Audemars Piguet erzielt 130'000 Franken
Text: pd/stz.
Im Auktionshaus Rapp liefen am Donnerstagabend kurz vor 18 Uhr die Telefonleitungen heiss. Interessenten aus der ganzen Welt boten für ein Exemplar der Audemars Piguet «Bamboo» mit, im Saal, online und per Telefon. Bereits im Vorfeld hatten sich die Gebote für die extrem seltene Vintage-Uhr überschlagen, sodass die Versteigerung bei rund 46'000 Franken startete. Am Ende kam die «Bamboo» für 130'000 Franken unter den Hammer.
Für Martin Ohmann Rapp, Leiter der Uhrenabteilung beim Auktionshaus Rapp, war der hohe Zuschlag keine Überraschung. «Die Audemars Piguet ‹Bamboo› zählt zu den gefragtesten Vintage-Uhren überhaupt. Komplizierte Ausführungen in diesem Zustand gelangen kaum noch auf den Markt», sagt er.
Das versteigerte Exemplar wurde in den 1980er-Jahren gefertigt und besteht aus 18-karätigem Gold. Es präsentiert sich in nahezu ungetragenem Zustand, mit scharfen Kanten und hervorragend erhaltenen Oberflächen. Ihren Namen verdankt die Uhr der charakteristischen Gestaltung: Lünette und integriertes Goldarmband erinnern mit ihrer segmentierten Struktur an Bambusrohre. «Sammlerinnen und Sammler aus aller Welt suchen heute nach genau solchen Stücken, die man nicht an jeder Ecke findet», erklärt Martin Ohmann Rapp.
Die Uhr stammt aus dem Nachlass einer Ostschweizer Unternehmerfamilie, die anonym bleiben möchte
Bei der Sichtung des Nachlasses sei ihm die Uhr sofort ins Auge gefallen, sagt Ohmann Rapp. «Der Besitzer hatte sie in den 1980er-Jahren neu gekauft. Damals für einen Bruchteil des heutigen Sammelwerts.»
Zum weltweit begehrten Sammelstück wurde die «Bamboo» auch durch junge Prominente. Schauspieler Jacob Elordi, bekannt aus der TV-Serie «Euphoria», trug eine «Bamboo» am exklusiven Newport Beach Film Festival 2025 und verlieh ihr damit zusätzliche Aufmerksamkeit. Auch Romeo Beckham, Model und Sohn des früheren Fussballers David Beckham, sowie Schauspieler Michael B. Jordan wurden bereits mit einer «Bamboo» gesichtet.
Entsprechend früh geriet die Ostschweizer «Bamboo» ins Visier von Interessenten aus Europa, den USA, Asien und dem Nahen Osten. Die starke Nachfrage zeigt laut Martin Ohmann Rapp einen generellen Wandel im internationalen Uhrenmarkt. Gefragt seien zunehmend seltene Designstücke mit Charakter, Seltenheit und einer klaren Handschrift ihrer Zeit. Nicht zwingend die grösste oder teuerste Uhr stehe im Fokus, sondern Designgeschichte, Individualität und Herkunft. Jacob Elordi gelte dabei als eine Stil-Ikone einer jüngeren Sammelgeneration, die sich mit exklusiven Accessoires bewusst vom Mainstream abheben wolle.
Die Uhrenauktion war bereits mit einem Paukenschlag gestartet. Mehr als einhundert Bieter vor Ort, mehrere hundert online zugeschaltete Interessenten und zahlreiche Telefonbieter lieferten sich einen rund zehnminütigen Bietkampf um ein Exemplar von Patek, Czapek & Cie., der Vorgängermanufaktur von Patek Philippe, aus den 1840er-Jahren. Die historisch bedeutende Taschenuhr startete bei 5000 Franken und wurde schliesslich für 75'000 Franken verkauft. Damit übertraf sie laut Martin Ohmann Rapp die Erwartungen deutlich.
Auch eine Patek Philippe mit besonderer Geschichte aus den 1920er-Jahren sorgte für Aufsehen. Sie kam für 37'500 Franken unter den Hammer. Die Uhr trägt eine persönliche Widmung an George Draper Dayton II, der von 1907 bis 1988 lebte. Er hatte sie zu seinem 30. Geburtstag erhalten, möglicherweise von seinem Grossvater, dem Gründer der heutigen Target Corporation, einem der grössten Detailhandelskonzerne der USA.