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«Bekanntheit kann man kaufen, Liebe nicht»

«Bekanntheit kann man kaufen, Liebe nicht»
Reto, Andrea und Urs Bischofberger
Lesezeit: 4 Minuten

Der Bärli-Biber ist mehr als eine Spezialität aus Weissbad. Für viele ist er ein Stück Kindheit und ein beliebtes Mitbringsel aus dem Appenzellerland. Andrea Bischofberger, Co-Geschäftsführerin der Bischofberger AG, erklärt, wie Tradition lebendig bleibt und weshalb manche Marken einen festen Platz im Herzen ihrer Kundschaft finden.

Was eine Marke emotional besonders stark macht, lässt sich aus Sicht von Andrea Bischofberger nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. Herkunft, Qualität, Tradition, Haltung, Geschmack und Nutzen greifen ineinander. Beim Bärli-Biber liege der Kern jedoch in der Erinnerung. «Viele unserer Kunden sind mit dem Bärli-Biber aufgewachsen und geniessen ihn nun mit ihren Kindern und Enkeln.» Deshalb sei es entscheidend, dass der Biber wiedererkennbar bleibe. «Der Geschmack muss so bleiben, wie man ihn seit über 60 Jahren kennt – die Gewürze, der Honig, die Mandelfüllung.»

«Handwerk lebt von neuen Ideen.»

Diese Beständigkeit beschränkt sich nicht auf das Produkt selbst

Auch die Verpackung trägt zum emotionalen Wert bei. Die traditionelle Appenzeller Bauernmalerei sei für die Marke ein wichtiger Faktor, sagt Bischofberger: «Sie ist gleichzeitig ein Stück Kultur, Geschichte und Heimat.» Damit wird der Bärli-Biber nicht einfach als Süssigkeit wahrgenommen, sondern als kleines, essbares Stück Appenzeller Identität.

Echte Verbundenheit entsteht für Bischofberger nicht durch künstlich erzeugte Nähe, sondern durch Glaubwürdigkeit. Die Bischofberger AG habe nie versucht, grösser zu wirken, als sie sei. «Wir sind ein klassischer Familienbetrieb – bodenständig, nahbar und echt. Wer bei uns anruft, landet nicht in einem Callcenter, sondern spricht mit Menschen, die neben der Backstube sitzen.» Diese Direktheit schafft Vertrauen. Die Marke wirkt nicht anonym, sondern persönlich und erreichbar.

Auch das regionale Engagement trägt zu dieser Verbundenheit bei. Besonders der Sport liegt dem Unternehmen am Herzen, genauer die Förderung heimischer Nachwuchsathleten. Bischofberger unterstützt seit Jahrzehnten Vereine und Non-Profit-Organisationen mit Backwaren. Dadurch entstehe wohl ebenfalls eine Bindung, sagt Bischofberger, vor allem lokal und regional.

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Die Herkunft spielt für den Bärli-Biber eine zentrale Rolle

Für Bischofberger ist sie vor allem Identität. «Appenzell ist nicht austauschbar, es steckt in der DNA des Produkts: die Rezeptur, die Zutaten, das Handwerk, die Mentalität.» Gleichzeitig sei die Herkunft eine Verpflichtung. Wer «Appenzell» im Produktnamen trage, müsse Qualität liefern. Dieser Erwartung wird das Unternehmen seit bald 70 Jahren gerecht – 1957 wurde die Marke «Bärli-Biber» beim Eidg. Amt für Geistiges Eigentum eingetragen.

Lovebrands leben von Geschichten, und beim Bärli-Biber sind es keine grossen Werbegeschichten, sondern kleine persönliche Momente. Besonders häufig höre man von Kunden Erzählungen über Wiedererkennung. «Jemand beisst nach Jahren wieder in einen Bärli-Biber – vielleicht im Ausland, vielleicht als Mitbringsel – und sagt: «Genau so hat er schon geschmeckt, als ich klein war.»» In diesem Satz steckt der Kern der Marke: Der Bärli-Biber funktioniert nicht über Überraschung, sondern über Verlässlichkeit. Er schmeckt nach früher, ohne altmodisch zu wirken.

