat das Projekt strategische Bedeutung. Gemeindepräsident Michael Litscher sagt: «Wir sind hier am östlichsten Punkt von Appenzell Ausserrhoden und liegen nicht an der Haupt-Tourismus-Route des Kantons. Die Beteiligung an diesem Projekt ermöglicht uns, selber auch Pioniere zu sein.»
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Bewilligungsverfahren auf Kurs
Da zwei Kantone betroffen sind, erfolgt die Planung in enger Abstimmung. Vertreter der zuständigen Ämter aus St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden haben das Vorhaben bereits gemeinsam geprüft. Nutzungs- und Schutzfragen wurden geklärt, ebenso die wichtigsten Punkte in einem gemeinsamen Austausch vor Ort.
Nach aktuellem Stand bestehen aus raumplanungsrechtlicher Sicht keine wesentlichen Hindernisse. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen.