OST lanciert Eventreihe zu geistigem Eigentum und KI
Text: pd
Die Frage, wer als Erfinder gilt, wenn eine Innovation massgeblich durch KI-Systeme entwickelt wurde, ist heute noch nicht abschliessend geklärt. Gleichzeitig zeigen Ereignisse wie der Samsung-Datenschutzvorfall von 2023, bei dem Mitarbeitende unbeabsichtigt Quellcode und interne Protokolle über ChatGPT publizierten, dass die operativen Risiken für Unternehmen im Bereich Intellectual Property (IP) und dem Einsatz von KI bereits heute erheblich sind.
«Wir befinden uns in einem wachsenden Spannungsfeld», sagte Prof. Dr.-Ing. Knut Siercks, Leiter Departement Technik der OST, in seiner Eröffnung der Veranstaltung «IP-Awareness & Value Creation» an der OST in Buchs. «KI bietet enorme Möglichkeiten im Innovationsprozess, die es zu nutzen gilt, aber auch unterschätzte Risiken. Dieser Diskurs muss systematisch geführt werden.»
Patente als Informationsquelle
Die neue Veranstaltungsreihe, welche die OST gemeinsam mit dem Deutschen Competitive Intelligence Forum (DCIF) und dem Switzerland Innovation Park Ost trägt, schafft diesen Rahmen. Zum Auftakt referierten sechs Expertinnen und Experten aus Patentrecht, Unternehmensberatung, IT-Sicherheit und Wissensmanagement vor einem Publikum aus führenden Schweizer Industrieunternehmen, darunter Hilti, Kellerhals Carrard, Ivoclar Vivadent, Leica und Bühler.
Zentrale Erkenntnisse des ersten Anlasses:
- Patente sind auch Assets: Patente sind nicht nur Schutzrechte, sondern strategische Assets, die über Lizenzen und steuerliche Mechanismen Wertschöpfung generieren. (Dr.rer.nat. Dr.oec. Dr.iur. Bernd-Günther Harmann, Kaminski Harmann)
- KI als strategisches IP-Instrument: Zwischen 70 und 80 Prozent aller technischen Entwicklungen werden ausschliesslich in Patentanmeldungen veröffentlicht. KI erleichtert die systematische Nutzung dieser Informationsquelle für Wettbewerbsanalysen und Strategieentwicklung. (Marcus Schwarzhaupt, Global Head of IP, Hilti Corporation)
- Regulatorische Lücken: Viele Unternehmen, insbesondere Start-ups, setzen KI intensiv ein, oft noch ohne klare Compliance-Strukturen. Der EU AI Act schafft neue Sorgfaltspflichten, die noch wenig bekannt sind. (Dr. Vera Vallone, Kellerhals Carrard)
- Praktischer Schutz: Konkrete Massnahmen umfassen beispielsweise die Klassifizierung interner Daten, den Einsatz lokaler Sprachmodelle sowie die gezielte Schulung von Mitarbeitenden im Umgang mit KI-Systemen. (Michael Eichenberger, stepping stone AG)
- Menschliche Unverzichtbarkeit: KI revolutioniert das Wissensmanagement durch die effiziente Strukturierung expliziter Datenmengen, kann jedoch das implizite Expertenwissen sowie die menschliche Urteilskraft für komplexe Kontextentscheidungen nicht ersetzen. (Jonathan Gordon-Till, Mango Knowledge Solutions / Ursula Teubert, DCIF)
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Weitere Veranstaltungen in Planung
Die OST wird die Veranstaltungsreihe «IP-Awareness & Value Creation» mit wechselnden Schwerpunktthemen fortsetzen. Termin und Fokus des nächsten Anlasses werden über die offiziellen Kanäle der Hochschule kommuniziert.
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