Goldmünzen im Höhenflug
Text: pd/stz.
Angesichts geopolitischer Unsicherheiten standen an der Münzenversteigerung des Auktionshauses Rapp in Wil vor allem historische Raritäten hoch im Kurs. Das Interesse war international, die Bietgefechte intensiv. Besonders auffällig war laut Marianne Rapp Ohmann, Inhaberin des Auktionshauses Rapp, ein «noch nie dagewesenes Interesse aus Spanien».
Grund dafür war eine originale 8-Escudos-Goldmünze aus dem Jahr 1632. Noch bevor Auktionator Peter Rapp richtig zum Reden ansetzen konnte, schnellte der Zuschlagspreis im Zehntelsekundentakt in die Höhe. Am Ende kam die Münze nach einer regelrechten Bietschlacht von Interessenten am Telefon, im Internet und im Saal für 72'500 Franken unter den Hammer.
Die 8-Escudos-Goldmünze gehört laut Rapp in vorzüglicher Erhaltung «zu den Spitzenstücken einer klassischen Spanien-Sammlung». Rapp-Numismatikleiter Mauritius Faber spricht von einer «technisch aussergewöhnlich präzisen Goldmünze». Sie sei Ausdruck der damaligen wirtschaftlichen Macht Spaniens gewesen.
Auch eine bedeutende Salzburger Goldmünze erzielte einen hohen Zuschlag. Die Münze stammt aus der Regierungszeit von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau und wurde 1594 als Geschenkmünze zu acht Dukaten geprägt. Bereits das erste Gebot zum Start der Versteigerung lag bei 40'000 Franken. Der Verkaufspreis betrug schliesslich 56'250 Franken. Laut Faber gehört die sogenannte Turmprägung zu den gesuchtesten Salzburger Renaissance-Prägungen.
Zu den gefragten Stücken zählten auch Schweizer Goldvreneli, von denen gleich mehrere versteigert wurden
Im Rampenlicht stand insbesondere ein 100-Franken-Goldvreneli aus dem Jahr 1925. Das selten gut erhaltene Exemplar wurde als «fast in Stempelglanz und kaum mit Kratzern» beschrieben und erzielte einen Höchstpreis von 26'250 Franken.
Laut Mauritius Faber wurde der reine Goldwert der drei teuersten Goldmünzen an der Auktion in ausserordentlichem Ausmass übertroffen. Auch andere Exemplare hätten ein Mehrfaches ihres eigentlichen Goldwertes erzielt. Das zeige die weiterhin hohe Bedeutung von Gold als sicherer Hafen. Besonders gross bleibe die Nachfrage nach seltenen, historischen und gut erhaltenen Münzen.
«Diese Münzenauktion macht deutlich, dass in Zeiten von Unsicherheit und virtuellen Erlebnissen das Bedürfnis nach echtem, greifbarem Besitz wieder eine zentrale Rolle spielt», sagt Marianne Rapp Ohmann. Besonders gefragt seien derzeit seltene und aussergewöhnliche Sammelstücke. Das zeige sich nicht nur bei Münzen, sondern auch bei Vintage-Uhren und Schmuck bekannter Marken.
Am Donnerstag, 4. Juni 2026, stehen im Auktionshaus Rapp Schmuck und Premium-Uhren im Fokus. Erwartet werden unter anderem seltene Modelle von Audemars Piguet sowie Vintage-Schmuck von Cartier und Bulgari. «Je seltener und besonderer ein Objekt ist, desto grösser ist oft das Interesse. Genau diese Raritäten sorgen an Auktionen immer wieder für spannende Bietgefechte», sagt Rapp Ohmann.
Der Trend zu seltenen und authentischen Objekten zeige sich zunehmend auch bei jüngeren Käufern. Geschätzt würden vor allem Individualität, Qualität und die Geschichte hinter einem Objekt.