St.Gallen

Studie zeigt, wie Mädchen für Informatikberufe gewonnen werden können

Studie zeigt, wie Mädchen für Informatikberufe gewonnen werden können
Wird der Informatikberuf mit Fokus auf Teamarbeit und Austausch dargestellt, steigt das Interesse von Mädchen signifikant
Lesezeit: 3 Minuten

IT-Berufe gelten als zukunftsträchtig, sprechen aber weiterhin vor allem Jungen und Männer an. Eine neue Studie der Universität St.Gallen zeigt nun: Entscheidend ist nicht nur, welche Anforderungen ein Beruf tatsächlich stellt, sondern auch, wie er Jugendlichen vermittelt wird. Wird Informatik stärker mit Teamarbeit, Austausch und sozialer Interaktion dargestellt, steigt das Interesse von Mädchen deutlich.

Text: pd/stz.

Der Bedarf an digitalen Kompetenzen wächst. Cyber Security, KI-Entwicklung, Netzwerkpflege, Support und viele weitere Bereiche der Informatik benötigen auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte. Trotz einzelner Veränderungen durch künstliche Intelligenz bleibt der Bedarf hoch. Gleichzeitig entscheiden sich nach wie vor vergleichsweise wenige Mädchen und junge Frauen für eine berufliche Laufbahn in der Informatik. Wie sich das ändern lässt, haben HSG-Forscher nun in einer gross angelegten Studie untersucht.

Dr. Scherwin Bajka und Prof. Dr. Patrick Emmenegger gingen der Frage nach, welche Rolle die Darstellung des Informatikberufs bei der Berufswahl spielt. Grundlage der Studie war eine Umfrage unter rund 2500 Jugendlichen der 8. Klasse aus den Kantonen St.Gallen und Luzern. Die Ergebnisse zeigen: Um mehr Mädchen für Informatikberufe zu gewinnen, reicht es nicht aus, lediglich ihre Selbsteinschätzung in Bezug auf technische Fähigkeiten zu stärken. Ebenso wichtig ist es, bestehende Berufsbilder kritisch zu hinterfragen und realistischer zu vermitteln.

Die Studie macht deutlich, dass Mädchen Informatikberufe deutlich seltener als Jungen mit sozial-interaktiven Tätigkeiten verbinden. Während Jungen Informatik sowohl als technisch herausfordernd als auch als sozial interaktiv wahrnehmen, sehen Mädchen diese Berufe häufiger vor allem als rein technische Tätigkeit. Das entspricht jedoch nur teilweise der Realität. Der Berufsalltag in der Informatik umfasst neben technischem Know-how auch Teamarbeit, Austausch mit Kollegen, Kundenkontakt und gemeinsame Problemlösung. Gerade diese Aspekte werden in der Berufsdarstellung bisher aber oft zu wenig sichtbar gemacht.

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Um zu prüfen, wie sich unterschiedliche Darstellungen auswirken, arbeiteten die Forscher mit Berufsinformationsvideos

Eine Gruppe der Jugendlichen sah ein klassisches, technisch geprägtes Video über den Informatikberuf. Eine zweite Gruppe erhielt eine Variante, in der soziale Aspekte wie Teamarbeit, Kommunikation und Zusammenarbeit stärker hervorgehoben wurden.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Wird der Informatikberuf mit Fokus auf Teamarbeit und Austausch dargestellt, steigt das Interesse von Mädchen signifikant. Bei Jungen bleibt das Interesse hingegen unabhängig von der Darstellung stabil. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Vorgängerstudie.

Damit zeigt die Untersuchung, dass eine realistischere und sozial ausgewogenere Darstellung von Informatikberufen gezielt dazu beitragen kann, mehr Mädchen für diese Laufbahnen zu gewinnen, ohne Jungen abzuschrecken oder das Berufsbild zu verzerren. Gleichzeitig relativiert die Studie die Annahme, dass Geschlechterunterschiede in der Berufswahl ausschliesslich auf individuelle Präferenzen zurückzuführen sind. Sie entstehen auch durch Wahrnehmungen, Darstellungen und stereotype Vorstellungen beruflicher Anforderungen und können entsprechend verändert werden.

Für Politik, Schulen und Berufsberatung ergeben sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen. Berufsorientierung im Bereich Informatik sollte die sozialen Aspekte technischer Berufe stärker hervorheben und frühzeitig mit einseitigen Vorstellungen aufräumen. Bereits einfache Massnahmen wie kurze Videos, angepasste Berufsbeschreibungen oder realitätsnähere Einblicke in den Berufsalltag können messbare Effekte auf die Berufswahl haben.

Die Studie «How to reduce the IT gender gap in occupational preferences?» von Prof. Dr. Patrick Emmenegger und Dr. Scherwin Bajka steht online zum Download zur Verfügung.

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