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Wenn Alkohol zum Problem am Arbeitsplatz wird

Wenn Alkohol zum Problem am Arbeitsplatz wird
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Alkoholprobleme bleiben in Unternehmen oft lange unbemerkt. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte Veränderungen wahrnehmen, das Gespräch suchen und klare Grenzen setzen. Sabine Seyb, Suchtberaterin beim Blauen Kreuz St.Gallen-Appenzell, erklärt, worauf es dabei ankommt.

Schätzungen von Sucht Schweiz zufolge haben zwei bis fünf Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz einen gesundheitsschädigenden Umgang mit Alkohol. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Problematischer Konsum entwickelt sich meist schleichend über Jahre. «Die Betroffenen funktionieren trotz ihres Alkoholproblems in ihrem beruflichen Rahmen oftmals über lange Zeit erstaunlich gut», sagt Seyb. Scham- und Schuldgefühle erschwerten es zusätzlich, offen darüber zu sprechen.

Auffälligkeiten sind noch keine Diagnose

Hinweise können Leistungsschwankungen, zunehmende Fehler, häufigere Fehlzeiten oder Konzentrationsprobleme sein. Auch Gereiztheit, Rückzug aus dem Team, Stimmungsschwankungen oder Veränderungen des Erscheinungsbilds können auffallen.

Doch keines dieser Anzeichen beweist ein Alkoholproblem. Dahinter können auch eine psychische Krise oder eine Erkrankung stehen. «Die Situation muss immer individuell betrachtet werden. Auffälligkeiten dürfen nicht pauschal mit einer Alkoholproblematik verknüpft werden», betont Seyb.

Führungskräfte sollten deshalb keine Diagnose stellen, sondern konkrete Beobachtungen ansprechen, etwa häufige Absenzen, nachlassende Konzentration oder Alkoholgeruch. «Wichtig ist, wertfrei und sachlich zu bleiben.» Gleichzeitig sollten sie sich nach dem Befinden erkundigen, Unterstützung anbieten und Erwartungen formulieren.

«Wichtig ist, wertfrei und sachlich zu bleiben.»

Nicht warten, bis die Leistung einbricht

Auch wenn ein Mitarbeiter seine Arbeit weiterhin zuverlässig erledigt, sollten auffällige Veränderungen nicht ignoriert werden. «Eine Führungskraft sollte bei einem Verdacht immer reagieren und zeitnah das Gespräch mit der betroffenen Person suchen», sagt Seyb.

Erscheint jemand alkoholisiert zur Arbeit, muss die Person aus dem Arbeitsprozess genommen werden. Der Heimweg ist so zu organisieren, dass sie nicht selbst Auto fährt. Anschliessend empfiehlt Seyb ein Gespräch, die Dokumentation der Beobachtungen und professionelle Unterstützung, etwa durch eine Suchtberatung oder den Betriebsarzt.

Was ein Mitarbeiter in seiner Freizeit trinkt, ist grundsätzlich Privatsache. Die Grenze ist erreicht, wenn der Konsum die Arbeit beeinflusst. «Wenn der private Alkoholkonsum die Arbeitssicherheit gefährdet, die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt oder das Team belastet, greift die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.»

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Wenn Kollegen zu Beschützern werden

Ein Alkoholproblem kann das gesamte Team belasten. Kollegen übernehmen Arbeiten, fangen Fehler auf oder verschweigen Auffälligkeiten. Seyb spricht von «co-abhängigen Mechanismen»: Was gut gemeint ist, kann dazu beitragen, dass der Betroffene die Konsequenzen seines Verhaltens weniger spürt.

Auch Führungskräfte können das Problem durch Zuwarten verlängern. «Viele Führungskräfte warten zu lange, bis sie das Thema ansprechen», sagt Seyb. Oft wollten sie dem Mitarbeiter nicht zu nahe treten oder seien unsicher, wie sie vorgehen sollen.

Klare Regeln geben Sicherheit

Deshalb empfiehlt Seyb Unternehmen ein Suchtpräventionskonzept mit klaren Zuständigkeiten und Abläufen. Auch die eigene Alkoholkultur sollte hinterfragt werden. Wird bei Firmenanlässen Alkohol ausgeschenkt oder das Feierabendbier auf dem Betriebsgelände toleriert, können Grenzen unscharf werden.

Wirksame Prävention bedeutet für Seyb: «Hinschauen, ansprechen, handeln.» Klare Grenzen sollen dabei nicht primär zur Trennung vom Mitarbeiter führen, sondern dazu beitragen, dass er Hilfe annimmt. «Die meisten Betroffenen wollen ihren Arbeitsplatz nicht verlieren.» Die Aussicht, ihn behalten zu können, wenn sie aktiv an ihrem Problem arbeiten, könne die Motivation zur Veränderung erhöhen.

Die Führungskraft soll dabei weder Therapeut noch Suchtberater sein, sondern den Zugang zu professioneller Unterstützung ermöglichen. Seyb plädiert dafür, Probleme früh anzusprechen: «Viele Betroffene sagen im Rückblick, jemand hätte sie schon früher auf die anfänglichen Alkoholprobleme hinweisen sollen.»

Text: Patrick Stämpfli

Bild: zVg

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