Kreislaufwirtschaft im Fokus: Forum in St.Gallen setzt auf Umsetzung
Text: pd/red
Organisiert wurde die Circular Lab Konferenz unter anderem vom IOL Institut für Organisation und Leadership der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Zum Auftakt zeigten Prof. Dr. Karolin Frankenberger, Dean der Executive School HSG, und Prof. Dr. Oliver Christ (OST) die Bedeutung des Themas auf. Frankenberger sprach über neue Geschäftsmodelle und plädierte «für eine langfristig resiliente und überlebensfähige Wirtschaft». Christ betonte die Rolle regionaler Wertschöpfung und verwies darauf, dass bereits sieben der neun planetaren Grenzen überschritten seien. «Es braucht eine Land- und Ernährungswirtschaft, welche die Natur stärkt und nicht schwächt», sagte er.
Von der Theorie in die Praxis
In den ersten Beiträgen stand die Umsetzung im Zentrum. Bio-Gemüsebauer Simon Vetter vom Vetterhof in Lustenau zeigte anhand natürlicher Kreisläufe mögliche Ansätze für die Landwirtschaft. «Nachhaltige Lösungen kommen in 50 shades of green», sagte er. Dr. Fabian Takacs vom Circular Lab erklärte, wie Unternehmen entsprechende Prinzipien in ihre Geschäftsmodelle integrieren können. Ziel sei es, lineare Systeme zu überwinden und neue Ansätze zu entwickeln.
Auch Vertreter aus Handel und Industrie brachten ihre Perspektiven ein. Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation, verwies auf eine branchenübergreifende Vereinbarung zur Reduktion von Lebensmittelverlusten. Bis 2030 sollen diese im Vergleich zu 2017 halbiert werden. «Wir sind noch nicht auf Kurs», sagte Erny. Als Zwischenziel sei bislang eine Reduktion von fünf Prozent erreicht worden, geplant gewesen seien 25 Prozent. Christopher Rohrer von der Migros-Gruppe betonte die Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette und verwies darauf, dass ein grosser Teil der Verluste beim Konsum entstehe.
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Unterschiedliche Perspektiven aus Wirtschaft und Politik
Weitere Beiträge kamen aus Unternehmen und Politik. Beni Dürr von der Verdunova AG und Urs Riedener, CEO der Emmi Group, thematisierten die Rolle der Wirtschaft. «Wir müssen Nachhaltigkeit als Wert definieren, denn über Werte wird nicht verhandelt», sagte Dürr. Riedener ergänzte, Nachhaltigkeit müsse integraler Bestandteil eines Geschäftsmodells sein.
Nationalrat Mike Egger forderte praktikable Lösungen und kritisierte eine aus seiner Sicht zu starke Regulierung. Nationalrat Hasan Candan verwies hingegen auf ökologische und soziale Aspekte und nannte bestehende Subventionen als Problemfeld.
Konkrete Ansätze und offene Fragen
Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmer in Themenräumen weiter. Diskutiert wurden unter anderem Grundlagen nachhaltigen Wirtschaftens sowie Möglichkeiten zur Reduktion von Food Waste. Parallel präsentierten Unternehmen konkrete Lösungsansätze aus der Praxis.
Durch den Tag führte David Kübler von der ZHAW. Er griff wiederholt die zentrale Frage auf, wie konkrete Umsetzungsschritte gelingen können.
Konsens bei Zielen, Differenzen bei der Umsetzung
Zum Abschluss diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam auf dem Podium. Einigkeit bestand darin, dass zahlreiche Lösungen vorhanden sind und nun umgesetzt werden müssen. Unterschiede zeigten sich unter anderem bei der Rolle des Handels im Konsumverhalten.
Das Circular Lab versteht sich als Forschungs- und Praxisverbund zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Vierländerregion Bodensee. Das Projekt wird von Juni 2023 bis Mai 2027 im Rahmen des Programms Interreg VI «Alpenrhein-Bodensee» gefördert.