HSG-Festtag verbindet Spitzenforschung und gesellschaftspolitische Debatte
Text: PD/stz.
Nur wenige Schritte von der Aula auf dem Campus der Universität St.Gallen (HSG) entfernt liegt der Kirchhoferpark. Ein Ort, der an diesem «Dies academicus» vom Rand ins Zentrum rückte.
Der franko-schweizerische Komponist und Dirigent Stéphane Fromageot, seit 1998 Kapellmeister und Studienleiter am Theater St.Gallen, liess die Gäste hören, was sie sonst nur sehen: das erste Grün, das Spiel des Lichts zwischen den Baumriesen, die Stille des Naturspektakels, das zum Campus gehört und doch eine Welt für sich ist.
«Promenade»: ein musikalisches und filmisches Flanieren durch den Kirchhoferpark
«Stéphane Fromageot hat das Stück ‹Promenade› speziell für diesen feierlichen Anlass geschrieben und mit seinen Musikern heute hier erstmals aufgeführt», freute sich Rektor Manuel Ammann. Was an den Melodien so besonders ist: der Dreiklang «H-Es-G», der in der Komposition dreimal erscheint, am Anfang, in der Mitte und am Ende.
Begleitet wurde die Uraufführung von einer grossen Videoprojektion. Darin wurde immer wieder in die Vogelperspektive gewechselt, begleitet vom Gezwitscher im Park. «Die Zuschauer fliegen gewissermassen über die Universität hinweg als Schwalbe in die Zukunft», sagte Stéphane Fromageot.
Rektor Manuel Ammann führte durch die Feierlichkeiten und hielt ein Plädoyer für Innovation und Souveränität. Er thematisierte in seiner Festrede globale Umbrüche und die Souveränität der Schweiz. «Wir leben in der produktivsten, vernetztesten und technologisch mächtigsten Zivilisation der Menschheitsgeschichte. Und trotzdem oder gerade deshalb sind wir abhängiger als je zuvor. Souveränität im 21. Jahrhundert ist vielschichtig, dynamisch und tief in globale wirtschaftliche und technologische Zusammenhänge eingebettet», führte der Rektor aus.
Ruf nach mehr Souveränität
Die Forderung maximaler Souveränität würde für ein kleines Land wie die Schweiz aber bedeuten, sich vom Modell der offenen Volkswirtschaft zu verabschieden und in vielen Bereichen auf die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung zu verzichten. Europa verfüge über exzellente technische Hochschulen und einen hohen Bildungsstandard. Entscheidend sei deshalb etwas anderes: die Fähigkeit, dieses Wissen in Wertschöpfung zu überführen, so Ammann. Etwa mit innovationsfördernden Rahmenbedingungen.
Die HSG sehe sich dabei selbst als Teil dieses Programms. Sie zählt zu den gründungsstärksten Hochschulen im deutschsprachigen Raum, mit über 800 neuen Unternehmen im Zeitraum von zehn Jahren. Wirtschaftliche Stärke und Innovationskraft seien wichtige Voraussetzungen für Souveränität.
Fussball und Studium: Teamgeist als verbindende Kraft
Leonardo Moser, Präsident der Studentenschaft (SHSG) und gebürtiger Thuner, machte den Schweizer Meistertitel des FC Thun zum Ausgangspunkt seiner Ansprache. «Als ich in den letzten Wochen über das studentische Leben und insbesondere das studentische Engagement reflektiert habe, fiel mir auf: Was den FC Thun ausmacht, habe ich selbst erlebt. Nicht auf dem Spielfeld. Aber in den Gängen dieser Universität», sagte Leonardo Moser.
Gegenseitiges Vertrauen, Teamgeist, eine klare Strategie sowie Resilienz seien keine reinen Fussballbegriffe. Es seien Grundsätze, die auch für die Universitätsgemeinschaft gelten. «Auch ich war ein Jahr lang Spieler und durfte an der Universität aktiv mitspielen und mitgestalten. Dabei war ich nicht alleine, ich war Teil einer grossartigen Mannschaft», bedankte sich Leonardo Moser bei seinem Team.
