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Pink statt Lachs: Die zweite Karriere des Karpfens

Pink statt Lachs: Die zweite Karriere des Karpfens
Lesezeit: 3 Minuten

Rauchlachs? Fast. Der «Pink Kräuterfisch» von Dualfisch ist Karpfen – gebeizt, kalt geräuchert und hauchdünn geschnitten. Rolf Bossart macht aus einem unterschätzten Fisch eine überraschende Delikatesse und zeigt, wie eine nachhaltigere Alternative zum Rauchlachs schmecken kann.

Pink, hauchdünn geschnitten und kalt geräuchert: Auf den ersten Blick könnte der Pink Kräuterfisch als Rauchlachs durchgehen. Tatsächlich steckt Karpfen dahinter – bekanntermassen grätenreich und je nach Haltung geschmacklich gewöhnungsbedürftig. «Dabei kann Karpfen hervorragend sein», sagt Rolf Bossart. Der gelernte Koch und langjährige Gastronom wollte die Erwartungen an den Karpfen auf den Kopf stellen.

Für den Pink Kräuterfisch verwendet Dualfisch rund dreijährige Schuppenkarpfen aus Naturteichen in Franken. Dort fänden sie einen grossen Teil ihrer Nahrung selbst, ergänzt werde sie mit Getreide. Die Teichwirte kenne er persönlich, sagt Bossart. In der eigenen Kreislaufanlage wären die grossen Fische für ihn nicht sinnvoll: «Die Qualität der Filets ist kerniger und fester aus den Naturteichen.»

«Ich bin überzeugt von diesem Produkt. So können wir noch Fisch essen – und zwar mit gutem Gewissen.»

Randensalz bringt die Farbe

Bei der Verarbeitung stellt Bossart klare Anforderungen. Die Fische müssten schnell und stressfrei geschlachtet und die Filets noch vor der Totenstarre tiefgekühlt werden. «Wenn ein Teichwirt bereit ist, nach unserem Konzept zu arbeiten und die Qualität zu bringen, holen wir den Fisch und bringen ihn zur Verarbeitung in die Ostschweiz.»

Randensalz sorgt für die Farbe, hinzu kommen Ingwer, schwarzer Pfeffer, Knoblauch und Kräuter. Etwas Vitamin C unterstütze das Pink. Wie die Farbe bis ins Innere gelangt und beim Räuchern erhalten bleibt, verrät Bossart nicht. «Es ist wie bei der Affinage von Appenzeller Käse.» Zeit und Temperatur müssten genau stimmen. Anschliessend wird der Fisch auf Buchen- und Kirschenholz kalt geräuchert.

Und dann wären da noch die Gräten. «Wir haben die Fische röntgen lassen und geschaut, wo die Gräten durchgehen.» Die Messer der Schneidemaschine liess Bossart entsprechend einstellen. Sie schneiden das Filet in zwei Millimeter dünne Scheiben und zerteilen gleichzeitig die Gräten. «Sie sind immer noch drin, aber niemand spürt sie mehr.»

OD  La Culina  

«Wir wollten eine Alternative»

Die Idee entstand, während Bossart und sein Geschäftspartner Rolf Müller noch an ihrer Fischzucht bauten. «Wir wollten ein Produkt haben, das unabhängig von unserer Anlage funktioniert.» Gleichzeitig beschäftigte Bossart, weshalb Rauchlachs in der Gastronomie kaum Konkurrenz habe. «Es gäbe andere Fische, die sich hervorragend zum Kalträuchern eignen.»

Der Pink Kräuterfisch sollte kein Lachsimitat werden, sondern eine Alternative. Geschmacklich liege er zwischen Graved- und Rauchlachs. Auch verwenden lasse er sich ähnlich: für Vorspeisen, Fischrosen oder auf Brot, ebenso als Tatar.

Begonnen habe Pink als Gastronomieprodukt. Heute verteile sich der Absatz je zur Hälfte auf Gastronomie und Detailhandel, sagt Bossart. Rund eine bis zwei Tonnen verarbeitet Dualfisch jährlich. Zellweger Comestibles kommt im September als Vertriebspartner dazu. 

dualfisch.ch

Text: Pascal Tschamper

Bild: Rebekka Grossglauser

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