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«Handwerkliche Berufe werden eine Renaissance erleben»

«Handwerkliche Berufe werden eine Renaissance erleben»
Roland Brack
Lesezeit: 3 Minuten

An der ersten «Best of Class Award Night» der Hans-Huber-Stiftung Ende August in St.Gallen wurde Roland Brack mit dem Lifetime Impact Award ausgezeichnet. Sein Weg vom Elektromechaniker-Lehrling bei ABB zum Gründer eines der grössten Schweizer Handelsunternehmen zeigt, welches Potenzial die Berufslehre eröffnet. Im Interview erklärt er, weshalb die Ausbildung eigener Fachkräfte für sein Unternehmen früh entscheidend war und wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern wird.

Roland Brack, was bedeutet Ihnen der Lifetime Award der Hans Huber Stiftung persönlich?
Er ist für mich eine grosse Ehre. Ich nehme ihn aber nur stellvertretend für all unsere Ausbildner und Lehrlinge entgegen, die jeden Tag ihr Bestes geben.

Sie haben Ihre Laufbahn mit einer Berufslehre begonnen. Wie hat diese Ihren weiteren Weg geprägt?
Ich habe bei ABB in einem Grossbetrieb gelernt. Neben einer fundierten handwerklichen Ausbildung als Elektromechaniker habe ich viel praktische Erfahrung in Organisations- und Führungsthemen mitgenommen. Für den späteren Aufbau von Brack konnte ich einiges davon übernehmen und auch bei uns einführen, beispielsweise ein gleitendes Arbeitszeitmodell oder viele Aspekte einer professionellen Lehrlingsausbildung. 

Aus einer Einzelfirma ist eines der grössten Handelsunternehmen der Schweiz entstanden. Welche Rolle spielte die Berufsbildung auf diesem Weg?
Eine wichtige. In den ersten Jahren gab es praktisch keine ausgebildeten Fachleute im IT-Bereich. Also mussten wir die Leute entweder durch Umschulungen aus anderen Berufen oder durch die eigene Lehrlingsausbildung fördern. 

«Man darf nicht aufhören, besser werden zu wollen.»

Weshalb war es Ihnen immer wichtig, in die Ausbildung junger Menschen zu investieren?
Die Jungen sind unsere Zukunft. Keine Frage, dass wir dort investieren müssen.

Wie stark haben sich die Voraussetzungen von Lernenden in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Ich glaube, nur sehr wenig. Gleichzeitig ist gerade im IT-Bereich das Wissen, das während einer Lehre vermittelt werden muss, stark gewachsen. In der Schule gibt es aus meiner Sicht noch immer zu wenig IT-Ausbildung. Dadurch wird es zunehmend anspruchsvoller, den Einstieg zu schaffen und während einer vierjährigen Lehre alles notwendige Wissen zu vermitteln.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen Lehrbetrieb aus, der seine Verantwortung wirklich wahrnimmt?
Das Allerwichtigste ist, den ersten Schritt zu gehen und sich für die Ausbildung von Lernenden zu entscheiden.

Zima  OD  

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern viele Berufe. Welche Kompetenzen werden künftig besonders wichtig?
Es wird zunehmend entscheidend, zwischen Wahrheit und Fake unterscheiden zu können.

Wo sehen Sie heute die grössten Herausforderungen für die duale Berufsbildung?
Tatsächlich sehe ich sie bei allen Büroberufen in der Künstlichen Intelligenz. Viele administrative Aufgaben werden künftig durch KI erledigt. Es braucht dort weniger Menschen, und gleichzeitig verändern sich die Anforderungen rasant und fundamental. Handwerkliche Berufe werden eine Renaissance erleben.

Worauf sind Sie mit Blick auf Ihr Engagement für die Berufsbildung besonders stolz?
In der Berufsbildung gibt es für mich keinen Punkt, an dem man sagen kann: Jetzt sind wir fertig. Zu viel Stolz auf das Erreichte birgt die Gefahr, dass man aufhört, besser werden zu wollen. Was mich aber wirklich freut, ist zu sehen, wie junge Menschen ihren Weg finden, Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen. Dazu einen Beitrag zu leisten, bedeutet mir sehr viel.

Welchen Rat möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die heute vor der Berufswahl stehen?
Seid offen für Neues und habt den Mut, auch Wege auszuprobieren, die ihr heute noch nicht kennt. Man muss nicht von Anfang an genau wissen, wo man einmal landen will. Wer neugierig bleibt und Chancen ergreift, für den kommt es meistens gut.

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