St.Gallen

Satellitentechnologie: Der neue Stern am Unternehmenshimmel

Satellitentechnologie: Der neue Stern am Unternehmenshimmel
Lesezeit: 4 Minuten

Der Weltraum wird oft mit futuristischen Projekten und abgehobenen Tech-Milliardären assoziiert. Dabei beeinflusst das All unseren Alltag weit mehr, als viele annehmen. Schon heute liefern zahlreiche Satelliten aus der Erdumlaufbahn unverzichtbare Daten. Der immer leichtere Zugang zu satellitengestützter Technologie und damit zum Weltraum bietet zunehmend auch wirtschaftliche Chancen. Ein neuer Zertifikatskurs an der OST zeigt auf, wie Unternehmen profitieren können, wenn sie den Blick über die Erdatmosphäre hinaus wagen.

Text: pd/stz.

In der Wetter-App die Sonne suchen, auf Google Maps den schnellsten Weg nachschlagen oder Paketlieferungen mitverfolgen: All diese alltäglichen Funktionen basieren auf Satellitendaten aus dem Weltraum. Satellitengestützte Technologien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, tragen darüber hinaus aber auch massgeblich zum Funktionieren unserer Gesellschaft und Wirtschaft bei.

Sie helfen der Feuerwehr bei der Bekämpfung von Waldbränden, der Polizei bei der Suche nach Vermissten und der Landwirtschaft bei der gezielten Bewässerung von Feldern. Nicht zuletzt liefern sie auch unabhängige und kontinuierliche Informationen über Ereignisse in Kriegsgebieten, selbst dort, wo Journalisten kaum Zugang haben. Damit spielt die Satellitentechnologie auch eine zentrale Rolle für die Politik, etwa in Sachen Diplomatie und Friedensförderung.

Esther Omlin
Esther Omlin

Volatile Weltlage zwingt zum Umdenken

Der neue Zertifikatskurs CAS Chance Weltraum an der OST – Ostschweizer Fachhochschule befasst sich vertieft mit der Frage, wie hochpräzise Satellitendaten und orbitale Systeme zur Lösung globaler Herausforderungen beitragen können und wie Unternehmen dadurch zu neuen Geschäftsmöglichkeiten oder Wettbewerbsvorteilen gelangen.

Die Thematik sei aktueller denn je, sagt Esther Omlin, Dozentin für Sicherheits- und Wirtschaftsrecht am IFL Institut für Finance und Law an der OST. Sie hat den Kurs zusammen mit Hanspeter Keel, Professor für Maschinentechnik, und Alex Heinemann aufgebaut. Mit dem Angebot reagiert das Leitungsteam auf Bedürfnisse aus der Praxis: Immer mehr Unternehmen suchen aufgrund der volatilen Wirtschaftslage – ausgelöst durch höhere Zölle, geopolitische Verschiebungen oder Lieferkettenengpässe – nach neuen Ansätzen. Dabei möchten sie auf zukunftsfähige und sichere Technologien setzen.

Gemäss Omlin sind es aber auch die aktuellen Entwicklungen in der Politik, die den Zeitpunkt für ein solches Weiterbildungsangebot richtig erscheinen lassen. So hat das VBS gerade erst das Kompetenzzentrum Weltraum an den Start geschickt. Zudem befindet sich ein neues Schweizer Raumfahrtgesetz in der Ausarbeitung. Es soll ab 2028 in Kraft treten. Ziel ist es insbesondere, den Betrieb von Satelliten zu regulieren und die von der Schweiz ratifizierten Weltraumübereinkommen der UNO umzusetzen. «Gleichzeitig schafft das neue Gesetz Transparenz bei den Genehmigungen, öffnet den Wettbewerb und wirkt als wirtschaftlicher Motor», sagt Esther Omlin. Denn Raumfahrtaktivitäten würden zunehmend aus ökonomischen Überlegungen von privaten Unternehmen betrieben.

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Hanspeter Keel
Hanspeter Keel

New Space Economy nimmt Fahrt auf

Fest steht: Der Weltraum bietet Unternehmen neue Chancen – sei es, indem sie in die Herstellung von Komponenten oder Produkten investieren, die für die Raumfahrt benötigt werden, oder indem sie ihre Prozesse anhand von Daten eigener oder externer Satelliten optimieren.

«Mithilfe von Satellitendaten kann ein Unternehmen beispielsweise überprüfen, ob Produktionsstätten von prognostizierten Unwettern betroffen sein könnten oder ob allfällige Probleme in der Lieferkette drohen», sagt Hanspeter Keel, Co-Leiter des CAS. Dies ermögliche wiederum, Risiken zu antizipieren und proaktiv darauf zu reagieren. Aber nicht nur global tätige Unternehmen profitieren laut Keel von Satellitendaten, sondern auch lokale Firmen, etwa Betreiber von Wintersportgebieten. «Sie können durch Messdaten die Schneebeschaffenheit und Schneehöhe besser beurteilen und somit die Beschneiung und Präparation der Pisten optimal steuern sowie die Skisaison früher beginnen oder verlängern.»

Während in der Vergangenheit vor allem staatliche Akteure wie NASA, ESA oder Roskosmos Satellitendienste bereitstellten, findet heute immer mehr eine Kommerzialisierung der Raumfahrt statt. Die Rede ist von der New Space Economy. Dabei ist der Einsatz eigener Satelliten längst nicht mehr nur Superreichen wie Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX vorbehalten. Auch kleinere Unternehmen haben mittlerweile die Möglichkeit, einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken und darüber unabhängige Daten zu empfangen.

Von der Finanzierung bis zur Versicherung

Die Anwendungsfelder satellitengestützter Technologien sind vielfältig und gehen weit über den wirtschaftlichen Kontext hinaus. So spielen sie auch in den Bereichen Sicherheit und Rettung, Forschung oder Umweltbeobachtung eine wichtige Rolle.

Laut Esther Omlin birgt die Nutzung des Weltraums neben den zahlreichen Chancen auch neue Herausforderungen. Zum Beispiel, wenn es um die Finanzierung oder die Versicherung geht. «Das reicht bis zur Frage, wer dafür haftet, wenn ein Satellit aus der Umlaufbahn gerät und andere Satelliten beschädigt», erklärt die Juristin. Ein grosses Thema seien auch Cyberangriffe oder Spionage.

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