Gemeinden der Zukunft gemeinsam gestalten
Text: pd/stz.
Den Auftakt machte eine Keynote von Prof. Dr. Stefan Kammhuber, Leiter des Instituts für Kommunikation und interkulturelle Kompetenz. Er zeigte auf, wie das Gefühl des «Dazugehörens» den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und wie Gemeinden Integration und Engagement gezielt fördern können.
«Das Dazugehören ist ein Grundbedürfnis; wer sich aufgehoben fühlt in einer Gruppe oder einer Gemeinde, fühlt sich geborgen», sagte Kammhuber. Aus der Forschung sei bekannt, dass soziale Zugehörigkeit entscheidend für gelingende Integration sei. Diskriminierung und fehlende Sprachkenntnisse gehörten zu den grössten Stressoren, die eine erfolgreiche Integration erschweren.
Praxisbeispiele aus Workshops
In zwei Workshop-Sessions wurden konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Praxis diskutiert. Mag. Fabian Andreas Rebitzer von der FH Vorarlberg zeigte im Workshop «Zusammenleben & Lebensqualität», wie Gemeinden Bürger wirksam in Beteiligungsprozesse einbinden können. Dabei betonte er, dass Zugehörigkeit ein grundlegendes menschliches Bedürfnis sei. Entscheidend sei deshalb, Interesse zu wecken und Beziehungen aufzubauen, damit Menschen sich engagieren und beispielsweise an lokalen Veranstaltungen oder Beteiligungsprozessen teilnehmen.
Hans Mäder, Stadtpräsident von Wil, thematisierte im Workshop «Raum, Mobilität & lebendige Zentren» politische Rahmenbedingungen für die Entwicklung attraktiver Ortszentren. Als Beispiel stellte er die Ortsplanungsrevision in Wil vor, die parallel zur Revision des Richtplans Siedlung & Landschaft und zum Stadtentwicklungskonzept erarbeitet wurde. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei eine klare Kommunikation über Ziele und Nutzen von Projekten gewesen – etwa über das «Warum» einer Veränderung statt über technische Details. Zudem wies er auf die zunehmende Bedeutung paralleler Planungsprozesse sowie auf die Notwendigkeit hin, politische Entscheidungsträger frühzeitig in strategische Diskussionen einzubeziehen.
Maurin Büche von der Abacus Research AG zeigte im Workshop «Zukunftsfähige Verwaltung & Organisation» auf, welches Potenzial die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen bietet. So könne etwa die automatisierte Verarbeitung von Rechnungen administrative Kosten deutlich senken und Fehler reduzieren. Neue Technologien wie automatische Dokumentenerkennung oder digitale Lösungen für Signaturen und Identifikation könnten Verwaltungsabläufe vereinfachen und sicherer machen. Gleichzeitig müssten Gemeinden beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz Fragen des Datenschutzes sowie die Integration in bestehende Systeme sorgfältig berücksichtigen.
Integration, Führung und Zusammenarbeit
In der zweiten Workshop-Session sprach Monika Wissing, Projektleiterin Integration beim St.Galler Amt für Soziales, über das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Integration gelinge vor allem über Begegnung, Sprache und gezielte Anreizsysteme. Deutschkenntnisse seien ein zentraler Schlüssel zur Integration, gleichzeitig brauche es Angebote, die Begegnungen zwischen Wohnbevölkerung und Zugewanderten ermöglichen. Integration sei jedoch kein Selbstläufer, sondern erfordere langfristige Prozesse, fachliche Begleitung und ausreichende Ressourcen.
Barbara Thalmann, Stadtpräsidentin von Uster, widmete sich der Frage, wie Gemeindeverwaltungen im Wandel geführt werden können. Transparente Kommunikation sei zentral, um Vertrauen in die Verwaltung zu stärken. Gleichzeitig sollten Verwaltungen ihre Wirkung stärker sichtbar machen und nicht nur über Ressourcen und Budgets steuern. Entscheidend seien zudem motivierte Mitarbeiter, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine innovationsfreundliche Organisationskultur.
Dialog als Grundlage für gemeinsame Lösungen
Den Abschluss der Tagung bildete eine Keynote von Dr. Stefanie Sandra Wiloth, Leiterin des Kompetenzzentrums Soziale Innovationen & Altern am Institut für Altersforschung der OST. Sie zeigte auf, wie Dialogprozesse dazu beitragen können, Vertrauen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aufzubauen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Dialog ermögliche einen Austausch von Erfahrungen, fördere gegenseitiges Verständnis und stärke ein gemeinsames «Wir». Dieses wiederum sei die Grundlage für gemeinsames Handeln.
Partizipation bedeute dabei mehr als Information: Sie ermögliche Mitgestaltung mit dem Ziel, gemeinsam Probleme zu lösen. Entscheidend sei, dass Dialogformate mit realen politischen Entscheidungsprozessen verknüpft seien. Nur so könne Dialog auch tatsächlich politische Wirkung entfalten.
Die Ostschweizer Gemeindetagung bot den Teilnehmern neben fachlichen Inputs auch Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung innerhalb der Region und setzte wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Gemeinden in der Ostschweiz. «Die Gemeinde der Zukunft entsteht nicht einfach so, sie muss gestaltet werden», sagte Prof. Dr. Alexandra Cloots, Leiterin des Instituts für Diversität und Neue Arbeitswelten an der OST, abschliessend. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die nächste Ostschweizer Gemeindetagung am 11. März 2027 erneut am OST-Campus St.Gallen stattfinden wird.