Die grosse Herausforderung einer traditionsreichen Marke besteht darin, frisch zu bleiben, ohne ihren Kern zu verlieren. Für Andrea Bischofberger gelingt das nur, wenn man sorgfältig unterscheidet, was unverändert bleiben muss und wo Entwicklung möglich ist. «Der Klassiker mit dem Originalrezept ist unantastbar. Daran rütteln wir nicht.» Gleichzeitig dürfen sich aus diesem Kern neue Produkte entwickeln, wenn sie zum Zeitgeist und zur Marke passten.

«Der Bärli-Biber funktioniert über Verlässlichkeit, nicht über Überraschung.»

Ein Beispiel dafür ist der vegane Bärli-Biber, den das Unternehmen vor einigen Jahren eingeführt hat. Dabei wurde der Bienenhonig durch Birnel ersetzt. Das Produkt spreche eine neue Zielgruppe an und schmecke hervorragend, sagt Bischofberger. Entscheidend sei aber, dass der Klassiker unangetastet bleibe. So kann Innovation stattfinden, ohne die Identität der Marke zu beschädigen.

Darin liegt auch die Antwort auf die Frage, wo die grössere Gefahr für eine Lovebrand liegt: in zu viel Anpassung an Trends oder in zu wenig Veränderung. «Eine Lovebrand entsteht nicht durch ständige Neuerungen, sondern durch Vertrauen. Die Menschen kaufen Bärli-Biber nicht, weil er überraschend ist, sondern weil er verlässlich ist.» Stillstand sei damit aber nicht gemeint. «Gute Veränderungen entstehen dort, wo sie für das Produkt Sinn ergeben.» Neben der veganen Variante nennt Andrea Bischofberger den 2025 lancierten Schoggi-Bärli-Biber. Dieser verbinde zwei Genussprodukte, die «hervorragend zusammenpassen, während der Markenkern unverändert bleibt». So kann ein Produkt überraschen, ohne seine Identität zu verlieren.

Kermi  Prematic  

«Eine Lovebrand erkennt man daran, dass Menschen enttäuscht wären, wenn es sie nicht mehr gäbe.»

Persönliche Erlebnisse mit der Marke sind besonders wichtig

Das zeigt sich seit der Eröffnung des Neubaus, der Bärli-Biber-Welt, vor rund anderthalb Jahren. «Das Biberbacken erfreut sich einer viel grösseren Nachfrage als wir es erwartet hatten, und für die Ausstellung erhalten wir viele Komplimente.» Mit der Bärli-Biber-Welt in Weissbad kann das Unternehmen ein Erlebnis bieten, das direkt auf die Marke einzahlt. Aus dem Produkt werde damit ein Ort, aus dem Kauf ein Besuch und aus der Spezialität ein Erlebnis.

Der Unterschied zwischen einer bekannten Marke und einer echten Lovebrand liegt für Andrea Bischofberger nicht in der Reichweite, sondern in der emotionalen Bedeutung. «Bekanntheit kann man kaufen, Liebe nicht.» Eine Lovebrand erkenne man daran, dass Menschen enttäuscht wären, wenn es sie nicht mehr gäbe. Dieses Gefühl entstehe, wenn eine Marke über Jahre hinweg Teil persönlicher Momente gewesen sei.

Beim Bärli-Biber sind diese Momente stark mit Kindheit, Ausflügen und kleinen Belohnungen verbunden. Bischofberger beschreibt das Bild einer Familienwanderung, bei der man im Ausflugsrestaurant aus dem Körbli den Lohn für die strenge Bergtour erhielt. Diese Erinnerung ist für viele unmittelbar verständlich: Der Bärli-Biber war nicht einfach Proviant, sondern eine Belohnung, ein Ritual, ein süsser Abschluss nach Anstrengung.

Auch heute begleitet der Bärli-Biber viele Aktivitäten. Er ist dabei in der Znünipause, vor dem Vereinstermin oder beim Sport, wenn er vor dem Hungerrast bewahrt. Damit bleibt er im Alltag verankert: nicht als Luxusprodukt, sondern als vertrauter Begleiter. Warum Menschen den Bärli-Biber nicht nur mögen, sondern an ihm hängen, fasst Andrea Bischofberger so zusammen: «Weil er sie daran erinnert, woher sie kommen – und dass manche Dinge bleiben dürfen, wie sie sind.»

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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