Studie zeigt, wie Mädchen für Informatikberufe gewonnen werden können
Text: pd/stz.
Um zu prüfen, wie sich unterschiedliche Darstellungen auswirken, arbeiteten die Forscher mit Berufsinformationsvideos
Eine Gruppe der Jugendlichen sah ein klassisches, technisch geprägtes Video über den Informatikberuf. Eine zweite Gruppe erhielt eine Variante, in der soziale Aspekte wie Teamarbeit, Kommunikation und Zusammenarbeit stärker hervorgehoben wurden.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Wird der Informatikberuf mit Fokus auf Teamarbeit und Austausch dargestellt, steigt das Interesse von Mädchen signifikant. Bei Jungen bleibt das Interesse hingegen unabhängig von der Darstellung stabil. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Vorgängerstudie.
Damit zeigt die Untersuchung, dass eine realistischere und sozial ausgewogenere Darstellung von Informatikberufen gezielt dazu beitragen kann, mehr Mädchen für diese Laufbahnen zu gewinnen, ohne Jungen abzuschrecken oder das Berufsbild zu verzerren. Gleichzeitig relativiert die Studie die Annahme, dass Geschlechterunterschiede in der Berufswahl ausschliesslich auf individuelle Präferenzen zurückzuführen sind. Sie entstehen auch durch Wahrnehmungen, Darstellungen und stereotype Vorstellungen beruflicher Anforderungen und können entsprechend verändert werden.
Für Politik, Schulen und Berufsberatung ergeben sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen. Berufsorientierung im Bereich Informatik sollte die sozialen Aspekte technischer Berufe stärker hervorheben und frühzeitig mit einseitigen Vorstellungen aufräumen. Bereits einfache Massnahmen wie kurze Videos, angepasste Berufsbeschreibungen oder realitätsnähere Einblicke in den Berufsalltag können messbare Effekte auf die Berufswahl haben.
Die Studie «How to reduce the IT gender gap in occupational preferences?» von Prof. Dr. Patrick Emmenegger und Dr. Scherwin Bajka steht online zum Download zur Verfügung.