Neun Talente, neun Berufswelten
Wenn in der Schweiz von Exzellenz gesprochen wird, fallen schnell Begriffe wie Hochschulen oder Forschung. Weniger selbstverständlich ist dieselbe Sprache für eine Berufslehre. Genau hier setzt der NextGen Award an. Er rückt junge Menschen ins Zentrum, die am Ende ihrer Ausbildung gezeigt haben, dass berufliche Grundbildung weit mehr sein kann als ein solider Einstieg ins Erwerbsleben.
Die Hans Huber Stiftung zeichnet mit dem NextGen-Preis jährlich herausragende Lehrabsolventen aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein aus. Neun junge Berufsleute werden prämiert. Die Auszeichnung orientiert sich nicht an einzelnen Branchen, sondern an neun Interessenfeldern, wie sie auch in der St.Galler Berufsorientierung verwendet werden. Damit wird die ganze Breite der Berufswelt sichtbar.
Exzellenz hat viele Formen – und berufliche Leistung einen eigenen Wert.
Von Natur bis Menschenkontakt
Die neun Felder reichen von Natur und Landwirtschaft über Nahrung und Gastgewerbe, Gestaltung und Lifestyle, Bau und Gebäudetechnik sowie Maschinen, Fahrzeuge und Elektrotechnik bis zu Planung, Konstruktion und Labor. Hinzu kommen Wirtschaft, Verkauf, IT und Verkehr, Sprache, Kultur und Kunst sowie Tätigkeiten in Gesundheit, Bildung, Betreuung und Beratung.
Die Einteilung zeigt die Vielfalt von Begabungen. Wer einen komplexen technischen Prozess beherrscht, leistet nicht grundsätzlich mehr oder weniger als jemand, der Menschen pflegt, Lebensmittel veredelt, ein Gebäude erstellt oder Kunden berät. Exzellenz hat viele Formen. Genau diese Gleichwertigkeit gehört zu den Botschaften des Awards.
Bemerkenswert ist auch das Auswahlprinzip. Für den NextGen Award bewerben sich die jungen Berufsleute selbst. Gefragt sind Leistung, Engagement und Persönlichkeit. Damit löst sich die Auszeichnung von einer reinen Rangliste nach Abschlussnoten. Fachliche Qualität bleibt zentral, wird aber ergänzt durch Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Einsatzbereitschaft.
Mehr als ein Lehrabschluss
Das passt zum Wesen der dualen Berufsbildung. Eine Lehre verlangt von jungen Menschen früh, zwischen unterschiedlichen Welten zu wechseln: Berufsfachschule, Betrieb und überbetriebliche Kurse. Ein erfolgreicher Abschluss dokumentiert deshalb nicht nur Wissen, sondern auch mehrere Jahre praktischer Erfahrung.
Das Nahtstellenbarometer 2026 des Bundes zeigt, wie wichtig dieser Weg bleibt: 63 Prozent der Jugendlichen ziehen nach der obligatorischen Schule eine Berufslehre in Betracht. Bis Ende Mai standen schweizweit rund 74’000 Lehrstellen zur Verfügung. Die berufliche Grundbildung bleibt damit für viele erste Wahl.
Dass das System stark ist, bedeutet allerdings nicht, dass sein Stellenwert selbstverständlich bleibt. Der Bundesrat kam in seinem im Mai 2026 verabschiedeten Bericht zur Attraktivität der Berufsbildung zum Schluss, dass sie gut aufgestellt ist, aber gezielt weiterentwickelt werden muss. Demografischer Wandel, Fachkräftebedarf, Digitalisierung und neue Berufsbilder verschärfen zugleich den Wettbewerb um leistungsstarke Jugendliche.
Spitzenleistung hat viele Wege – einer davon beginnt mit einer Lehre.
Prestige ist kein Nebenthema
Deshalb ist öffentliche Anerkennung beruflicher Spitzenleistungen mehr als Symbolpolitik. Bildungsentscheide werden nicht allein nach Arbeitsmarktchancen gefällt. Auch Prestige und Vorbilder spielen eine Rolle. Wer junge Talente für eine Lehre gewinnen will, muss zeigen, wohin dieser Weg führen kann.
Die Berufsbildung bietet heute eine hohe Durchlässigkeit: Vom EFZ führen Wege über Berufsmaturität und höhere Berufsbildung bis an Fachhochschulen und weitere Hochschulen. Ab Oktober 2026 werden zudem die Titelzusätze «Professional Bachelor» und «Professional Master» für Abschlüsse der höheren Berufsbildung eingeführt. Damit soll deren Position innerhalb der Tertiärstufe sichtbarer werden.
Der NextGen Award setzt früher an. Er würdigt bereits am Ende der beruflichen Grundbildung jene, die sich besonders hervorgetan haben. Eine Lehre soll nicht erst dann als Erfolgsgeschichte gelten, wenn später ein Studium, eine Führungsposition oder eine Unternehmensgründung folgt. Hervorragende berufliche Leistung besitzt einen eigenen Wert.
Ein Preis mit Signalwirkung
Für die Hans Huber Stiftung ist der NextGen Award Teil einer strategischen Neuausrichtung. Seit 1998 würdigt sie Menschen und Initiativen, die sich besonders für die duale Berufsbildung einsetzen. Mit «Best of Class» erweitert sie diesen Fokus ab 2026 und stellt neben Ausbildern, Förderern und Persönlichkeiten die jungen Berufsleute selbst ins Rampenlicht.
Die neun Preisträger stehen damit für mehr als neun hervorragende Lehrabschlüsse. Hinter ihnen stehen Lehrbetriebe, Berufsbildner, Lehrpersonen und Familien – und ein Ausbildungssystem, das jungen Menschen früh Verantwortung zutraut. Gleichzeitig steckt hinter jedem Erfolg die Bereitschaft eines jungen Menschen, sich auf diese Verantwortung einzulassen.
Vielleicht liegt darin die stärkste Botschaft des NextGen Awards: Die duale Berufsbildung braucht keine defensive Rechtfertigung gegenüber anderen Bildungswegen. Sie braucht Sichtbarkeit für das, was sie hervorbringt. Wer Exzellenz sucht, findet sie nicht nur in Hörsälen und Forschungslabors, sondern ebenso in Werkstätten, Küchen, Büros, Pflegeinstitutionen, Ateliers, auf Baustellen und in Produktionshallen.
Neun junge Berufsleute erhalten dafür bei «Best of Class» eine Bühne. Für sie ist die Auszeichnung Anerkennung für das Geleistete. Für die Berufsbildung ist sie ein Signal: Spitzenleistung hat viele Wege – und einer davon beginnt mit einer Lehre.
