Fachkräfte fallen nicht vom Himmel
Besonders gesucht sind Fahrer mit allen erforderlichen Qualifikationen und Erfahrung im Stückgutbereich. Michael Stillhart, Teamleiter Aus- und Weiterbildung bei Holenstein, nennt neben der Lastwagen- und Anhängerprüfung den CZV-Fahrerqualifizierungsnachweis und den ADR-Ausweis. «Fachkräfte, die all diese Qualifikationen und Erfahrungen vereinen, sind deshalb sehr wertvoll und auf dem Arbeitsmarkt entsprechend gefragt.»
«Fachkräfte, die all diese Qualifikationen und Erfahrungen vereinen, sind sehr wertvoll.»
Früh um den Nachwuchs werben
Galliker bildet rund 145 Lernende in 21 Lehrberufen aus. Im Sommer 2026 haben 67 Jugendliche ihre Ausbildung begonnen, so viele wie noch nie. Diese Zahlen seien jedoch kein Selbstläufer, betont Markus Manser, Leiter Betriebe Ost bei Galliker. Das Unternehmen wirbt mit dem Junior Day, Informationsnachmittagen, dem Zukunftstag, Berufsmessen und den sozialen Medien um Nachwuchs.
Besonders anspruchsvoll ist die Besetzung der Lehrstellen im handwerklichen Bereich. Dort ist der Wettbewerb um motivierte Jugendliche branchenübergreifend gross. «Wir haben nicht nur den Anspruch, Berufsprofis auszubilden, sondern legen auch grössten Wert darauf, den Jugendlichen neben der reinen Fachkompetenz auch wichtige Werte mit auf den Weg zu geben», sagt Manser.
Mit der Academy World hat Galliker ein modernes Ausbildungsumfeld geschaffen. Ergänzt wird dieses durch die hauseigene Fahrschule Driver Academy und die im September 2026 eröffnete Technical Academy. An der ZEBI und am Junior Day können Schüler zudem selbst hinter dem Steuer eines Lastwagens sitzen oder ein Paket konfektionieren. «Solche Erlebnisse wecken echte Faszination, die nachhaltig wirkt.»
Mehr als Lastwagen fahren
Holenstein bildet jährlich rund 20 Lernende in vier Berufen aus. Während das Unternehmen in der Logistik keine Schwierigkeitenhat, die Ausbildungsplätze zu besetzen, ist die Lehre im Strassentransport weiterhin zu wenig bekannt.
Stillhart hört von Eltern noch immer den Satz: «Lerne zuerst etwas anderes, fahren kannst du immer noch.» Dabei gehe es im Beruf nicht nur ums Fahren, sondern auch um Fahrzeugtechnik, Ladungssicherung, Verkehrssicherheit, Kundenkontakt, Organisation und den Umgang mit unterschiedlichen Gütern. Holenstein gewinnt jeden Sommer vier bis fünf Lernende für die Ausbildung zum Strassentransportfachmann.
Die Lernenden erhalten während der Ausbildung ein eigenes, vom Unternehmen bereitgestelltes Fahrzeug. Zudem dürfen sie früher Lastwagen fahren, als viele glauben. «Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Lernende erst ab dem 18. Lebensjahr Lastwagen fahren dürfen. Das stimmt nicht», sagt Stillhart. Bereits ab 17 Jahren dürfen sie während der Ausbildung und in Begleitung des Ausbildners mit einem Lastwagen und Anhänger unterwegs sein.
Quereinsteiger gezielt ausbilden
Galliker bildet mit einem eigenen Programm Personen aus anderen Branchen zu Fachkräften für Transport und Logistik aus. «Die wichtigste Voraussetzung, die sie für diesen Weg mitbringen müssen, ist in erster Linie die Motivation, die Begeisterung für die Branche und die Bereitschaft, Neues zu lernen», sagt Manser.
Bei Holenstein dauert der Quereinstieg rund zwölf Monate. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Berufslehre und der Führerausweis der Kategorie B. Das Angebot richtet sich insbesondere an Personen, die schon länger davon träumen, Lastwagen zu fahren. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus dem Verkauf, der Gastronomie und der Baubranche.
Das Interesse sei sehr gross, sagt Stillhart. Die Ausbildung umfasst die Führerausweise der Kategorien C und CE, die CZV-Prüfung und den ADR-Grundkurs. Erste Erfahrungen sammeln die Teilnehmer mit einem Lieferwagen, später absolvieren sie gemeinsam mit einem Ausbildner normale Stückguttouren. «Die meisten Quereinsteiger bleiben auch nach der Ausbildung bei uns, was für uns ein wichtiges Ziel ist.»
Fachkräfte im Unternehmen halten
Galliker bietet Lernenden, die mit guten Leistungen und Motivation überzeugen, eine Weiterbeschäftigungsgarantie. 2025 betrug die Weiterbeschäftigungsquote 70 Prozent.
Bei der Rekrutierung spielt auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eine Rolle. Galliker bietet durch verschiedene Geschäftsfelder und regionale, nationale sowie internationale Routen unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Teams für Verlade- und Entladearbeiten sowie eigene Werkstätten mit Waschanlagen entlasten zudem die Fahrer.
Für Manser muss die gesamte Branche zeigen, wie modern, innovativ und vielseitig ihre Berufe sind. Stillhart sieht ebenfalls Handlungsbedarf beim öffentlichen Bild: «Alles, was wir einkaufen, im Kühlschrank haben oder zu Hause benötigen, war irgendwann in einem Lager und wurde mit einem Lastwagen transportiert.» Ohne funktionierende Logistik würde der Alltag innerhalb kürzester Zeit stillstehen.
Text: Patrick Stämpfli
Bild: zVg