Studenten zeichnen drei Persönlichkeiten aus
Das überdurchschnittliche Engagement der Studenten in Vereinen und Initiativen zeichnet die HSG besonders aus. In diesem Jahr ehrte die Studentenschaft Dr. Bruno Hensler, der während neun Jahren als Verwaltungsdirektor mit der Universität und den Studenten verbunden war, mit dem «Mentor-Preis». Den Preis übergab SHSG-Präsident Leonardo Moser an den ehemaligen Verwaltungsdirektor.
Mit dem «Teaching Award» wurde Dr. Florian Gasser zum besten Dozenten ernannt. Er erhält damit einen Stern in der «Hall of Teaching Fame». Der «Student Engagement Award» ging an den studentischen Verein «Pieces». Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildungslandschaft in Entwicklungsländern zu transformieren. Mit Initiativen auf dem Campus bringt er Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen.
Ehrendoktorate in Management, Finanzwirtschaft und Computer Science
Seit 1949 ernennt die HSG Persönlichkeiten für ihre Leistungen zu Ehrendoktoren. Diese Auszeichnung wurde 2026 drei Persönlichkeiten verliehen: Prof. Melissa A. Schilling, Professorin an der New York University Stern School of Business, zählt zu den international führenden Stimmen in Innovation und Strategischem Management. Sie hat zahlreiche Doktoranden ausgebildet, die heute an führenden Universitäten in Europa und den USA forschen.
Prof. Anna Pavlova, Professorin für Finance an der London Business School, trägt mit ihrer Forschung in den Bereichen Finanzmärkte und Asset Pricing zu verantwortungsvolleren Finanzsystemen bei. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet.
Brewster Kahle, Gründer des «Internet Archive», einer gemeinnützigen digitalen Bibliothek für freien Zugang zu Texten, Filmen, Musik und archivierten Webseiten, zählt zu den Pionieren des digitalen Zeitalters.
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Nachwuchsforscher Tobias Ebert erhält den «Latsis-Preis»
Die Fondation Latsis Internationale ehrt Nachwuchsforscher jährlich an ausgewählten Universitäten der Schweiz. In diesem Jahr ging der «Latsis-Preis» an Prof. Dr. Tobias Ebert, Experte im interdisziplinären Feld der Behavioral Sciences.
In seiner Forschung setzt er sich mit der psychologischen Wirkung von Orten auseinander und hat damit ein neues Forschungsgebiet der Behavioral Sciences erschlossen.
Drei Forschungsprojekte mit «HSG Impact Awards» gewürdigt
«In unserem ‹Strategic Plan 2030› fasst der Claim ‹From insight to impact› das Versprechen der Universität St.Gallen zusammen: Wir erzielen Wirkung durch exzellente Forschung», sagte Rektor Manuel Ammann. Die Impact Awards seien Ausdruck dieser Überzeugung. In diesem Jahr wurden drei Forschungsprojekte ausgezeichnet.
Dr. Andreas Janson, Dr. Roman Ritsche, Prof. Dr. Bernadette Dilger, Prof. Dr. Ivo Blohm und Prof. Dr. Jan Marco Leimeister wurden für das Innosuisse-Flagship-Forschungsprojekt «Swiss circular economy of skills and competencies» ausgezeichnet.
Prof. Dr. Dietmar Grichnik und Dr. Robert Schreiber erhielten einen «HSG Impact Award» für das Innosuisse-Innovationsprojekt «AI-based nutritional assessment of malnourished patients in care facilities».
Ein weiterer «HSG Impact Award» ging an Prof. Dr. Johanna Gollnhofer für das Forschungsprojekt «The 60% Potential – Using marketing to win over mainstream consumers for sustainable consumption».
