Neue Wege für nachhaltige City-Logistik
Text: pd/stz.
«Die Anforderungen an urbane Logistik und nachhaltige Mobilität wachsen stetig. Städte und Gemeinden stehen vor der Herausforderung, Güter- und Dienstleistungsverkehr effizient zu organisieren und gleichzeitig Verkehrsbelastung sowie CO₂-Emissionen zu reduzieren», sagte Maike Scherrer, Leiterin des Instituts für Nachhaltige Entwicklung an der ZHAW, in ihrem Einführungsreferat.
Die Verkehrsinfrastruktur in den Städten sei zunehmend überlastet, während privater und gewerblicher Verkehr um knappe Flächen konkurrierten. Eine mögliche Lösung sieht die Professorin in urbanen Multi- und Entkopplungshubs, über die sich Warenströme effizienter bündeln und verteilen lassen.
Autonom fahrender Lastentransporter
Wie ein solcher Ansatz in der Praxis aussehen kann, zeigten Anna Baschung, Projektleiterin Innovation bei der Planzer Transport AG, und Peter Schild von der Fachstelle Mobilitätsberatung der Stadt Bern. Güter würden per Bahn und Lastwagen bis an den Stadtrand von Bern transportiert und dort auf ein hochautomatisiertes Fahrzeug umgeladen, das die Waren ins Stadtzentrum bringe.
Für die Feinverteilung kämen elektrische Kleinmotorräder zum Einsatz. Laut Baschung handelt es sich dabei um ein in Europa und der Schweiz einzigartiges Pilotprojekt.
Equipment-Boxen statt Kleinbus
Auch das Baugewerbe stand im Fokus der Fachtagung. Samuel Böhni vom IDEE Institut für Innovation, Design und Engineering der OST und Markus Egger, Geschäftsleiter der Emil Egger AG, präsentierten ein Forschungsprojekt zur Reduktion von Verkehrs- und CO₂-Emissionen im Baustellenverkehr, das gemeinsam mit dem Lift-Hersteller Schindler entwickelt wurde. Das Projekt untersuchte alternative Mobilitätsformen für Monteure und zeigte auf, wie durch die Trennung von Personen- und Werkzeuglogistik nachhaltigere Lösungen entstehen können.
«Ziel ist es, den Einsatz von Elektrofahrzeugen, öffentlichem Verkehr und Velos im Arbeitsalltag zu fördern und gleichzeitig die Effizienz auf Baustellen zu erhöhen», erklärte Samuel Böhni. Ausgangspunkt des Projekts sei die Beobachtung gewesen, dass Monteure täglich mit dieselbetriebenen Kleinbussen zu Baustellen fahren und dabei oft umfangreiches Werkzeug transportieren, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Dies verursache unnötigen Verkehr, hohe CO₂-Emissionen sowie ineffiziente Arbeitsabläufe.
Im Zentrum des Projekts «eco-install» steht deshalb die konsequente Entkopplung von Personen- und Werkzeuglogistik. «Werkzeuge und Materialien werden durch Logistikpartner in speziell entwickelten Equipment-Boxen direkt auf die Baustelle geliefert», erläuterte Markus Egger. Die Boxen enthalten sämtliche benötigten Arbeitsmittel und erleichtern den Einsatz vor Ort. Gleichzeitig können Monteure flexibel und umweltfreundlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Elektrofahrzeugen anreisen.
In einer anschliessenden Gesprächsrunde diskutierten Experten aus Zürich, Bern und der Forschung aktuelle Herausforderungen der City-Logistik. Im Zentrum standen kooperative Logistiklösungen, Baustellenlogistik in dicht besiedelten Gebieten sowie die zukünftige Rolle des Güterverkehrs im urbanen Verkehrssystem.
Cargo-Bike, Recycling-Abo und Velo-Grossanhänger
Auch interessant
Das dritte Projekt stellte Guido Wick vom Verein Velo Wil vor: einen Velo-Grossanhänger für Lastenvelos. Während solche Anhänger in vielen Ländern bereits zugelassen seien, fehle in der Schweiz bislang die entsprechende Bewilligung. Dank einer Ausnahmebewilligung des Kantons St.Gallen wird der Anhänger derzeit in Wil getestet. Guido Wick hofft, dass innerhalb des nächsten halben Jahres eine Zulassung auf Bundesebene erfolgen könnte.
Der Fachevent «City-Logistik» wurde von «clever mobil», der Mobilitätsplattform der Regionen im Kanton St.Gallen, gemeinsam mit der Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee sowie dem IDEE Institut für Innovation, Design und Engineering der OST organisiert.